Tagesarchiv für 15. November 2014

RT im Kino

Nightcrawler

Samstag, den 15. November 2014

Es läuft grad nicht so gut für Lou Bloom (Jake Gyllenhaal). Ein paar Diebstähle, kleine Jobs, mehr nicht. Bis er einmal einen Unfall miterlebt – und wie ein Reporterteam angestürmt kommt, um diesen Unfall zu filmen.
Das findet er spannend. Das will er auch. Er kauft sich einen Camcorder und hört den Polizeifunk ab. Und tatsächlich: Beim ersten Fall ist er dabei, er filmt, und er hält gnadenlos drauf. Da kann der Verletzte noch so leiden und bluten. Als er bei einem Nachrichtensender regelmäßig Abnehmer findet, legt er so richtig los. Er wird zum Nightcrawler. Und das komplett ohne Skrupel. Er geht weit, sehr weit.

Ein freier Reporter muss sehen, wo er bleibt. Deshalb muss er immer die besseren Bilder haben als der Konkurrent. Deshalb muss er immer als erster vor Ort sein, besser noch: als Einziger.
Dan Gillroy zeigt in “Nightcrawler” einen besonders skupellosen Vertreter der Zunft.
Dennoch ist unklar, was Gillroy eigentlich wollte: einen Thriller, ein Drama, eine Satire gar? Der Film bietet von allem ein bisschen, aber irgendwie funktioniert das leider nicht.
Die Story ist zu simpel, um wirklich spannend zu sein. Weder Lou ist sympathisch, noch sein Kollege, und die Polizei ebenfalls nicht. Man weiß nicht, welcher Seite man sich zuschlagen könnte. Gleichzeitig fehlt es der Handlung an Pfiff, am besonderen Etwas.
Klar, der Film provoziert, manchmal macht er wirklich sauer. Aber – ohne das näher erklären zu können – leider wirkt er auch billig. Weil das alles dann doch zu unspannend, zu übertrieben ist.
Da nützt es auch nichts, dass Jake “Glubschauge” Gyllenhaal durchaus eine gute Leistung hinlegt.

Nightcrawler
USA 2014, Regie: Dan Gillroy
Concorde, 119 Minuten, ab 16
5/10

Hits: 22

RTZapper

Oberhavel TV: Lichter und Mundtpropaganda

Samstag, den 15. November 2014
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DO 13.11.2014 | 22.15 Uhr | Oberhavel TV

Eigentlich dachte ich, dass Oberhavel TV einfach mal so über die Oranienburger Lichternacht berichtet. Aber das scheint den Machern entweder zu langweilig oder zu kostenspielig gewesen sein. Denn mitten im Beitrag, der seit Tagen in Dauerschleife zu sehen ist, gab es plötzlich Werbung – ohne dass Werbung angekündigt war.

Im Beitrag durfte Werner Mundt die Vorzüge seines Fernseh- und Radio-Fachgeschäftes aufführen. Welche Fernseher er denn so hat. Und wie toll die sind. Gefolgt von einem Optiker und einer Fotografin.
Ob Werner Mundt und seine Kollegen den Auftritt in einem redaktionellen Beitrag bezahlt haben? Und hätte Oberhavel TV den Beitrag dann nicht als Werbung kennzeichnen müssen? Zufälligerweise schaltet Mundt auch in den Werbeblöcken (echte) Reklame.
Aber es wird ja noch besser: Werner Mundt sitzt für die CDU im Oranienburger Stadtparlament. Und wer ist – ganz zufällig natürlich – im Hintergrund auf einem der Fernseher zu sehen, während Mundt erzählt? Angela Merkel, Mundts Kanzlerin.
Meinen allertiefsten Respekt für so viel Reklameeifer! Da läuft also Reklame außerhalb des Werbeblocks, und der Mann im Beitrag nutzt die Reklame seinerseits für Parteireklame.
Da muss ich echt mal applaudieren!

Hits: 70

RTelenovela

Portugal (15): Bahnbekanntschaften – Nicht gut genug für die Electrico?

Samstag, den 15. November 2014
Tags: , ,

Portugal (14) -> 14.11.2014
Bahnbekanntschaften (81) -> 24.8.2014

Die alte Straßenbahn zuckelt alle fünf bis zehn Minuten durch die Lissaboner Alfama. Immer wieder hin und her. Eine garantie, dass einen die Electrico mitnimmt, hat man allerdings nicht, denn meistens ist sie gerammelt voll. So steht man dann – wenn man denn überhaupt nicht laufen will – schon mal länger an der Haltestelle.

Mit uns warteten einmal ein Mann und zwei Frauen, die allerdings in die andere Richtung fahren wollten. Die beiden Damen waren sichtbar keine Portugiesinnen, so weit man das beurteilen kann. Sie sprachen jedenfalls nicht portugiesisch.
Wer mit der Linie 28 mit will, muss ein Handzeichen geben. Deutlich sichtbar machte der Mann ein Handzeichen, doch die Bahn fuhr vorbei. Sie war voll, da ging nichts mehr.
Warten.
Als sich hinter der Ecke die nächste Uralt-Bahn ankündigt, bereitet sich die kleine Gruppe wieder auf den Enstieg vor: Hand raus – und zusehen, wie die Bahn vorbeifährt.
Diesmal war die Elctrico nicht voll. Der Fahrer muss gesehen haben, dass die Leute mitwollen. Aber er fuhr vorbei. Weil die Frau dunkelhäutig war?

Wir mussten ebenfalls warten, weil in unserer Richtung mal wieder ewig nichts kam. Sobald an irgendeiner Stelle die Gleise blockiert sind, bricht der Bahnverkehr zusammen, und das kommt in Lissabon nicht ganz so selten vor. Irgendeiner steht immer auf den Schienen rum, und sei es nur ein Kurzzeitparker, der in der schmalen Alfama keinen Stellplatz gefunden hat.

Die Gruppe gegenüber startete unterdessen einen dritten Versuch, diesmal hielt nur die Frau die Hand raus, als sich wieder eine Bahn näherte. Erneut stoppte sie nicht, und erneut hätte sie stoppen können, denn sie war nur halbvoll.
Sind die Fahrer blind? Wollen sie keine Ausländer mitnehmen? Ist das ein Fall von Rassismus? Ignoranz?

Als dann doch mal eine bahn in unsere Richtung fährt, kommt die Gruppe einfach erst mal mit uns mit. Auf unser Winken stoppt die Bahn.

Hits: 23