Monatsarchiv für Juli 2014

RT im Kino

Rico, Oskar und die Tieferschatten

Donnerstag, den 31. Juli 2014

Rico (Anton Petzold) ist zehn und tiefbegabt. Ihm fällt es schwer, sich zu konzentrieren, und er weiß auch nicht so viel. Also, zumindest weniger als andere. Als Oskar (Juri Winkler) zum Beispiel. Rico lernt Oskar kennen, als er gerade auf der Straße eine Fundnudel entdeckt hat. Oskar ist hochbegabt, er weiß sehr viel. Aber irgendwie scheint es zwischen den beiden gut zu funktionieren. Sie werden Freunde.
Als Oskar spurlos verschwindet, nimmt Rico allen seinen Mut zusammen und begibt sich auf die Suche. Schließlich ist ein gefährlicher Kinderentführer unterwegs.

Kinderfilme führen in Deutschland oft ein Schattendasein. Dabei gibt es wirklich ganz wunderbare Abenteuer, die wir uns in den Kinos ansehen können. Zum Beispiel “Rico, Oskar und die Tieferschatten”. Das Buch von Andreas Steinhöfel ist auf hervorragende Art und Weise auf die Leinwand übertragen worden.
Das liegt nicht nur an den hochsympathischen und extrem talentierten Kindern. Was Anton Petzold da abliefert, lässt einen staunen. Ein unsicherer Junge, der aber sein Leben so hinnimmt und kämpft, als es darum geht, eine Sache in die Hand zu nehmen. Dazu Juri Winkler, der als Oskar seinem neuen Freund beibringt, stark zu sein, Mut zu haben.
Hinzu kommen viele tolle erwachsene Darsteller. Karoline Herfurth, Katharina Talbach, Anke Engelke, Ursela Monn, Axel Prahl, David Kross, Roland Zehrfeld und Milan Peschel bilden einen absolut runden Cast bis in die kleinsten Nebenrollen.
Vor allem aber ist der Film sehr unterhaltend. Lustig, spannend, auch traurig. Und er bringt den jungen – und natürlich auch den Erwachsenen – bei, was es heißt, andere nicht auszugrenzen, bloß weil sie anders sind als man selbst.
Man möchte am Ende gar nicht Abschied nehmen – und glücklicherweise wird schon Teil 2 für Mitte 2015 angekündigt.

Rico, Oskar und die Tieferschatten
D 2014, Regie: Neele Vollmar
Fox, 96 Minuten, ab 0
9/10

RTelenovela

Rügen 2014 (8): Thiessower Markttage

Donnerstag, den 31. Juli 2014
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(7) -> 30.7.2014

Zweimal in der Woche strömen die Rüganer – aber vermutlich am meisten die Touristen – an der Hafen nach Thiessow. Dort findet der Rügen-Markt statt, und was man dort so alles findet, ist durchaus beeindruckend.
Da gibt es die üblichen Fressbuden, bei denen es aber auch an vielen Stellen heimische Produkte zu kaufen gibt. Joghurts von der Insel Rügen, Schoko und Vanille, dazu Früchte. Auch andere Bioprodukte von der Insel gibt es dort.
Eine ältere Frau verkauft an ihrem Stand allerlei Bonbons, die sie wohl überwiegend selbst macht. Ein Stück weiter verkauft ein Rüganer Handwerker Gläser, die er selbst hergestellt hat. Um die Ecke hat jemand schöne Steine, und gleich daneben hat ein Mann gemalte Kunstwerke im Angebot.
Auf dem Rügen-Markt gibt es einiges zu entdecken, und eine Fahrt dorthin lohnt. Und wenn die Polizei in der Thiessower 30er-Zone einen Blitzer aufgestellt hat, wird man nicht nur von der Ostseewelle gewarnt, sondern auch von den Marktordnern.

Göhren arbeitet unterdessen an einer neuen Attraktion: Wie auch in Sellin soll es bald einen Fahrstuhl geben, der die Leute aus dem Ort runter zum Strand bringt. Göhren liegt an einem Hang, und wer zur Strandpromenade will, muss immer Treppen laufen oder die steile Straße hinab. Der Fahrstuhl ist im Bau, die Kabine neuerdings schon zu sehen – eine Millioneninvestition. Aber irgendwie sieht die unten liegende Station so aus, als sei sie schief gebaut. Aber vielleicht habe ich ja auch nur falsch geguckt.

Nach 21 Uhr braucht man übrigens nicht mehr zur Göhrener Seebrücke – jedenfalls nicht, wenn man Hunger hat. Die Lokale dort sind dann erstunlicherweise alle schon zu, obwohl dort noch viele Menschen unterwegs sind.
Immer immerhin gibt es oben im Ort noch diverse Lokale, die länger geöffnet haben. Ein Italienier und eine Bar bis weit nach 23 Uhr.

Ein Besuch im “Beiboot” darf auf Rügen eigentlich nicht mehr fehlen. Die kleine Bücherei liegt direkt neben dem leider immer noch leerstehenden “Inselparadies” in Baabe. Im Frühjahr habe ich dort gleich drei Bücher gekauft. Das Geschäft lebt vor allem vom Buchgeschmack der Besitzerin. Und die ist richtig gut. Die Bücher, die sie durch die Platzierungen im Laden hervorhebt, sind an vielen Stellen sehr interessant. Spannende Krimis, außergewöhnliche Jugendbücher, aber auch Bestseller. Eine gute Mischung, und wieder bin ich Besitzer eines weiteren Romans.

RTZapper

Polizeiruf 110: Bei Klingelzeichen Mord

Donnerstag, den 31. Juli 2014
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MO 28.07.2014 | 22.15 Uhr | rbb

Eine Lehrerin wankt aus ihrer Klasse. Dorfpolizist Krause will sie in ein Gespräch verwickeln, doch sie bricht zusammen. Sie ist tot. Erstochen. Vermutlich von einem Schüler. Von welchem, ist vollkommen unklar.
Der rbb wiederholte am Montagabend einen der besten Filme aus der Krimireihe “Polizeiruf 110″. In der ORB-Produktion von 2001 ging es um eine Lehrerin, die ihrer Schüler dermaßen mobbte, dass sie sich zu einer Verzweiflungstat entschließen. Sie planen ihren Mord.
Als die Lehrerin tatsächlich tot ist, müssen Krause und Kommissarin Rosenbaum ermitteln, was in der Klasse passiert ist, als der Messerstich geschah.

Ein unfassbar guter Film ist dem ORB da 2001 gelungen. Es ist ein unaufgeregter Krimi, er geht an die Nieren, weil er zeigt, wie eine Situation in eine Katastrophe führen kann. Bis zum Schluss ist vollkommen unklar, was geschehen sein könnte.
Zum hervorragenden Buch kommen tolle Darsteller, allen voran die Jugendlichen um Alexander (Christian Blümel).
Ein “Polizeiruf” der fesselt, der bestürzt, der mitreißt.

RTelenovela

Rügen 2014 (7): Wind und Wellen

Mittwoch, den 30. Juli 2014
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(6) -> 27.7.2014

Die Sache mit den Ostseewellen. Kaum sind sie mal ein bisschen höher, machen die Leute eine Welle. Als ich im vergangenen Sommer auf Rügen war, hat man von der Ostsee kaum etwas gemerkt, weil sie wie ein stiller Tümpel da lag. Vergangene Woche war das anders: Die Wellen rauschten an den Strand, es war laut und irgendwie herrlich.
Aber diese Wellen haben auch eine andere Seite, die unvorsichtigen Menschen nämlich. Die, die die Wellen nicht richtig einschätzen können und ertrinken. Sieben Leute sind an einem Wochenende an der Küste ums Leben gekommen, und das, wohl sie immer wieder gewarnt worden sind.

Am Strand von Binz gingen überall gelbe Flaggen. Ebenso am Strand von Prora. Auf Usedom war das Baden sogar ganz verboten. Das heißt, nicht verboten – die rote Flagge bedeutet, dass man den Badegästen empfiehlt, besser nicht ins Wasser zu gehen. Verbieten darf man es ihnen nicht, und bestrafen darf man die Menschen schon mal gar nicht. Eigentlich erstaunlich, dass das so lax gehandhabt wird, wo doch hierzulande alles geregelt ist. Zumal die Menschen ja nicht nur sich selbst in Gefahr bringen, sondern auch die Retter.

Ich selbst passte mein Badeverhalten dem an, wie ich es auch im vergangenen Jahr in Portugal praktizierte. Ich ging bis zum Bauch ins Wasser und ließ die Wellen auf mich zukommen. Das hat völlig gereicht. Und so machen die Portugiesen am Atlantik in der Regel auch, da sind die Wellen aber natürlich noch ein Stück höher. Dort gibt es allerdings auch ganz konkret ausgeschilderte Badebereiche, wo anders dürfen die Leute überhaupt nicht ins Wasser.
Insofern sind die Ostsee-Urlauber noch gut dran damit, dass sie überall, wo sie wollen, ins Wasser gehen können.

RT im Kino

Tammy – Voll abgefahren

Sonntag, den 27. Juli 2014

Mal wieder Melissa McCarthy. Die an sich sympathische Schauspielerin scheint sich auf einen Typ von Filmrolenn eingeschossen zu haben: die dralle, vulgäre Tussy, die irgendwann geläuert und dann so richtig liebreizend wird. Das hat einmal funktioniert, und das funktioniert dann eben noch mal. Und noch mal. Nun ist sie mit “Tammy – Voll abgefahren” in den Kinos. Was sie spielt? Siehe oben.

Tammy verliert ihren Job im Burgerladen. Ihr Auto ist Schrott, ihr Mann hat eine andere. Sie haut ab, hat aber kein Geld. Notgedrungen muss sie ihre Oma mitnehmen. Die hat nicht nur ein Auto, sondern auch Kohle. Erst ist sie genervt. Und dann genervt, weil ihre Oma nicht so ist, wie alle anderen Omas. Es wird ein ziemlich aufregender Trip.

Und, joa, manchmal auch ganz lustig. Weil aber Melissa McCarthy in ihren Rollen mittlerweile keine Überraschungen mehr bietet, kann der Film nicht so wirklich überzeugen. Ein nett-harmloser Spaß, hier und da vulgäre Gags, und fertig ist der Lack.

Tammy – Voll abgefahren
USA 2014, Regie: Ben Falcone
Warner, 97 Minuten, ab 12
6/10

RTelenovela

Rügen 2014 (6): Wer knackt das Publikum?

Sonntag, den 27. Juli 2014
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(5) -> 26.7.2014

Für Musiker ist es das vielleicht schwierigste Publikum: Leute in Urlaubsorten, die ein kostenloses Konzert verfolgen, und das vielleicht sogar auch nur zufällig.
Auf der Bühne auf dem Binzer Kurplatz fand neulich ein ganzer Konzertabend mit Schlagern, Oldies und Rock statt. Die Rockband war sogar ganz passabel, das Publikum saß aber trotzdem nur so rum. Auf auf den Platz geworfene Fragen ans Publikum reagierten die Angesprochenen null. Niemand tanzte. Zwischen Bühne und den Leuten schien eine unsichtbare Mauer gestanden zu haben.

Im Grunde kein Wunder: Die Leute kommen vorbei, sehen da eine Band und setzen sich – erst mal skeptisch. Sie sind nicht extra wegen der Musiker gekommen, haben keinen Eintritt gezahlt, da fehlen eben die Fans. Das Publikum muss geknackt werden, und das ist schwierig.
Die Band in Binz versuchte es mit Galgenhumor. Dass ja sowieso niemand zuhöre, und dass das ja heute ein besonders schwieriger Abend sei. Kann allerdings auch ganz schnell nach hinten losgehen. Die Pause kam für die Musiker gerade richtig.
Es musste erst – ein eigentlich nicht wirklich guter – Schlageronkel kommen, der die Leute zum Tanzen brachte und es somit knackte. Danach herrschte auch bei der Rockband plötzlich gute Stimmung.

Auch Schlagersängerin Gaby Rückert hatte zu kämpfen. Sie trat auf der offenen Bühne in Baabe auf. Das Problem dort ist auch, dass zwischen Bühne und Zuschauerbänke unheimlich viel Platz ist. Schlecht geplant. Und weil Rückert recht viele melancholische Songs im Programm hat und zwischendurch (ein wenig zu) viel erzählt, blieb das Publikum auch bei ihr eher kühl. Aber auch sie hat es letztendlich geschafft, mit einem Rügenlied zum Beispiel, und als sie in der zweiten Hälfte ihre Konzertes endlich auch ihren Hit “Berührung” sang, war das Publikum in Baabe sowieso verzaubert.

Für die Musiker sind solche Auftritte in Urlaubsregionen sicherlich finanziell lohnend. Aber sie sind auch ein hartes Stück Arbeit.

RT liest

Mark O’Sullivan: Jimmy, Jimmy – Die Geschichte, wie mein Vater wieder 10 Jahre alt wurde

Samstag, den 26. Juli 2014

Dad ist nicht mehr da. Der Mensch Jimmy ist noch da, und er ist auch noch der Vater seiner Kinder. Aber er ist nicht mehr ihr Dad, er kann nicht mehr ihr Dad sein.
Nach einem schweren Unfall ist der Jimmy nicht mehr der Alte, er hat nun den Verstand eines zehnjährigen Jungen. Dass er eine Familie hat, ist nicht mehr Teil seiner Lebenswelt.
Die Familie nimmt ihn zwar wieder bei sich auf, aber es ist nicht mehr so wie früher – kann es ja auch nicht mehr sein.
Es belastet alle. Jimmys Frau, seine Kinder – aber auch ihn selbst. Bald müssen alle einsehen, dass es so nicht weitergeht, dass sie andere Lösungen finden müssen.

Mark O’Sullivan hat eine Geschichte über den bitteren Wandel eines Mannes und seiner Lieben geschrieben. Die Lieben, die für den Mann plötzlich mehr oder weniger Fremde sind.
So hat “Jimmy, Jimmy – Die Geschichte, wie mein Vater wieder 10 Jahre alt wurde” viele berührende Momente, vor allem, weil sie aus der Sicht der Tochter Eala erzählt wird. Sie schildert ihre Ängste, ihre Sorgen, aber auch die Wut, die dazu führt, dass auch sie in immer größere seelische Not gerät.
Leider verliert Mark O’Sullivan zwischendurch ein bisschen den Faden, so dass die eigentlich mitreißende Story manchmal dann doch durchhängt.

Mark O’Sullivan: Jimmy, Jimmy – Die Geschichte, wie mein Vater wieder 10 Jahre alt wurde
dtv Hanser, 340 Seiten
6/10