Tagesarchiv für 10. November 2014

RTelenovela

25 Jahre danach: die Lichtgrenze

Montag, den 10. November 2014
Tags: , , , ,

Wer heute 25 Jahre alt ist, der weiß nicht mehr, wie es war, als Ost-Berlin und West-Berlin zwei Städte waren. Als mitten durch die Stadt eine Mauer führte. Als die DDR-Bürger nur unter bestimmten Umständen rüber durften. Als es ein Verbrechen war, eine “Bildwoche” von West nach Ost zu bringen.
Zum 25. Mauerfall-Jubiläum ist in Berlin zwischen der Oberbaumbrücke und der Bornholmer Straße die Lichtgrenze errichtet worden. Sie bestand aus rund 8000 beleuchteten Luftballons – entlang des ehemaligen Mauerstreifens.

Hunderttausende sind zur Lichtgrenze gekommen, und das finde ich nicht nur bemerkenswert, ich finde das toll. Es ist den Menschen offenbar immer noch wichtig, und auch die jungen Menschen finden es spannend – auch wenn für sie wohl eher der Event-Charakter im Vordergrund stand.
Schon in Oranienburg auf dem Bahnhof strömten die Menschen zum Regionalexpress, um in die Hauptstadt zu fahren.
Auch der Nordbahnhof ist voll mit Menschen, die sich erinnern und an der Freiheit erfreuen. Auf Schautafeln ist zu sehen, wie der Bahnhof vor der Wende ausgesehen hat. Wo Eingänge zugemauert waren.

Entlang der Bernauer Straße steht noch einer der wenigen noch erhaltenen Abschnitte der Mauer. Die Leute stehen davor, machen Selfies und Gruppenfotos. Eine Mutter mit ihrem Kind läuft über den Grenzstreifen auf der Straße. Sie sagt: “Jetzt sind wir im bösen Teil.” Sie ist im Osten angekommen. Der böse Teil. Ob man dem Kind damit so hundertprozentig die DDR erklärt, sei mal dahingestellt.

Wir laufen in einen Park abseits der Bernauer Straße, dort, wo auch die S-Bahn aus dem Nord-Süd-Tunnel rauskommt.
Ballon steht an Ballon. Und irgendwann – im Hintergrund läuft die “Ode an die Freude” – steigt einer nach dem anderen nach oben.
Leider ist das unspektakulärer als gedacht. Das alles geht recht langsam. Die Ballons, sind, wenn sie aufsteigen, nicht mehr beleuchtet. Ab und zu bleibt mal einer hängen. Wahrscheinlich wäre es spektakulärer gewesen, sie alle gleichzeitig, auf ein Signal hin, steigen zu lassen.
Aber auf das Symbol kommt es an. Das Symbol der Mauer, die es nicht mehr gibt.

Dieser Tag führt zudem dazu, dass die Leute ins Gespräch kommen. Sie ziehen sich das Event nicht nur rein. Sie reden auch darüber, wie denn das war, damals in der DDR. Wie lief es in der Schule ab? GST? ESP? Fahnenappell? Stasi? Und Geschichte, ganz persönlich erlebte Geschichte zu vermitteln, das kann ja auch nicht so falsch sein.

Hits: 30

RTZapper

Heute im Parlament: Feierstunde zum 25. Mauerfall-Jubiläum

Montag, den 10. November 2014
Tags: ,

FR 07.11.2014 | 9.00 Uhr | ZDF

“Ihr seid dazu verurteilt, das hier zu ertragen. Ich gönne es euch.” Das sagte der Liedermacher Wolf Biermann bei seinem denkwürdigen Auftritt am Freitagvormittag im Bundestag. Das ZDF übertrug die Feierstunde zum 25. Mauerfall-Jubiläum.
Bundestagspräsident Norbert Lammert hatte Biermann eingeladen, ein Lied zu spielen. Doch Biermann nutzte die Chance für eine “Abrechnung” mit der Linken. Man habe ihn den Drachentöter genannt, sagte er. Aber er könne “nicht die Reste der Drachenbrut” niederschlagen, “die sind geschlagen”, so Biermann weiter. Es sei “Strafe genug” für die Linken, “dass sie hier sitzen müssen und sich das anhören müssen”.

Den Mumm muss man erst mal haben, aber andererseits hatte Biermann diesen Mumm ja schon immer.Tatsächlich aber ist es ja ein interessanter Fakt, dass die Partei, die bis vor 25 Jahren, in der DDR das uneingeschränkte Sagen hatte, heute auch im Bundestag sitzt. Zwar wurde einst aus der SED die PDS und aus der PDS im Zusammenschluss mit der WASG die Linke, von der SED-Vergangenheit hat sich die heutige Linke aber nie so ganz gelöst.
Dass aber die junge Politikergeneration der Linken mit der alten SED nichts mehr am Hut hat, das sollte auch Biermann einsehen.
Dennoch war es denkwürdig, zu sehen, wie die Linken-Abgeordneten sichtlich unangenehm von Biermanns Auftritt berührt waren, wie auch Bundestagspäsident Lammert der Sache mit ein wenig Argwohn folgte.

Vielleicht hat es Biermann mit seinen Tiraden ein wenig weit getrieben. Aber er weiß auch, wovon er spricht, und wer einst dafür verantwortlich war, wer ihn aus seiner Heimat rausgeschmissen hat.

Hits: 20