Tagesarchiv für 13. Juli 2014

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radioeins-Wetter: Freundlicher Wettermix

Sonntag, den 13. Juli 2014
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SA 12.07.2014 | 14.03 Uhr | radioeins

Irgendwas muss bei den Wetterfröschen am Sonnabend gewaltig schiefgelaufen sein. Während radioeins vom rbb im Wetterbericht am Nachmittag einen freundlichen Wettermix mit Sonne und Wolken ansagte, befanden sich Teile von Oranienburg, Germendorf und die Umgebung in einem sintflutartigen Regen, der einige Straßen unfahrbar werden und Keller volllaufen ließ. Und während im radioeins-Wetterbericht unbeirrt von 20 bis 24 Grad gesprochen wurde, herrschten in Kremmen zu diesem Zeitpunkt gerade mal 15 Grad.

Erst ein Hörer scheint dem rbb mitgeteilt zu haben, dass das Wetter nicht ganz dem entspricht, was da im Radio verkündet worden ist. Denn plötzlich tauchte im Wetterbericht eine halbe Stunde danach die Regenmeldung auf – mit Verweis auf einen Hörerhinweis. In den verlesenen Aussichten des Wetterdienstes war dagegen von Starkregen weiter nichts zu hören. Wusste man beim Wetterdienst nichts vom Starkregen? Waren die verkündeten Daten veraltet?

Aber offenbar muss bei radioeins oder auch beim Wetterdienst jemand hellhörig geworden sein, denn wieder ein wenig später hörte sich der Wetterbericht ganz anders an, dann tauchte sogar eine Unwetterwarnung für den Barnim und Märkisch-Oderland auf. Den Leuten in Oberhavel hätte es vermutlich auch etwas geholfen, wenn sie vorher vom aufkommenden Unwetter etwas gehört hätten – und nicht einen freundlichen Sonne-Wolken-Mix.

In Klaistow sind am Sonnabendnachmittag übrigens bei einem schweren Gewitter fünf Menschen durch einen Blitzschlag verletzt worden. Vielleicht hätte man auch in Klaistow schneller reagieren können, wenn der Wetterdienst gewusst hätte, dass Unwetter drohen. Oder ist “freundlicher Sonne-Wolken-Mix” der neue Code für “Wetterkatastrophe”?

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Tagesschau: Urlaub für Stofftiere

Sonntag, den 13. Juli 2014
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FR 11.07.2014 | 11.00 Uhr | tagesschau24

Japaner haben keine Zeit für Urlaub. Und kein Geld. Deshalb schicken sie ihre Stofftiere in den Urlaub.
Klingt irre? Ist es auch. Aber so sind die Japaner.
Die “Tagesschau” berichtete in ihrem Nachrichtenkanal am Freitagvormittag von einer jungen japanischen Frau, die ihr Geld damit verdient, dass sie mit den Stofftieren anderer Leute verreist. Unterwegs macht sie lauter Fotos, die eben jene Stofftiere vor irgendwelchen Sehenswürdigkeiten zeigt.

Bekloppt. Offenbar scheinen die Japaner doch nicht zu wenig Kohle zu haben, denn dass so ein nichtsnutziger Irrsinn boomt, beweist eindeutig, dass die Kohle ja doch noch da sein muss, wenn man sie dafür ausgeben kann.
Da nehme ich das Geld lieber, um selbst zu verreisen. Und mein Stofftier darf sogar mit. Wenn er will.

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Bahnhof für Bio

Sonntag, den 13. Juli 2014
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DO 10.07.2014 | 23.35 Uhr | WDR

Ende der 70er-Jahre sorgte Alfred Biolek mit einer ganz besonderen Musiksendung für Furore: “Bios Bahnhof”. Speziell war nicht nur das Ambiente – ein echtes Bahndepot in Köln – sondern auch der Inhalt. Er bestand aus so ziemlich allem, was das Musikbusiness hergab.

Zum 80. Geburtstag von Alfred Biolek gratulierte der WDR am Donnerstagabend mit einer Sendung, die zu Bios 70. produziert wurde – einer Hommage an “Bios Bahnhof”.
Dort traten nicht nur die großen Popstars auf. Da gab es dann schon mal eine Opernarie oder einen klassischen Tanz, gefolgt von einer Rockgruppe und einer Comedymusikeinlage.
Würde so heute nicht mehr funktionieren – und wenn man den Gesprächen über die Show genauer hinhört, müssen die Einschaltquoten auch damals nicht immer die Besten gewesen sein. Aber rund um das Jahr 1980 konnte sich das Team rund um Biolek das noch trauen. Konkurrenz gab es kaum, an Privatsender war noch nicht zu denken, Videorecorder gab es kaum.
Und für Spartensender, wo man so etwas abseits aller großen Einschaltquoten machen könnte, wäre so eine Show sicherlich zu teuer.

So ist “Bahnhof für Bio” im WDR eine Erinnerung an Fernsehzeiten, die es so wohl nicht mehr gibt. Und eine Mahnung an die Fernsehmacher, sich im Unterhaltungsbereich mehr zu trauen.

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Der Rassist in uns

Sonntag, den 13. Juli 2014
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DO 10.07.2014 | 22.15 Uhr | zdf_neo

Blauäugige sind weniger wert als Braunäugige. Blauäugige sind dumm. Blauäugige suchen die Schuld immer bei anderen. Blauäugige sind egoistisch.

Klingt rassistisch? Das soll es auch. “Der Rassist in uns” zeigte, wie einfach die meisten Menschen zu manipulieren sind. Wie man sie auf bestimmte Merkmale einschwören kann. Wie man sie auf andere Menschen ansetzen kann. Wie man Andersartige unterdrücken kann, und wie willig die Menschen da mitmachen, welche Dynamiken da entstehen.
Ganz klar: Auf zdf_neo lief am Donnerstagabend die Doku des Jahres. Sie lief nicht im ZDF-Hauptprogramm, wo Maybrit Illner gerade über Fußball schwadronierte, sondern im Spätprogramm des Spartensenders.

In der Doku ging es um einen Workshop, bei dem die Teilnehmer, ohne dass sie es wussten, gezeigt bekommen sollten, wie das mit dem Rassismus funktioniert.
Von Anfang an wurden die blauäugigen Teilnehmer schlecht behandelt, diskriminiert und schikaniert. Die Braunäugigen dagegen wurden priviligiert behandelt und gegen die anderen eingeschworen. Egal, was der Workshopleiter erzählte, es hämmerte sich in die Hirne der Braunäugigen ein.

Zu beobachten, wie sich beide Seiten verhalten, war unglaublich spannend. Die Blauäugigen sahen sich geballter Diskriminierung ausgesetzt. Sie mussten hautnah spüren, wie fertig sie das macht, wie verunsichert, wie eingeschüchtert sie werden. Was für eine psychische und körperliche Qual das ist. Und die Braunäugigigen, wie es ist, zu dominieren, zu einer Gruppe zu gehören, die andere erniedrigt.
Und das alles innerhalb von nur zwei Stunden, so lange dauerte der Workshop.
Nur wenige scherten aus und ließen das alles nicht mit sich machen, waren entsetzt, was da geschieht.

“Der Rassist in uns” ist ein extrem lehrreicher Film, der mehr Zuschauer verdient, als die 200.000, die sich am Donnerstagabend zu zdf_neo verirrten. So etwas sollte auch in Schulen gezeigt werden.

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RT im Kino

Die Karte meiner Träume

Sonntag, den 13. Juli 2014

T.S. Spivet (Kyle Catlett) ist gerade mal zehn Jahre alt, aber schon verdammt klug. Er hat ein Perpetuum mobile gebaut und damit den renommierten Baird Price des Smithsonian Institus in Washington gewonnen.
Dazu muss man wissen: Er lebt irgendwo im Nigendwo. Auf der kleinen Ranch in Mantana wohnt er mit seinen Eltern und seiner Schwester. Sein Zwillingsbruder ist vior kurzem ums Leben gekommen, und T.S. war dabei, als es passierte.
Nun nun? Soll er nach Washington aufbrechen? Ganz allein?
T.S. macht sich tatsächlich ganz allein auf den Weg – beladen mit einem schweren Koffer in einem Güterzug gen Washington.

Jean-Pierre Jeunet war einst verantwortlich für “Die fabelhafte Welt der Amelie”. Mit “Die Karte meiner Träume” schaffte er erneut ein Stück wunderbares Kino. Sein Film strotzt nur so vor niedlichen Ideen. Immer wieder gibt es Tricksequenzen, mit denen T.S.’ Denkprozesse verdeutlicht werden. Dazu lauter tragikomisches Figuren, überzeichnet, aber unheimlich liebevoll. Und nicht zu vergessen die wahnsinnig eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen und außergewöhnlichen Kameraeinstellungen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Geschichte an sich kurzweilig ist. Sie ist lustig, manchmal tieftraurig und rührend. Bis zur kleinsten Nebenrolle ist der Film gespickt mit hochinteressanten Charakeren.
Eines aber bleibt ein Rätsel: der deutsche Filmtitel. “Die Karte meiner Träume” passt null zu diesem Film. Im Original heißt er “The Young and Prodigious T.S. Spivet”. “Der junge und erstaunliche T.S. Spivet” klingt zwar sperrig, passt aber.

Die Karte meiner Träume
Kanada 2013, Regie: Jean-Pierre Jeunet
DCM, 105 Minuten, ab 0
10/10

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RTZapper

Maybrit Illner: Alles oder nichts?

Sonntag, den 13. Juli 2014
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DO 10.07.2014 | 22.15 Uhr | ZDF

Wir leben momentan in einer politisch brisanten Zeit.
Der Umfang der US-Spionage in Deutschland nimmt immer erschreckendere Ausmaße an. In Israel droht ein Krieg. Natürlich die geplante Maut. Und immer schwelt der Russland-Ukraine-Konflikt.

Aber auf politik hat das ZDF momentan keine Lust. Alle reden über Fußball, und deshalb sehen die Verantwortlichen beim Zweiten auch keinen Anlass, den Zuschauern andere wichtige Themen entgegenzusetzen.
Zwar gab es am Donnerstagabend einen Polittalk im ZDF, aber Maybrit Illner stellte die Frage “Alles oder nichts?”. Es ging um die Thematik: “Elf Freunde, sieben Tore, Millionen Fans, ein Finale. Geht am Sonntag der Traum vom vierten WM-Titel in Erfüllung? Halten Mannschaft und Trainer diesen Druck aus? Zählt jetzt nur noch der Titel?”

Das ist ja wirklich packend? Frau Illner lid sich also ein paar fußballexperten ein, um ein bisschen zu fachsimpeln, ob wir denn eventuell den Weltmeistertitel gewinnen. Orakelei statt Politik im Polittalk. Belanglosigkeiten statt Fakten.
Es ist ja verständlich, dass das ZDF in der völlig zurecht stattfindenden WM-Euphorie etwas vom Kuchen abhaben will, aber eigemtlich sollte es auch Aufgabe des öffentlich-rechlichen Senders sein, uns klarzumachen, dass gerade auch andere Themen wichtig sind. Aber da hat das ZDF versagt.

Im Anschluss an den Fußballtalk bei Maybrit Illner lief übrigens Markus Lanz. Mit einem Fußballtalk.

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RTelenovela

WM-Siegeskorso 1990. Und 2014 der nächste?

Sonntag, den 13. Juli 2014
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Ich habe einen Ohrwurm. 1978 sang Udo Jürgens mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft „Buenos dias, Argentina!“ 36 Jahre später ist das der Mottosong für dieses Wochenende. Finale! Deutschland gegen Argentinien, und damit dieselbe Paarung wie schon 1990 als Deutschland mit einem 1:0 Weltmeister wurde.

Habt ihr euch denn schon Gedanken gemacht, wo ihr das WM-Finale sehen werdet? Lieber zu Hause vor dem Heimkino, irgendwo im großen Kreis der Familie oder doch lieber draußen beim Public Viewing? Und werden wir uns, falls es nach 24 Jahren wieder mit dem Titel klappen würde, bei der großen Siegeskorsofahrt treffen?
1990, ich war gerade mal zwölf Jahre alt, war ich schon mal dabei. Die Bernauer Straße in Oranienburg hieß noch Straße des Friedens, und am Abend jenen 8. Juli 1990 verwandelte sie sich zur WM-Fanmeile. Weltmeisterkorso! Eine lange Fahrzeugschlange, hupende Autos, feiernde Menschen. Vielleicht gelingt uns die Neuauflage. Drücken wir Jogis Jungs die Daumen!

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