Tagesarchiv für 28. August 2014

aRTikel

Voll im Leben

Donnerstag, den 28. August 2014
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Erika Kaatsch feiert heute ihren 80. Geburtstag. Seit sechs Jahrzehnten lebt sie in Vehlefanz.

VEHLEFANZ
Lauter Unterlagen. Und alle wichtig. Erika Kaatsch sitzt im Versammlungsraum des „Hauses der Generationen“. Sie sortiert. Die nächste Sitzung des Ortsbeirates steht vor der Tür, da muss alles vorbereitet sein. Und nicht nur das: Sie ist Ortsvorsteherin von Vehlefanz, sitzt im Gemeinderat, ist Chefin des Seniorenbeirates und kümmert sich mit um das Kreiserntefest. „Es gibt auch mal einen Tag, wo ich sage: Das ist mein Tag.“ Erika Kaatsch lächelt. „Da trödele ich auch mal, ganz ohne Druck.“ Kaum vorstellbar.
Heute feiert sie ihren 80. Geburtstag – und steht voll im Leben. „Ich fühle mich noch fit“, sagt sie. Obwohl: Ein bisschen Respekt vor dieser Zahl, vor dem Alter, hat sie schon. „Man muss inzwischen auch mal Nein sagen können.“ Was ihr schwer fällt. Sie hat gute Gene, sagt sie, und man müsse sich immer Ziele setzen. Seit gut 20 Jahren engagiert sie sich in der lokalen Politik. Nach dem Aus der Konsumgenossenschaft, für die sie bis Ende 1993 arbeitete, suchte sie sich ein neues Betätigungsfeld. „Ich bin zur Gemeinde gegangen und habe gesagt, wenn es Arbeit gibt, nehme ich sie an.“ Es gab und gibt Arbeit für sie – bis heute.

60 Jahre lang lebt sie schon in Vehlefanz. Geboren wurde sie am 28. August 1934 auf einem großen Bauernhof bei Posen im heutigen Polen. „Als Kind ging es mir gut, wir hatten eine große Wirtschaft.“ Bis zum 19. Januar 1945. Ein echter Schicksalstag. „Die russische Front war durchgebrochen, wir mussten unsere Heimat verlassen.“ Mit Pferd und Wagen, aber ohne Ziel machte sich die Familie auf Richtung Westen. Der Vater fehlte, er musste in den Krieg ziehen – und kehrte auch nicht mehr zurück. „Am Anfang haben wir gedacht, wie müssen nur über den nächsten kleinen Fluss.“
Dem war nicht so. Bei minus 15 Grad reisten sie in den Berliner Raum. Sie landeten in Börnicke im Havelland. Eine harte Zeit, die Familie – Erikas Mutter mit fünf Kindern – kam auf einem Bauernhof unter. „Wir hatten kaum etwas. Es ging ums nackte Überleben.“ Aber die Leute, bei denen sie lebten, waren nett und die Mutter hatte auf dem Hof Arbeit. „Ich glaube, wenn mein Vater aus dem Krieg zurückgekommen wäre, dann wäre mein Leben ganz anders verlaufen“, sagte sie heute. „Er hätte uns wieder eine Existenz aufgebaut. Meine Mutter konnte das nicht.“
Nach der 8. Klasse begann sie eine Lehre beim Konsum. Sie wurde Verkaufsstellenleiterin in Grünefeld. „Oft haben die Lebensmittel nicht gereicht“, erinnert sie sich. 1956 lernte sie ihren Mann Helmut kennen. „Seine Cousine war meine Freundin.“ Erika Kaatsch schmunzelt. Ein Jahr später haben sie geheiratet.
In den 70ern machte sie ein Fernstudium zur Ökonompädagogin und wurde in Oranienburg Ausbildungsleiterin in der Konsumgenossenschaft, später war sie Mitglied im Kreisvorstand beim Konsum.

Das Jahr nach der Wende brachte den nächsten Schicksalsschlag. 1990 starb ihr Mann Helmut an Lungenkrebs. Ihre Familie war es, die sie wieder aufrichtete. „Sie gibt mir Kraft, auch heute noch.“ Und Erika Kaatsch hat noch viel Kraft. Oft ist sie mit ihrem Auto unterwegs. Sie besucht ihren Sohn in Strausberg oder reist zu ihrem Elternhaus nach Polen.
Wenn das neue altersgerechte Wohnheim in Vehlefanz mal fertig ist, dann will Erika Kaatsch ein wenig kürzer treten. Ihre Aktivitäten von hundert auf null zurückschrauben kann und will sie aber nicht. Denn eines kann sie dauerhaft nicht: nichts tun.

Hits: 22

RTZapper

My Life in New York

Donnerstag, den 28. August 2014
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MO 25.08.2014 | 15.00 Uhr | RTL

Herzlichen Glückwunsch, RTL! Der Sender hat einen neuen Rekord aufgestellt: Genau zwei Sekunden nach Start der neuen Serie “My Life in New York” hat sich mein Interesse schon wieder erledigt: Da blendete RTL nämlich ein, dass die Geschichten frei erfunden sind.
Das muss man sich mal vorstellen: Da bringt RTL eine Serie über Leute, die in New York leben und arbeiten. Das wahre Leben allerdings ist ihnen zu langweilig, zu doof oder was weiß ich. Deshalb erzählt der Sender lieber eine gescriptete Geschichte.

Wer denkt, dass er in “My Life in New York” etwas über das aufregende Leben in der aufregendsten Großstadt der Welt erfährt, der irrt. Stattdessen bekommt der Nachmittags-RTL-Zuschauer eine der üblichen Familiendramen vorgesetzt. Typ sagt den Eltern, er sei Broker in New York, er ist aber Fahrradkurier. Von der Freundin hat er auch nichts erzählt, und eigentlich ist das auch gar nicht seine Freundin, und überhaupt ist das alles ja so gar nicht interessant.
Ach ja, und natürlich spricht in diesem Neu-Jork niemand Englisch. Alle sprechen Deutsch. Wäre fürs RTL-Volk auch zu anstrengend.

Was für eine gequirlte Kacke. Aus einem an sich interessanten Ansatz mixt RTL den ödesten Dokusoap-Quark, der nur möglich ist.
Zum Glück fanden das viele Zuschauer auch. Die Quoten waren schon am Dienstag im Keller, und am Mittwoch lief auf dem Sendeplatz von “My Life in New York” etwas anderes. Abgesetzt, und tschüss.

Hits: 30

RTelenovela

Nichts ist unendlich

Donnerstag, den 28. August 2014
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Diese Gedanken hat man immer wieder mal: Wie ist das, wenn alles zu Ende ist? Ewiger Schlaf.
Oft kommen diese Gedanken, wenn eine Todesnachricht eintrifft. Wir haben heute von einem Kollegen erfahren, der nach schwerer Krankheit gestorben ist. Er war um die 30, noch ein junger Mann, der viel vor hatte.
Sein letzter Interneteintrag, den ich gefunden habe, ist vom 7. Juli. Danach muss in seinem Leben irgendetwas passiert sein. Wir wissen es nicht genau.

Nichts ist unendlich. Solche Nachrichten schockieren einen immer wieder, sie machen traurig und sie machen nachdenklich.

Hits: 22

RTZapper

Bei Anruf Liebe

Donnerstag, den 28. August 2014
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MO 25.08.2014 | 14.00 Uhr | RTL

Bei RTL läuft angeblich die erste Live-Dating-Show Deutschlands. Und angeblich soll das alles total aufregend sein.
Stimmt leider beides nicht.
Okay, es ist schön, dass RTL am Nachmittag mal was Neues ausprobiert und eine Stunde lang mal ohne Prolls in gescripteten Dokusoaps auskommt. Ähm, das heißt, RTL kommt ohne Dokusoap aus, aber die Prolls, die… also, ähm, na ja.

“Bei Anruf Liebe” heißt die neue Sendung, in der lauter Männer und Frauen rumsitzen, die den Mann oder die Frau fürs Leben suchen. Oder so. Aber klar, normale Menschen finden bei RTL eher ungern statt.
Deshalb ist Kandidat Nummer 1 auch gleich mal ein Nudist, der im Einspielfilm seinen nicht allzu schönen Hintern in die Kamera hält. Nacktsein ist ihm wichtig, und die Mäuse auch. 30 Plüschmäuse (die “Sendung mit der Maus”-Maus) hat er in seiner Wohnung zu stehen. Ob er mit denen nackt kuschelt, haben wir leider bei RTL nicht hundertprozentig erfahren. Aber er sucht eine Frau, nackt muss sie nicht zwingend sein. Na, wie schön.
Und tatsächlich, es rief in der Premierensendung am Montagnachmittag wirklich jemand an: Nein, keine Frau, sondern ein Mann, der lobte, wie mutig der FKKandidat doch sei.

Und sonst so? Zwei Bachelor-Verliererinnen, eine Frau Mitte zwanzig, die noch nie einen Freund hatte, und ein 1,95 Meter-Mann, der beim Blind Date eine 1,55 Meter-Frau danebengesetzt bekam. Hat, ähm, ganz toll funktioniert.

“Bei Anruf Liebe” ist so aufregend wie die Werbespots von den Verkuppelagenturen. Dass in einer lahmen und vermeintlich total hippen, jugendlichen Liebesshow, irgendwer den Partner fürs Leben finden wird… also… wohl eher nicht.

Hits: 38