Tagesarchiv für 11. September 2014

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Der Countdown läuft: Sonntag schrillt der Wahlwecker

Donnerstag, den 11. September 2014
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Acht Jugendliche aus ganz Brandenburg klären über Politik auf. Die Tour führte durch Oberhavel.

MAZ Oranienburg, 11.9.2014

OBERHAVEL
Der Wecker klingelt! Spätestens am Sonntag, wenn um 8 Uhr in Brandenburg die Wahllokale öffnen. Es ist Landtagswahl und eine Gruppe mit acht Jugendlichen hat es sich zum Ziel gesetzt, dass die Wahlbeteiligung hoch wird. „Hauptsache, sie fällt nicht
unter 50 Prozent, so wie in Sachsen neulich“, sagt Maximilian Genz. Der 20-Jährige aus Schwanebeck (Barnim) gehört zum Wahlwecker-Team, das in den vergangenen
zwei Wochen – und noch bis Sonntag – durch ganz Brandenburg reist, um die Leute zu wecken, insbesondere aber junge Leute. Am vergangenen Wochenende
war es in Oberhavel unterwegs. Im Jugendklub „T-Point“ in Leegebruch verbrachte es zwei Nächte.

Zum Wahlwecker-Team – Motto: „Aufwachen! Wählen gehen!“ – gehören acht junge Leute, darunter auch Josephin Bär (18) aus Glienicke, die unter anderen vom Landesschülerrat, vom Jugendpresseverband und vom Potsdamer Stadtjugendring kommen.
„Wir fahren mit unserem Bus zu öffentlichen Plätzen“, erzählt Thi Ngoc Truc Nguyen (18) aus Werder (Potsdam-Mittelmark). „Wir treffen uns mit Politikern aus der
Region, sprechen Jugendliche an, machen Videos, Fotos und schreiben einen Blog.“ Auf der Internetseite www.wahlwecker-tour.de sowie auf Facebook schreiben sie jeden
Tag über ihre Erlebnisse.

Erstmals dürfen bei der Landtagswahl Jugendliche schon ab 16 wählen gehen. „Das finde ich richtig“, sagt Josephin Bär. „Und eigentlich ist ja die Frage: Warum
erst ab 16?“
Gerade an Oberschulen hätten viele Schüler noch nicht gewusst, dass sie wählen dürfen, berichtet Wahlwecker-Teammitglied Thi Ngoc Truc Nguyen. „An den Gymnasien sieht das schon anders aus“, ergänzt sie.
Gleichzeitig kritisiert die Gruppe aber auch, dass sich Politiker immer weniger für die wahren Belange der Jugendlichen interessieren. Die Spitzenkandidaten würden sich dafür keine Zeit nehmen. „Es gibt Politiker, die sehr offen sind, andere aber gar nicht“,
sagt Josephin Bär. „Da läuft was schief in der Kommunikation.“
Allein das Wort „Jugendklub“ komme in vielen Wahlprogrammen gar nicht vor. „Es geht um Bildung, um Fachkräftemangel“, sagt Josephin. „Alles wichtige Themen, aber die jungen Leute kann man dafür nun mal nicht begeistern, auch wenn sie davon betroffen
sind.“ Im Wahlkampf würden die Jugendlichen meist vergessen.

Auch diesem Missstand will das Team entgegenwirken. In Oberhavel besuchten die
Wahlwecker-Leute das „Fest derFarben“ in Hennigsdorf. „Das hat Spaß gemacht“, sagt Josephin Bär. Danach traf sich ein Teil der Gruppe mit dem Glienicker Ortschronisten
Joachim Kullmann. Dabei ging es vor allem um die DDR-Geschichte des Ortes. Glienicke
ist bekannt für den „Entenschnabel“, die ehemals verwinkelte Grenze zu West-Berlin. „Die Unfreiheit in der DDR verbunden mit der heutigen Wahlfreiheit – ein
wichtiger Zusammenhang, sagt Josephin Bär. In Schwante waren sie am Sonnabend im Jugenddorf beim Kreiserntefest und beim Zwiebelkuchenfest auf dem Dorfanger.
Auch die Kulturmeile in Leegebruch steuerten sie an.

„Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden“, sagt Thi Ngoc Truc Nguyen. In Dallgow-Döberitz (Havelland) sind sie vom einem Team der ZDF-Kindernachrichtensendung
„Logo“ begleitet worden. Auf Facebook haben sie mehr als 600 Fans.
Am Sonntagabend treffen sie sich in Potsdam zur Wahlparty.
Eine Empfehlung für eine bestimmte Partei geben die Wahlwecker übrigens nicht. „Unsere Devise lautet: Geh’ demokratisch wählen!“, sagt Josephin Bär.

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RTelenovela

Und plötzlich Stille

Donnerstag, den 11. September 2014
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Das Sony-Center am Potsdamer Platz in Berlin ist nicht gerade der leiseste Ort. Unter dem riesigen Dach herrscht ein permanentes Grundrauschen. Viele Leute sitzen dort draußen, in den Cafés, Bars und Kneipen.
Eigentlich bekommt man gar nicht mit, wie laut es dort wirklich ist.
Dann aber steigt man in den Fahrstuhl und rauscht hinab in die Tiefgarage. Im dritten Untergeschoss stellt man sich an den Parkautomaten, bezahlt und läuft zum Auto.

Und dann fällt es auf. Die Stille. Die absolute Stille.
Ich bleibe einen Moment stehen und lausche.
Nichts.
Ab und zu nur hört man oben ein Autos über ein Schlagloch fahren. Dapp-dapp. Und dann wieder: Stille.
Im schallgeschützten Keller, wenn am Abend auch nicht mehr so viel Betrieb im Parkhaus herrscht, erleben wir eine lärmfreie Zone. Und es ist herrlich.

Aber man kann ja nicht ewig dort rumstehen und das Nichts belauschen. Also setzte kich mich ins Auto, startete den Motor und beendete die Stille.

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RT im Kino

Katakomben

Donnerstag, den 11. September 2014

Es kommt selten vor, dass es einem ein Film schwer macht, wenn es um eine Kritik geht. “Katakomben” gehört dazu.

Scarlett (Perdita Weeks) ist Studentin, sie beschäftigt sich unter anderem mit Höhlen und Mythologie. Sie sucht nach uralten Zeichen und Hinweisen.
Sie reist nach Paris. Frankreichs Hauptstadt ist durchzogen mit einem unterirdischen Höhlensystem, mit Katakomben. Dort unten soll sich angeblich ein Schatz verbergen. Doch um den geht’s ihr direkt gar nicht, sondern um einen mystischen Stein. Gemeinsam mit einem Forscherteam dringt sie in die Höhlen ein. Doch dort untern wartet das Grauen.

An sich sind die Voraussetzungen für einen unglaublich spannenden Thriller absolut gegeben. Das Set sorgt für eine klaustrophobische Atmosphäre. Die Idee, den Film da ganz unten in den Höhlen spielen zu lassen, ist sehr gut. Das gibt viel Raum für interessante Wendungen und gruselige Begebenheiten. Und tatsächlich schafft es John Erick Dowdle, echten Thrill zu erzeugen. Das aber nur phasenweise.
Denn “Katakomben” krankt an einer völlig bescheuerten Konstellation: am Mystikscheiß. Scarlett kennt jedes kryptische Zeichen, kann es entschlüsseln, ist total klug und weiß, wo es lang geht. Das wirkt oftmals leider total albern. Die mystische Ebene hat der Film überhaupt nicht nötig. Die Geschehnisse in den Katakomben hätten auf andere Weise noch viel gruseliger und weniger lächerlich erscheinen können. Kleine Randgeschichten, die sehr interessant sind, bleiben dagegen nur Randgeschichten.
John Erick Dowdle hat mit “Katakomben” ein wahnsinniges Potenzial verschenkt, weil er sich gemeinsam mit Drew Dowdle vollkommen am Drehbuch verzettelt hat.
Selten war das so schade wie bei diesem Film.

Katakomben
USA 2014, Regie: John Erick Dowdle
Universal, 93 Minuten, ab 16
6/10

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