Tagesarchiv für 25. November 2014

RT im Kino

Mommy

Dienstag, den 25. November 2014

Es geht nicht mehr. Steve (15, Antoine-Olivier Pilon) war schon in mehreren Heimen. Immer musste er gehen. Und jetzt schon wieder, nachdem er in der Cafeteria ein Feuer gelegt hat. Steve muss nach Hause, zu seiner Mutter.
Keine einfache Sache für Diane (Anne Dorval). Steve ist schwierig, er rastet oft aus, seine manieren lassen zu Wünschen übrig. Aber sie liebt ihn, wie eine Mutter eben ihren Sohn liebt. Immer wieder stellt Steve sie auf die Probe, dabei hat sie eigentlich ihre eigenen Probleme. Die Kohle, um Leben zu können, muss sie sich hart erarbeiten. Aber es reicht einfach nicht.
Hilfe bekommen die beiden von der Nachbarin gegenüber, und das, obwohl Kyla (Suzanne Clément) ebenfalls ihre Schwierigkeiten hat.

Xavier Dolan hat mit “Mommy” sein fünftes Regiewerk abgeliefert. Das wäre erst mal nichts allzu besonderes. Das wird es erst dann, wenn man erfährt, dass Dolan gerade mal 25 ist.
Dolan hat ein gutes Gespür für packende Geschichten, für spannende Beziehungsdramen und dafür, daraus einen interessanten Film zu machen. In “Mommy” lernen wir gleich drei gestörte Menschen kennen – jeder auf seine Art. Der verhaltensauffällige Steve. Seine Mutter, die Gefühle auch nur vordergründig zeigt, und Kyla, eine Sprachstörung zu haben scheint, von der niemand weiß, woher sie kommt.
Sie sind eingeengt in ihrem Leben. Jeder für sich. Der Film ist nicht umsonst im 1:1-Quadratformat gehalten – die Enge ist auf heutigen Kinoleinwänden erdrückend.
Wir sehen aber, wie alle drei aufblühen. Und wenn sich das Bild plötzlich weitet, dann spürt auch der Zuschauer die Freiheit. Toll gemacht!
“Mommy” lebt aber auch von den tollen Darstellern, allen voran Antoine-Olivier Pilon mit seinen Ausrastern, Grimassen und liebevollen Augenblicken. Aber auch die beiden Frauen spielen ihre seelischen Leiden mit Verve, aber ohne großes Tun.
Nur die Länge des Films ist ein bisschen ausgeufert. Weit mehr als zwei Stunden sind schon arg viel…

Mommy
Kanada 2014, Regie: Xavier Dolan
Weltkino, 138 Minuten, ab 12
8/10

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RTZapper

Kesslers Expedition: Auf drei Rädern von Bayern an die Ostsee

Dienstag, den 25. November 2014
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FR 21.11.2014 | 20.15 Uhr | rbb

Im Ersten waren für Kesslers zehnte Expedition nur zwei Vormittagsprogrammplätze frei. Aber auf den rbb ist Verlass. Dort liefen sogar vier 90-Minüter zur Primetime. “Auf drei Rädern von Bayern an die Ostsee” war Michael Kessler diesmal unterwegs. Fast 1400 Kilometer weit entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze.
Es war die bislang beste Staffel der Reihe.

“Kesslers Expedition” ist ein wunderbares Kleinod im deutschen Fernsehen. Im Fall der 10. Staffel reiste der Comedian mit einem Tuk-Tuk. Alles, was unterwegs passierte, war spontan. Klar sind nur die Reiseroute und in der Regel auch die Übernachtungsorte. Was aber auf der Fahrt selbst geschieht – das bleibt vollkommen offen. Bei Kessler ist nichts gescripted, seine Begegnungen und Gespräche sind echt.

Auf der Grenze entlang des heutigen grünen Bandes, dort wo einst die Mauer stand, hat er viele spannende Leute getroffen. Leute, die ihm erzählten, wie wichtig ihnen die Wende vor 25 Jahren noch heute ist. Leute, die von ihren Vorteilen des Mauerfalls erzählten, und auch von den Nachteilen. Er traf damalige Flüchtlinge oder auch einfach nur neugierige Dorfbewohner. Die Reihe bot witzige, rührende und auch traurige Momente. Als Kessler einen Mann in seinem Garten besucht, berichtet der von seinen künstlerischen Ambitionen – und davon, dass er das in Todesangst wegen einer schweren Krankheit getan habe. Der Mann war den Tränen nah, und auch Kessler war schwer gerührt. Es war ein sehr stiller Augenblick – und dennoch sehr kraftvoll, einfach wahrhaftig.
Immer wieder merkte man Kessler an, wie viel Spaß er hatte, wie ihn bestimmte Begegnungen tief beeindruckte.

Auf dieser Expedition im rbb haben wir etwas über die deutsche Seele 2014 erfahren. Dafür, und dafür wie einfach und doch wirkungsvoll die Doku gemacht ist, sollte es zwingend sehr viele Fernsehpreise geben!

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RTelenovela

Von vorn bis hinten scheiße: Im falschen Film

Dienstag, den 25. November 2014
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Sie fanden alles scheiße. Der Film war scheiße. Die Rahmenhandlung war scheiße. Das Gelaber danach war scheiße. Die beiden gastgebenden Moderatoren waren scheiße.
Die beiden Herren im Kino in der Reihe hinter uns waren, ja, man könnte sagen: unzufrieden.

Allerdings muss man auch sagen: Sie haben das Konzept des kompletten Abends nicht verstanden. Im Kino in der Berliner Kulturbrauerei lief nämlich ein Film aus der Reihe “Die schlechtesten Filme aller Zeiten”. Heißt: Wir sehen uns einen beschissenen Film an, der immer wieder unterbrochen wird, damit uns Oliver Kalkofe und Peter Rütten die Scheißigkeit des Films erklären.
Vielleicht mag man das kaum glauben: Aber das ist unfassbar witzig. Schaut man sich wissentlich einen miesen Film an, dann kann das sehr lustig sein. Besonders schlecht gemachte Szenen werden applaudiert, immer wieder wird gelacht und gefeiert.

Die beiden Herren hinter uns – leicht bis mittelschwer alkoholisiert – schienen nicht gewusst zu haben, was auf die zukommt, als ihnen offenbar irgendjemand die Freikarten für “Sharknado 2” in die Hand drückte.
Sie fanden das alles überhaupt nicht lustig, was sie uns auch immer wieder mal mitteilten. Dass das alles Schrott sei. Und warum denn alle lachen? Und ob sie nicht lieber gehen wollen? Was sie leider nicht getan haben.
Als dann Kalkofe und Rütten nach der Vorstellung noch auf die Kinobühne kamen, fanden die beiden Männer auch dies … ganz klar: scheiße. Was für Selbstdarsteller die doch seien. Was die für einen Müll reden würden. Und ob sie nicht lieber gehen wollen? Was sie leider noch immer nicht getan haben. Sie blieben bis zum bitteren Ende.

Es gibt Leute, die haben einen scheiß Abend einfach mal verdient. Die beiden Männer gehören ganz klar dazu.

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