Tagesarchiv für 17. September 2014

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Gerichtsbericht: Zehn Monate Haft auf Bewährung für Uwe K.

Mittwoch, den 17. September 2014
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Urteil im Kremmener Erntehelferprozess: Die vier Angeklagten sind für schuldig befunden worden. Opfer bekommen Geld.

MAZ Oranienburg, 17.9.2014

STAFFELDE
Nach drei Verhandlungstagen sind vor dem Amtsgericht Oranienburg gestern die Urteile gegen die vier Männer gesprochen worden, die im Mai 2013 in Staffelde zwei polnische Erntehelfer geschlagen und körperlich misshandelt haben.

Wegen schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung ist der Haupttäter, der 51-jährige Uwe K. aus Staffelde, zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er muss zudem eine Geldstrafe in Höhe von 750 Euro an „Ärzte ohne Grenzen“ zahlen. Für seinen Sohn Ralf K. lautete das Urteil acht Monate auf Bewährung und 500 Euro für die Oranienburger Behindertenwerkstatt St.Johannesberg. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Die anderen beiden Männer haben eine mildere Strafe wegen Freiheitsberaubung bekommen. Sie waren an den Misshandlungen nicht direkt beteiligt. GeraldB., der jüngere Sohn von Uwe K., muss 600 Euro an das Veltener Seniorenzentrum St. Elisabeth zahlen und erhielt eine Verwarnung. Benjamin J., ein Freund der Familie, muss Tagessätze in Höhe von insgesamt 1200 Euro zahlen.

Nur Uwe K. hatte mündlich vor Gericht ausgesagt, die Tat zugegeben und um Verzeihung gebeten. Alle vier Angeklagten zusammen haben als Täter-Opfer-Ausgleich zudem je 2000 Euro an die beiden Geschädigten gezahlt und sich in schriftlicher Form entschuldigt. Für das Gericht unter dem Vorsitz von Katrin Arbandt sorgte diese Vereinbarung am gestrigen Nachmittag für mildernde Umstände beim Strafmaß.

Am 13. Mai 2013 liefen gegen 17 Uhr drei Helfer des Kremmener Spargelhofes von einem Feld bei Flatow zu Fuß zu ihrer Unterkunft. Auf einem Waldweg sind sie von mehreren Männern angehalten worden. Zuvor hatte Ralf K. per Handy seinen Vater informiert, schließlich ist am selben Morgen auf einem Grundstück in Staffelde eingebrochen worden. K. vermutete, dass es sich um die Gesuchten handelte. Da die Saisonarbeiter kaum Deutsch verstehen, wussten sie nicht, worum es geht und wollten flüchten. Sie dachten, sie befinden sich widerrechtlich auf einem Privatgrundstück. Einer der Erntehelfer konnte flüchten. Die anderen beiden Männer wurden gejagt, geschlagen, zu Boden gerissen und getreten. Später sind ihnen die Beine gefesselt worden. Sie mussten in ein Auto steigen. Die Opfer hatten, so sagten sie es in ihrer Vernehmung, zeitweise Todesangst. Uwe K. wollte die aus seiner Sicht Verdächtigen zur Gegenüberstellung auf den Hof fahren, wo sie angeblich den Einbruch verübt haben sollen. Dort sind die polnischen Männer mit den Armen an eine Palette gefesselt worden. Erst ein Verantwortlicher vom Spargelhof rief per Telefon die Polizei.

Richterin Arbandt legte auf die Feststellung Wert, dass die Tat der Männer aus Staffelde auch dann falsch gewesen wäre, wenn die Erntehelfer tatsächlich die Einbrecher gewesen wären. Ein Anspruch auf das Jedermann-Festnahmerecht sei zudem abwegig, da man neun Stunden nach der Tat nicht davon sprechen könne, die möglichen Täter seien auf frischer Tat ertappt worden. Auch eine nur vage Vermutung reiche dafür nicht aus. Sie bezeichnete die Tat als „völlig überflüssig und überzogen“.
Zwar habe dieser Fall von Selbstjustiz, da waren sich alle einig, nichts mit einer rechtsradikalen Tat zu tun, aber Piotr Duber, der Anwalt der Opfer, warf den Begriff der Fremdenfeindlichkeit in den Raum – mit Betonung auf „fremd“. Es sei falsch, alles Fremde zunächst negativ zu sehen.

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RTZapper

The Help: Free-TV-Premiere

Mittwoch, den 17. September 2014
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DI 16.09.2014 | 0.50 Uhr (Mi.) | ZDF

Das ZDF hatte am Dienstag ein echtes Highlight im Programm, nur leider hat es kaum jemand bemerkt. Im Drama “The Help” geht es um den Alltagsrassismus in den USA der 60er-Jahre. Die schwarzen Dienstmädchen wollen nicht mehr wie Abschaum behandelt werden.
Ein sehr spannender, ans Herz gehender Film.

Das ZDF fand für die Free-TV-Premiere von “The Help” einen sehr unschmeichelhaften Sendeplatz: in der Nacht zum Mittwoch um 0.50 Uhr. Bis nach 3 Uhr dauerte der Film im Fernsehen.
Ein blanker Hohn!
Während zur Primetime Carmen Nebels belanglose und langweilige Show läuft, ein ätzendes Melodram am Sonntagabend und die x-te James-Bond-Wiederholung am Montagabend, läuft “The Help” in der tiefsten Nacht.
Aber klar, Seicht-TV erreicht nun mal mehr Zuschauer, wobei es das ZDF in diesem Fall ja nicht mal versucht hat.

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RT im Kino

Doktorspiele

Mittwoch, den 17. September 2014

Bobby (Jannis Niewöhner) ist sehr gut bestückt. Andi (Merlin Rose) hat ihn nach dem Fußball unter der Dusche gesehen und ist ein bisschen neidisch. Er hat keinen so großen, und als Kind ist er von seiner Freundin Lilli für seinen kleinen Schnipi gehänselt worden.
Genau diese Lilli (Lisa Vicari) kommt ihn nun wieder besuchen. Dabei hat Andi eigentlich ja mehr Augen für Katja (Ella-Maria Gollmer). Die allerdings schwärmt für Bobby. Und Bobby widerum fängt scheibar was mit Lilli an.
Ach ja, und dann ist da auch noch Andis bester Freund Harry (Maximilian von der Groeben), der auch so seine Probleme mit den Frauen hat.

Mit “Doktorspiele” kommt Marco Petry mit einer Pubertätskomödie daher. Für den Film sind offenbar alle Klischees zusammengetragen worden, die es nur gibt. Der Notgeile, die Unnahbare, der Coole, die beste Freundin, die verkrampfte Mutter. Das allein wäre nicht so schlimm, wenn nicht die Protagonisten so schrecklich holzschnittartig sein würden. Geradezu tragisch ist die Rolle von Maximilian von der Groeben, der scheinbar auf Deppenrollen abonniert ist. Der Schauspieler sollte dringend nach besseren Rollen suchen, denn er kann es definitiv besser. Vielleicht lag es aber auch am recht ideenlosen Drehbuch, dass aus den Rollen wenig zu holen war.
Wirklich gute Momente sind rar bei den “Doktorspielen”, eigentlich ist nur die Endsequenz recht gelungen.

Doktorspiele
D 2014, Regie: Marco Petry
Fox, 96 Minuten, ab 12
5/10

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