Tagesarchiv für 7. September 2014

RTelenovela

Hildegards Kräuterdrink

Sonntag, den 7. September 2014
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Eines lässt sich über den Smoothie, der am Sonnabend in der Kremmener Nikolaikirche gereicht worden ist, auf jeden Fall sagen: Er war sehr grün. Und unglaublich gesund. Im Mittelalter gab es noch keine fertigen Vitamindrinks aus der Dose, die Leute mussten selbst mixen. Brennnessel, Minze, Zitronenmelisse, Liebstöckel, aber dazu auch noch Birne, Ananas, Feige und Walnussöl.

Bei der Kirchennacht drehte sich alles um Hildegard von Bingen. Aus ihren rund 900 Jahre alten Kochbüchern suchten sich die Kremmener die Rezepte aus. Zum Beispiel eine Wildkräuter- und eine Gemüsesuppe. Und vermutlich stand dort auch der oben beschriebene Kräutermix geschrieben, wenn Frau von Bingen auch ganz bestimmt das Wort „Smoothie“ noch nicht kannte. Er schmeckte – und das wird dich jetzt überraschen – nach Kräutern. Das reingemixte Obst sorgte für eine ganz leichte Süße. Kann man mal trinken, wie auch alle anderen sagten, die gekostet haben. Danach gönnte ich mir trotzdem noch eine Flasche Cola. Gab es die auch schon im Mittelalter?

Oben, auf der Empore, konnten sich die Gäste schröpfen lassen. Das hat Hildegard wohl nicht direkt erfunden, aber sie hat es wohl angewendet, habe ich mir sagen lassen. Man bekommt kleine Gläschen auf bestimmte Stellen am Rücken gelegt. Mit einer Pumpe wird die Luft rausgesaugt, so dass sich kleine Blasen bilden. Das soll nicht weh tun, nur ein wenig ziehen.

Und mittelalterliche Musik gab es auch. Diese Hildegard von Bingen muss ein Tausendsassa gewesen sein. Denn sie schrieb auch Musikstücke, die sich für heutige Ohren sehr mystisch anhören. Mit einem Becher Cola in der Hand, auf der Kirchenbank, verfolgte ich das Treiben, las die “Untertitel” der latenischen Texte auf meinem Zettel mit. Ein durchaus etwas anderer Kirchenbesuch. Aber auf jeden Fall interessant!

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RTZapper

Die Reportage: Schicksal Armutsfalle – mit Judith Rakers

Sonntag, den 7. September 2014
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FR 05.09.2014 | 21.15 Uhr | NDR fernsehen

Manchmal meint es das Schicksal wirklich nicht gut. Da hat man es im Leben nicht einfach, muss in zwei Jobs schuften und hat immer noch nicht genug Geld zum Leben, und dann kommt auch noch ein Fernsehteam, um allen zu zeigen, dass sowieso keine Hoffnung besteht.

Schon der Titel der Reportage am Freitagabend im NDR fernsehen war ein wenig unglücklich: “Schicksal Armutsfalle – mit Judith Rakers”.
Nein, Frau Rakers hat nicht ihre gutbezahlten Fernsehjobs verloren und nagt nun am Hungertuch. Aber Frau Rakers wollte mal wissen, wie es denen da untern denn so geht. Es geht ihnen schlecht, das weiß sie nun.
Judith Rakers begleitete eine Frau in Hamburg, um zu zeigen, dass das Leben unfair sein kann. Natürlich ist es immer wieder wichtig, auf diese Zustände aufmerksam zu machen, aber irgendeinen Erkenntnisgewinn und einen Hoffnungsschimmer sollte schon dabei sein. Zu sehen, dass Frau Rakers ganz dolle mitleidet und weitgehend ungeschminkt in den finanziellen Abgrund ihrer Begeleiterin schaut, ist nicht mehr als Betroffenheitsfernsehen. Was am Ende bleibt? Wenig.
Ab sofort übrigens rund um die Uhr nicht im NDR: “Schicksal Armutsfalle – ohne Judith Rakers”.

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RTelenovela

Die Straße rauf, die Straße runter

Sonntag, den 7. September 2014
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Schwante erlebte vermutlich den ersten Ernteumzugsstau seiner Geschichte. Auf der Landesstraße kam der Umzug zum Erliegen, alle Räder standen still.
Was für die Leute auf den Erntewagen einige Minuten lang vielleicht nicht so schön war, war für Fußgänger, die daran vorbeispazieren konnten, dagegen wunderbar. Sie konnten sich die Beine vertreten und sich die vielen tollen Wagen ansehen.

In Schwante ist das Kreiserntedankfest gefeiert worden, und der Umzug bestand aus 48 Bildern. Das ist nicht gerade wenig.
Was sich die Teilnehmer für eine riesige Mühe geben, lässt sich an so ziemlich allen Wagen sehr gut ablesen. Schon Tage vorher treffen sich die Leute, um sie zu schmücken. Am besten kam bei der Jury der Wagen des Seniorenclubs aus Bärenklau an. Zufälligerweise war ich zwei Tage zuvor bei ihnen und habe mitbekommen, was für eine unfassbare Arbeit darin steckt, das Gefährt mit vier verschiedenen Getreidearten zu schmücken.

Im Grunde geht es nur darum, mit dem Erntewagen einmal die Straße rauf und wieder runter zu fahren. Aber es ist mehr. Die Leute sind nicht nur stolz auf den Schmuck, den sie da geschaffen haben. Sie möchten sich auch präsentieren. Seht her, was wir machen, wer wir sind. Da ist die Kita aus Schwante ebenso mit dabei wie der Karnevalsverein aus Marwitz, die Heimatvereine aus Vehlefanz und Dollgow, die Treckerfreunde aus Kremmen oder die Speedwayfreaks aus Wolfslake. Sie alle wollen teilhaben an einem Ereignis, über das die Menschen zumindest auch morgen noch sprechen.
Und das zu beobachten, ist immer wieder schön.

Knappe zehn Minuten dauerte es, dann löste sich der Schwantener Ernteumzugsstau langsam wieder auf. Einige der Mitfahrer hatten zuvor schon den Fahrtwind in der September-Sommerwärme vermisst. Den haben sie dann wieder bekommen.

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