Tagesarchiv für 2. September 2014

RT im Kino

Millionen

Dienstag, den 2. September 2014
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22 Millionen Euro. Das ist eine ganze Menge Geld. Nein, das ist sogar unfassbar viel Geld.
Torsten (Andreas Döhler) ist Lottospieler, und deshalb hat er Glück gehabt. Wie gesagt: ZWEIUNDZWANZIG MILLIONEN EURO.
Doch so richtig freuen kann er sich nicht. In Wirklichkeit überfordert ihn diese Summe. Was macht er damit? Wie geht seine Familie mit der vielen Kohle um? Wem erzählen sie davon? Was kaufen sie sich als erstes?
Während seine Frau Susanne (Carola Sigg) schon Pläne macht, ganz konkrete Pläne, scheint Torsten vollkommen hilflos da zu stehen. Und als auch noch bei seinen Freundin rauskommt, was da los ist, scheint seine vormals heile Welt zusammenzubrechen.

Fabian Möhrke spielt das in seinem Film “Millionen” mal durch. Welche Auswirkungen hat ein Mega-Lottogewinn auf eine Familie. Jubel kommt allerdings selten auf. In diesem Film geht es eher darum, dass so eine Summe auch Angst machen kann. Die Hilflosigkeit des Familienvaters wird recht bedrückend dargestellt.
Dennoch wirkt der Film recht dröge. Die Inszenierung ist langsam, vermutlich gewollt langsam. Es gibt lange feste Einstellungen.
Völlig unklar und recht misslungen ist auch das Ende des Filmes, das wirkt, als zeige man mehrere Variationen des Schlusses.
Fazit: 22 Millionen Euro als Lottogewinn sind ziemlicher Mist. Ich würde sie trotzdem nehmen.

Millionen
D 2013, Regie: Fabian Möhrke
Drop-Out Cinema eG, 80 Minuten, ab 12
5/10

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aRTikel

Wie im wilden Westen

Dienstag, den 2. September 2014
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Gestern begann der Erntehelfer-Prozess: Vier Männer haben in Kremmen Selbstjustiz verübt

MAZ Oranienburg, 2.9.2014

KREMMEN
Der Fall von Selbstjustiz hatte in Kremmen und weit darüber hinaus für großes Aufsehen gesorgt. Gestern begann am Oranienburger Amtsgericht der Prozess gegen vier Männer aus Staffelde sowie aus Lüchfeld bei Neuruppin. Ihnen wird vorgeworfen, am 13.Mai 2013 in Kremmen zwei polnische Erntehelfer misshandelt und gewaltsam festgehalten zu haben.

Gegen 17 Uhr liefen drei Helfer des Kremmener Spargelhofes von einem Feld bei Flatow zu Fuß in Richtung Unterkunft. Auf einem Waldweg nahe der Kuhsiedlung zwischen Charlottenau und Orion sind sie von mehreren Männern angehalten worden. Da die Saisonarbeiter kaum Deutsch verstehen, wussten sie nicht, worum es geht und wollten flüchten. Einem von ihnen gelang das, die anderen beiden Männer, so die Anklage, wurden geschlagen, zu Boden gerissen und getreten. Später sind ihnen die Beine gefesselt worden. Sie sollten in ein Auto steigen, dazu sind sie dann gezwungen worden.
Uwe K. (51), seine Söhne (26 und 21 Jahre) und ein Freund der Familie (22) wollten die Erntehelfer auf einen Hof an der Neuruppiner Straße bringen. Dort hatten am Vormittag drei Männer versucht, in ein Haus einzubrechen. Die drei Polen hielten sie für die Tatverdächtigen. Auf dem Hof von Gudrun S. sind die Erntehelfer von Uwe K. mit den Armen an eine Europalette gefesselt worden.

Während die drei jungen Angeklagten gestern schwiegen, machte Uwe K. eine umfassende Aussage. Im Großen und Ganzen bestätigte er den Tathergang. Nach dessen Angaben sei es sein Ziel gewesen, die aus seiner Sicht Verdächtigen anzusprechen und zu befragen. Dass die Männer flüchten wollten, sahen er und seine Jungs als Indiz dafür an, dass sie den Einbruchsversuch am Vormittag verübt haben könnten. Die Polizei habe er aber nicht gerufen, erzählte er weiter. Auf recht unbekümmerte Weise berichtete er von der Gewalttat. „Die Ausmaße habe ich da noch nicht erkannt“, sagte Uwe K. gestern.
Richterin Katrin Arbandt sagte, sie habe den Eindruck, K. vertrete den Standpunkt, nichts falsch gemacht zu haben. Der berichtete daraufhin, dass er sich am Tag danach bei den beiden Erntehelfern entschuldigt habe. Klar ist unterdessen, dass die beiden Geschädigten Grzegorz M. und Leszek M. mit dem Einbruch nichts zu tun hatten. Ermittlungen haben das ergeben.
Bis heute scheinen sich aber die Vorurteile zu halten. Die Tochter der Hofbesitzerin beschreibt ihre Beobachtung der an der Palette gefesselten Männer so: „Mein Eindruck war, dass die wussten, warum die da waren.“ Dass die Männer Angst gehabt hätten, sei ihr nicht aufgefallen. Und ganz allgemein: „Das war schon wie der wilde Westen.“

Wie grausam die Tat aber war, offenbarte sich, als Grzegorz M. und Leszek M. erzählten, wie sie die Ereignisse erlebt haben. Für sie sei vollkommen unklar gewesen, was die Männer von ihnen gewollt haben. „Wir hatten Angst, sie würden uns im Wald umbringen“, sagte Leszek M. „Werden wir hier erhängt?“, fragten sie sich. Es sei eine extrem schmerzhafte Erfahrung gewesen.
Morgen wird der Prozess fortgesetzt.

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RTZapper

Hallo Nordwestbrandenburg!

Dienstag, den 2. September 2014
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MO 01.09.2014 | 22.55 Uhr | havelland TV

Keine guten Zeiten für das Lokalfernsehen in Brandenburg. Oberhavel TV besteht derzeit nur noch aus einer Hinweistafel (inzwischen gibt’s wieder ein Programm).
havelland TV, ruppin TV und prignitz TV sollten zu NBF3 verschmelzen. Auf dem neuen Sender liefen kurzzeitig neben der Lokalsendung “Hallo Nordwestbrandenburg!” auch viele weitere Sendungen aus dem bundesweiten Lokal-TV-Verbund. Dann aber stellte man das Programm sang- und klanglos wieder ein, inzwischen läuft nur noch die Lokalsendung – aber auch die stark eingedampft. Und zwar nicht je eine Ausgabe für jeden Landkreis, sondern nur noch eine Sendung für drei Landkreise.

Wenn das nur alles wäre. Fast alle Lokalberichte jedoch sind gekauft. Der Bericht über die Wohnungsbaugenossenschaft: gekauft, eine Werbesendung. Der Bericht über das Erntefest in Buskow: gekauft, eine Werbesendung. Der Bericht über Amazon in Brieselang: gekauft, eine Werbesendung. Letzterer ist übrigens blanker Hohn. Überall wird über die Arbeits- und Lohnbedingungen bei Amazon berichtet, und im Lokalfernsehen wird der tolle Arbeitgeber bejubelt, der gutes Geld zahlt und wo alles ganz durfte ist. Ekelhaft. Hat natürlich Amazon selbst produziert.
Damit die Reklamesause abgerundet wird, gibt’s zum Ende noch ein ganzes AOK-Gesundheitsmagazin.

Zwar gibt es entsprechende “Werbesendung”-Einblendungen, der unaufmerksame Zuschauer bekommt das aber kaum mit. Aber wozu soll man sich ein Lokalmagazin ansehen, dessen Beiträge die pure Reklame sind? Einfach nur noch ätzend und leider überflüssig.

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