Tagesarchiv für 12. September 2014

RTZapper

Joachim Fuchsberger ist tot

Freitag, den 12. September 2014
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Es ist wieder mal ein trauriger Tag für die deutsche Entertainmentbranche gewesen. Joachim Fuchsberger ist tot.
Die meisten Leute kannten ihn unter seinem Spitznamen Blacky. 87 Jahre alt ist er geworden. Eines seiner letzten Interviews gab er vor einigen Monaten bei Markus Lanz im ZDF. Die Sendung ist gerade noch einmal ausgestrahlt worden, und am Ende stand das Publikum auf und applaudierte diesem großen Mann. Berührend.

Meine erste Fernsehbegegnung mit ihm hatte ich bei “Auf los geht’s los”, seiner Sonnabendabendshow im Ersten. In den 80ern veranstaltete er das Spiel mit den Buchstaben und Wörtern. Auch heute noch sehenswert. Als er eine Wette in Frank Elstners “Wetten, dass…?” verlor, musste er eine Show im Nachthemd moderieren. Er zog das durch und bekam Prügel. Damals war das ein Skandal, heute würde man drüber lachen.
In “Heut’ Abend” interviewte er viele, viele Prominente, mit “Ja oder nein” führte er Robert Lemckes “Was bin ich?” fort.
Lange, lange vor meiner Zeit spielte er in vielen Edgar-Wallace-Filmen mit, drehte den einen oder anderen Paukerfilm – und er war Stadionsprecher bei den olympischen Spielen 1972 in München. Als es hieß, ein Flugzeug steuere das Stadion an, es drohe ein Anschlag, lag die Entscheidung bei ihm, das Stadion räumen zu lassen. Er entschied sich dagegen aus Angst einer Massenpanik. Eine unglaubliche Last, die da auf ihm lag.

2007 erst sorgte er als Lord Dickham in Oliver Kalkofes “Neues vom WiXXer” für Furore. Bis zum Schluss war Fuchsberger ein wacher Beobachter des deutschen Fernsehens, er hatte einen tollen Humor. Wenn er in Talkshows zu Gast war, hing man an seinen Lippen.
Blacky hat die Bühne des Lebens hinterlassen, und er wird uns fehlen.

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RTelenovela

Die Rückkehr der DDR-Schulküche

Freitag, den 12. September 2014
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Meine Erinnerungen an die DDR-Schulküche sind ein wenig verblasst. Mit unseren kleinen Papiermarken standen wir jeden Tag in unserer rumpeligen Essenbaracke an, einem Flachbau mitten im Oranienburger Neubaugebiet. Wenn es Weißkohleintopf gab, war mein Tag gelaufen, denn ich hasse Weißkohleintopf bis heute. Im Kindergarten schwammen darin immer die Fettfleischklumpen drin, und die mussten wir essen. Wir mussten. Mein Trauma, ebenfalls bis heute.

Die DDR-Schulküche muss bei einigen Menschen jedoch warmherzige Erinnerungen auslösen, denn der Discounter Netto verkauft allen Ernstes “Original DDR-Schulküchen-Tomatensoße”, und das auch nicht gerade sehr preiswert. Auf dem Etikett ist eine Jungpionierin mit blauem Halstuch zu sehen, darunter steht: “Einfach, echt und schmeckt wie früher”.
Nun wissen wir alle, dass früher eben doch längst nicht alles besser war und dass wir schon gar nicht in Pionierbluse und -halstuch in die Essenbaracke latschten. Dass aber die Tomatensoße nun dermaßene Gourmetkost gewesen sein soll, dass 25 Jahre nach der Wende ein Suppenhersteller mit einer Schulküchenpioniersoße daherkommt, da ist man doch schon einen Moment lang sprachlos beim Anblick des Werbeprospekts.

Bei Netto in Vehlefanz war das Drei-Sterne-ach-wie-toll-ware-doch-die-DDR-Produkt leider nicht mehr zu haben. Aber ich bleibe dran.

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