Tagesarchiv für 19. Oktober 2014

RT im Kino

Jack

Sonntag, den 19. Oktober 2014
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Die Mama liebt Jack, ihren Sohn. Ja, wirklich. Und den jüngeren Manuel auch. Ab und zu muss sie mal weg. Auch mal länger, und wo sie dann ist, weiß dann auch keiner so genau. Und wo dann ihre Kinder sind, das, nun ja, das interessiert sie auch nicht so richtig. Zumindest könnte man den Eindruck gewinnen.
Jack (Ivo Pietzcker) liebt seine Mutter (Luise Heyer). Aber er weiß auch, dass sie oft nicht da ist. Also nimmt er die häuslichen Geschicke in die Hand und kümmert sich um seinen Bruder Manuel (Georg Arms). Aber das geht eines Tages schief, und das Sozialamt wird auf die kleine Familie aufmerksam. Jack muss ins Heim, nur Manuel bleibt bei seiner Mutter.
Dann aber sind Sommerferien, und Jack darf nach Hause. Doch kurz bevor, er los will, teilt ihm seine Mutter mit, sie müsse arbeiten, und er muss noch warten. Doch auch nun kommt alles anders – und Jack muss feststellen, dass seine Mutter gelogen hat. Mal wieder.

Jack ist gerade mal zehn Jahre alt. Und doch muss er schon einiges durchmachen, muss er schon ein bisschen erwachsen sein. Es ist eine traurige Geschichte, die Edward Berger da erzählt.
Das Interessante dabei ist, er ordnet sie nicht einem bestimmten Millieu zu. Es sind keine armen Leute, die wir da sehen. Sie sind nicht abgewrackt, nicht asozial. Hier ist es eine Mutter, die sich ihrer Verantwortung nicht bewusst ist, die mal fix ihren zehnjährigen Sohn mit seinem sechsjährigen Bruder mit der U-Bahn aus dem Stadtzentrum nach Hause schickt. Die verreist und einfach mal ein paar Tage länger wegbleibt, ohne zu sagen, wo sie denn überhaupt ist.
Diese Geschichte wird ohne viel Schnickschnack erzählt. Wir erleben Jack, der eine Odyssee erlebt, die für einen Jungen der Horror sein muss, der sie aber äußerlich gefasst annimmt.
In vielen Szenen verfolgen wir Jack und Manuel mit der Handkamera, wir rennen ihnen quasi hinterher, in ihrer Not, bei ihrer Suche nach Geborgenheit.
Insbesondere Hauptdarsteller Ivo Pietzcker ist eine echte Entdeckung. Wie er diesen jack spielt, wie er die Wut darstellt, die unterdrückte Trauer, die er nur selten rauslässt, diese dennoch so starken Jungen, das ist sehr beeindruckend.
Und ganz am Ende wird man sehr viel Respekt übrig haben für diesen Jungen.

Jack
D 2013, Regie: Edward Berger
Camino, 102 Minuten, ab 6
9/10

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RTelenovela

Der neue Zehner

Sonntag, den 19. Oktober 2014
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Jetzt habe ich ihn auch: den neuen Zehn-Euro-Schein. Der Geldautomat in der Oranienburger Hypovereinsbank hat ihn mir ausgespuckt.
Ein bisschen sieht er aus wie Spielgeld oder wie ein Geldschein in einem südeuropäischen Urlaubsland.

Die Szene sieht man jetzt aber öfter: Jemand bekommt den neuen Schein in die Hand gedrückt, und dann beginnt die genaue Betrachtung. Von vorn, von hinten, wie fühlt er sich an? Selten sieht man sich Geldscheine wo so genau an wie bei dessen Einführung.
Und so langsam sollte man sich wohl überlegen, einen alten Zehner irgendwo zu lagern. Irgendwann ist er aus dem Zahlungsverkehr ausgeschieden. Schon jetzt gibt es ja zum Beispiel die alten Fünfer so gut wie gar nicht mehr.

Hits: 68

RTZapper

Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Suchtgefährdend

Sonntag, den 19. Oktober 2014
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SA 18.10.2014 | 12.10 Uhr | RTL

Ich bin stark suchtgefährdet! Bislang konnte ich mich aber immer noch erfolgreich wehren, die drohende Sucht ignorieren.
Am Sonnabendmittag bin ich kurz schwach geworden – und habe bei RTL anderthalb Folgen “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” gesehen. Am Wochenende laufen alle fünf Folgen, die im Laufe der Woche gelaufen sind, am Stück.

Als “GZSZ” 1992 gestartet ist, war ich jeden Tag dabei, etwa 800 Folgen lang, bis ich eines freitags beschlossen habe: Das ist meine letzte Folge. Seitdem habe ich nur noch sehr, sehr selten eingeschaltet.
Nun lief bereits Folge 5603, und ich muss zugeben: Immer wenn ich doch mal einschalte oder irgendwo anders mal eine Folge mitbekomme – irgendwie hat’s was.

Die Geschichten sind so simpel gestrickt, dass man sehr schnell mitbekommt, worum es geht. Man braucht nicht mal die Charaktere zu kennen, man erfährt im Laufe von gut zehn Minuten, wo der Hase läuft.
Da gibt es Tuner, der herzkrank ist und ins Krankenhaus muss, nachdem er mit seinem Kumpel unterwegs war. Und es gibt Philip, der junger Assistenzarzt ist und offenbar Medikamente gestohlen hat, was man ihm immer noch anzählt. Und in der betreffenden Folge einen dritten Handlungsstrang, den ich aber nicht so spannend fand.

Die Art, die Geschichten zu erzählen, ist modern, mit cooler Musik, schnell geschnitten. Aber auch oberflächlich. In den 25 Minuten passiert eigentlich viel weniger, als man zuerst denkt. Irgendwelche Nichtigkeiten werden da erzählt, und man hat das Gefühl, die Handlung kommt nicht voran. Gleich erscheint alles auch recht oberflächlich, alles muss schnell. Emotionalen Szenen wird wenig Raum gegeben – in dem Fall die dramatisch-traurigen Szenen um Tuner und seinen Kumpel -, um dann doch noch schnell den anderen Handlungsstrang weiterzuerzählen.

Irgendwie bin schon neugierig, wie es weitergeht. Aber ich will standhaft bleiben, auch wenn ich sicherlich irgendwann mal wieder einschalte. Vielleicht ja Montag schon. Oder nächsten Sonnabend. Oder 2016.

Hits: 82