Tagesarchiv für 17. Juli 2014

ORA aktuell

Nazipropaganda an Gedenkstätte Sachsenhausen

Donnerstag, den 17. Juli 2014
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Neonazis aus Berlin und Brandenburg riefen am Sonntag den “Volkstrauertag der Deutschen” aus. Wie die Potsdamer Neuesten Nachrichten berichten, stellten sie unter anderem vor der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg schwarze Holzkreuze mit Zetteln auf. Darauf ist an mehrere Tausend Deutsche erinnert worden, die angeblich von Ausländern getötet worden sein sollen.
Ein Sprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte nannte die Aktion gegenüber der PNN “erschreckend”. Der Staatsschutz prüft, ob es sich um Straftaten handelt.

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RTZapper

Henssler hinter Gittern

Donnerstag, den 17. Juli 2014
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MI 16.07.2014 | 0.30 Uhr (Do.) | RTL

Entzückend. Marcellinus ist Kreditbetrüger, hat einen Schaden von mehr als einer Million Euro angerichtet und sitzt eshalb im Knast. Und jetzt darf er bei RTL in der Primetime Pfannkuchen backen. Nico steht so rum und hat keinen Bock drauf, schließlich hat er ja auch so keinen Bock auf Arbeiten, er ist ein Dieb und sitzt deshalb im Knast. Pfannkuchen findet er doof.

Für die neue Dokureihe “Henssler hinter Gittern” (montags um 20.15 Uhr und in der Wiederholung am späten Mittwochabend) kocht Steffen Henssler nun mit Verbrechern. Totschläger, Intensivtäter und andere Knastinsassen sind nun Teil einer Dokusoap. Sie drehen mit einem RTL-Team, und keiner weiß, welche Szenen echt sind, und welche nachgedreht. Da stehen sie dann mal auf dem Hof und diskutieren mit ihrem Wärter – ob die Dialoge wahrhaftig sind, bleibt unklar.
Aber warum müssen Knastleute nun zu Fernsehstars bei RTL werden? Warum muss man solchen Menschen eine Plattform bieten? Verbrecher sollen im Knast für ihre Taten büßen, sie sollen arbeiten, die Zeit irgendwie rumbringen – ich finde aber nicht, dass sie nun für RTL und mit Steffen Hennsler kochen müssen.

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RTelenovela

Real Sex is only Wedding

Donnerstag, den 17. Juli 2014
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Mitten im Wedding liegt eines der interessantesten Theater Berlins, das ich je erlebt habe. Im Primetime-Theater läuft seit zehn Jahren die Sitcom-Reihe “Gutes Wedding, schlechtes Wedding”. Jede Folge ist gut einen Monat lang in mehreren Aufführungen zu sehen. Wir besuchten Folge 92.

Schon wer sich die vorbestellten Tickets abholt, merkt gleich: In diesem Theater ist alles anders. Der Chef des Hauses sitzt an der Kasse, er trägt eine Vokuhila-Perücke, offensichtlich gehört sie zu einer der Sitcom-Rollen. Wir werden per Handschlag begrüßt, nachdem die beiden Leute vor uns die Wartenummern 15 und 16 bekommen haben – sie hatten nicht vorbestellt, und die Hütte ist voll.
Kurz vor Beginn der Vorstellung ruft er alle Nummern auf und sagt, ob sie noch eine Chance haben, reinzukommen oder nicht. Der Chef persönlich ist es auch, der abfragt, wo denn im Saal noch freie Plätze sind, um die dann den Nachzüglern zuzuweisen. Er hält auch die launige Begrüßungsrede.
Hier ist alles kleiner, persönlicher, kieziger. Irgendwie schön.

“Gutes Wedding, schlechtes Wedding” läuft seit zehn Jahren, aber man kann mit jeder neuen Folge neu einsteigen. Ein kleines Filmchen erklärt die wichtigsten Vorgänge, aber eigentlich versteht man das meiste auch so.
Der Titelsong: “Mitte is shitte, Prenzlberg is Petting – real Sex is only Wedding!”
Fünf Schauspieler stellen jeweils drei bis fünf verschiedene Charaktere dar. Da ist der DJ, die punkige Abiturientin, der schwule Schwabe und viele weitere skurrile Figuren.
In der Sitcom kommt es natürlich vor allem auf den Witz an, aber die Geschichten sind durchaus auch hintersinnig. Da geht es um Liebe und Eifersucht, um Zukunftsängste – und in unserem Fall um den Schulabschlussball, der ein wenig anders verläuft, als man das so kennt.
Es ist ein Stück Wedding, das uns da gezeigt wird, mit einem Ausflug in den Prenzlauer Berg. Es ist rotzig, in verschiedenen Dialekten, die Dialoge kommen Schlag auf Schlag.

Nach zweieinhalb Stunden endete der außergewöhnliche Theaterabend, und es ist toll, dass es so ein Kleinod in Berlin noch gibt. Immerhin finanziert sich das Haus aus eigener Kraft.

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