Tagesarchiv für 20. November 2014

RTZapper

Die Anstalt

Donnerstag, den 20. November 2014
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DI 18.11.2014 | 22.25 Uhr | ZDF

An der deutsch-deutschen Grenze sind einst etwa 800 Leute gestorben. Es ist gerade mal zwei Wochen her, dass die Deutschen das 25. Jubiläum des Mauerfalls gefeiert haben.
Jetzt haben wir 2014, und an der europäischen Außengrenze steht vielerorts wieder eine Mauer, und die ist sehr viel höher als damals die Mauer in Berlin. 20.000 Menschen sind dort, oder auf der Flucht nach Europa in die EU schon umgekommen. Aber irgendwie redet da kaum jemand drüber. Viele wissen das auch gar nicht.

Da muss erst eine Satiresendung das Thema aufgreifen, und man bekommt das Drama, den politischen Skandal vor Augen geführt. Und ich muss zugeben, dass ich in der Anstalt am Dienstagabend im ZDF einiges gelernt habe.
“Die Anstalt” nahm in der Live-Sendung (!) das Mauerfalljubiläum zum Anlass, um diesen Gegensatz darzustellen.
In einem Sketch unterhielten sich ein Mitarbeiter der Grenzschutzagentur Frontex und ein DDR-Grenzschützer, und Letzterer wundert sich, was an der europäischen Grenze denn so alles ganz ohne Schießbefehl möglich sei. Der DDR-Mann habe im Unrechtsstaat gelebt, und der Frontex-Mann?, will der Grenzer wissen. Der war Friedensnobelpreisträger.

Es sind Momente, wo einem das Lachen im Hals stecken bleibt. “Die Anstalt” war beißende Satire, die Sendung legte in selten gesehener Weise den Finger in eine klaffende Wunde.
Aber die Satiriker gingen noch weiter. Sie legten am Ende jede Satire beiseite, denn die Zuschauer sollten auch erfahren, wer denn da nach Europa kommt, wer da nach Deutschland flüchtet. Eine Gruppe Syrer betrat die Bühne, einer der Männer sprach von den zerstörten Städten, die sie verlassen haben, von der Heimat, die so nicht mehr existiert. Und der Appell: “Bitte, Deutschland, behaltet euren Frieden!” Daraufhin sang der syrische Flüchtlingschor “Zuflucht”.

Eine Satiresendung kann vielleicht nicht die Welt ändern. Aber sie kann meinungsbildend sein. Sie kann zeigen, worum es geht in diesem Land, worüber wir eigentlich reden sollten. Das Publikum im Studio war sichtlich ergriffen, und in der Tat bot “Die Anstalt” einen Gänsehautmoment der Erkenntnis.

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RTelenovela

Im Subway-Müll gewühlt

Donnerstag, den 20. November 2014
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Wie weit ist es gekommen, wenn man plötzlich bei Subway steht und im Müllcontainer herumwühlt? Das muss die pure Verzweiflung sein. Und das war es auch.

Es war die nachmittägliche kurze Pause, die mich aus dem Büro trieb. Schnell mal zum Bäcker am Bahnhof. Ich war schon auf halbem Wege, als ich merkte: Meine Brieftasche ist weg. Kein Problem, zurück zum Schreibtisch – allerdings lag da keine Brieftasche.
Kennst du den Moment, wo du, wie im Film, diese einsetzende dramatische Hintergrundmusik hörst? Wo könnte sie sein, die Brieftasche? Ein Blick von draußen ins Auto brachte auch nichts.

Und so kam Subway ins Spiel, das war der letzte Ort, bei dem ich Geld ausgegeben habe. Die Verkäuferinnen wunderten sich schon, dass ich ein zweites Mal an diesem Tag vorbeikomme. Ich schilderte mein Problem. Am Tisch, an dem wir vorher gesessen hatten, lag nichts.
Und der Müllcontainer? Gemeinsam wühlten wir ihn durch. Viel Papier, ein paar Essensreste und keine Brieftasche. Wie tief muss man sinken?

Ich malte mir schon das Horrorszenario aus. Ausweise, Geldkarten, diverse andere Karten, und überhaupt! Alles weg?
Letzte Möglichkeit: Ich inspizierte das Auto genauer. Und tatsächlich, das Ding lag zwischen Sitz und Tür. Jubel! Happy End! Nur Zeit, zum Bäcker zu gehen, hatte ich keine mehr.

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