Tagesarchiv für 5. Oktober 2014

RTZapper

Der Deutsche Fernsehpreis 2014

Sonntag, den 5. Oktober 2014
Tags:

FR 03.10.2014 | 22.00 Uhr | Das Erste

Der allerletzte Deutsche Fernsehpreis der Welt ist Geschichte. Was 1999 ganz hoffnungsvoll begann, ist 2014 beerdigt worden.
Vor 1999 sind diverse Fernsehpreise vergeben worden. Da gab es den Telestar oder den Goldenen Löwen – und sicherlich noch mehr. ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat.1 rauften sich zusammen, um gemeinsam einen Preis zu vergeben.
Doch der Glemmer kam vom Kölner Gewerbegebiet aus nicht so richtig an – die Einschaltquoten gingen immer weiter in den Keller. Kein Wunder, die Show war nie live, die Preisträger oft schon vorher bekannt, die Gala wurde oft zu sehr dahingerotzt. Trostlos, traurig, provinziell.

So war auch die 2014er-Ausgabe wieder von lauen Witzchen geprägt. Wo sind denn bitte die guten Gagschreiber? Nur Klaas Heufer-Umlauf war locker genug, die schlechten Gags einigermaßen so rüberzubringen, dass die Scheißigkeit der Witze nicht so eklatant zu merken war. Auch die Einspielfilme, die von der “Circus Halligalli”-Produktionsfirma kamen, waren die wenigen Lichtblicke. Ganz schlimm überfordert war Bergdoktor-Schauspieler Hans Sigl, der die miesen Gags nicht retten konnte.
Dazu langweilige Laudatoren, ideenlose Abläufe – ein ganz großes Ideenloch.

Es heißt ja immer: Galas, Preisverleihungen – die Deutschen können so was nicht. Ich bin mir sicher, dass die Deutschen so was können. Nur leider sind die allesamt nicht beim Deutschen Fernsehpreis. Dort scheint man nur die Zweit- bis Fünfgags abzuladen, die man bisher nicht an andere Shows verkaufen konnte.
So war auch der allerletzte Deutsche Fernsehpreis der Welt in dieser Hinsicht wieder deprimierend.

Ab 2015 soll es… tja, man weiß es nicht. Irgendein Preis, irgendwas soll wohl kommen. Aber wie und wo mit wem? Fragen über Fragen.

Hits: 85

RTZapper

Kessler ist… Jörn Schlönvoigt

Sonntag, den 5. Oktober 2014
Tags:

DO 02.10.2014 | 22.45 Uhr | zdf_neo

Ich nehme alles zurück, was ich neulich über das zdf_neo-Talkformat “Kessler ist…” geschrieben habe. Als vor vier Wochen Folge 1 mit Matthias Steiner zu sehen war, war ich enttäuscht. Ich dachte vorher, dass sich Michael Kessler gleich als sein Talkgast verkleidet, und die beiden eine halbe Stunde reden. Stattdessen war ich ein bisschen gelangweilt vom “Making of” davor.
Doch ich blieb am Ball – und inzwischen kann ich sagen: Folge 1 war schlicht die schwächste der bisher gelaufenen Folgen.

Inzwischen, nach Folge 5, denke ich ganz anders über “Kessler ist…”. Insbesondere die Folgen mit Markus Kavka und Jörn Schlönvoigt hatten extrem berührende Augenblicke, jede der beiden Folgen aber anders berührend.
Michael Kessler bohrte sich mehr und mehr in das Leben des Musikjournalisten und des Schauspielers. Er traf sich mit seinen jeweiligen Gästen, aber auch mit Freunden und den Eltern.
Und dann standen Kessler und Kavka/Schlönvoigt nebeneinander vor einem Spiegel, und man merkte die Unsicherheit der Gäste – und wie Kessler sie studierte.
Im Gegensatz zur Steiner-Folge war das alles dann doch unheimlich fesselnd.

Und dann auch berührend. Wie Kavka und Schlönvoigt dann vor einer Wand standen, an der haufenweise Fotos von ihnen zu sehen waren. Und wie sie dann dem verkleideten Kessler begegneten. Kavka sprach mit Kavka, Schlönvoigt mit Schlönvoigt. Die beiden waren davon deutlich sichtbar berührt, so richtig angetan.
Als Zuschauer dann zu sehen, wie sie sich gewissermaßen selbst gegenübersaßen, durchaus intime Fragen über sich selbst stellen und von Kessler dann tatsächlich Antworten bekamen, die irgendwie stimmten und nachdenklich machten – es ist packend.

Deshalb war wohl auch nur Folge 1 enttäuschend. Vielmehr ist “Kessler ist…” dann doch ein sehr sehenswertes Talkexperiment.

Hits: 5081

RT im Kino

Walking on Sunshine

Sonntag, den 5. Oktober 2014

Ärgerlich, sehr ärgerlich. Taylor (Hannah Arterton) reist nach Spanien zur Hochzeit ihrer Schwester Maddie (Annabel Scholey), ihren Liebsten kennt sie zwar erst seit fünf Wochen, aber wen interessiert das schon. Blöderweise muss Taylor feststellen, dass sie Maddies Lover schon länger kennt: Es ist Raf (Giulio Berrutior). Mit dem erlebte Taylor vor drei Jahren eine heiße Sommeraffäre – nein, es war Liebe. Und es ist immer noch Liebe. Aber jetzt ist ja ihre Schwester am Ball. Oder doch nicht?

Liebe und Eifersucht. Teenieträume und Teenieschmerz. Okay, die Story ist seicht. Der Anspruch ist nicht besonders hoch.
Aber die Menschen sind hübsch, die Location romantisch, und die Sonne scheint.
Und, ach ja: der Soundtrack, über den muss geredet werden, denn im Grunde genommen geht’s um den. “Walking on Sunshine” ist eine Art Musical mit den größten Hits der 80er-Jahre. Und deshalb ist das ein dann doch herrlicher Gute-Laune-Film geworden. Kein Song ist unbekannt, man wippt mit, einige summen mit. Und mit ein bisschen Alkohol hebt sich die Stimmung gleich noch mehr. Keine Kinokunst, aber gut gemachte Unterhaltung.

Walking on Sunshine
GB 2014, Regie: Max Giwa, Dania Pasquini
Universum, 98 Minuten, ab 0
7/10

Hits: 72

RTZapper

Die Auserwählten

Sonntag, den 5. Oktober 2014
Tags: , ,

MI 01.10.2014 | 20.15 Uhr | Das Erste

Manchmal ist das wahre Leben viel härter als das, was sich Autoren ausdenken.
“Die Auserwählten” an der Odenwaldschule machen die Hölle mit, und am Mittwochabend zeigte ein Film im Ersten, was einst in dem Eliteinternat mit kleinen Jungen angestellt wurde.

Mindestens 132 Odenwaldschüler sollen in den 60er- bis 90er-Jahren sexuell missbraucht worden sein. Der Film “Die Auserwählten” widmete sich diesem heiklen Thema. Man musste mitansehen, wie der Schulleiter sich an mehrere Jungen ranmachte. Wie es normal zu sein schien, dass Lehrer und Schüler gemeinsam duschten. Wie ein Lehrer einfach mal mit einem Jungen im Auto verschwand. Alles schien völlig normal zu sein. Total harmlos.
Aber da war nichts harmlos. Erst – zumindest im Film – eine junge Lehrerin blickte hinter die Kulissen, bekam alles mit, scheiterte aber daran, alles aufzudecken.

Diese Lehrerin gab es im wirklichen Leben nicht. Zwar beruhte der Film auf wahren Begebenheiten und ist auch an Originalschauplätzen gedereht worden, aber er ist keine Dokumentation. Einige der Opfer haben sich über diese “Änderung” der Geschichte bitterlich beschwert. In vielen Punkten sei die Handlung originalgetreu, aber in bestimmten Punkten widerum nicht.
Für die Opfer, die ihr Leben lang Opfer bleiben, ist es sicherlich eine Zumutung, wenn ihre Geschichte im Film verändert wird, wenn da plötzlich eine Hoffnung aufkeimt, die es im wahren Leben nie gab.
Für die Zuschauer war dieses Drama aber auch so schockierend, deprimierend, niederschmetternd, und es ist gut, dass ein Sender wie die ARD den Finger in diese Wunden legt, sie offenlegt und diese traurige Geschichte zur besten Sendezeit einem Millionenpublikum zugänglich macht. Vielleicht hilft es ja, dass so ein Missbrauch in dieser Dimension nie wieder geschieht.

Hits: 73