Tagesarchiv für 5. Mai 2014

RTelenovela

Bahnbekanntschaften (79): Weg aus Guben!

Montag, den 5. Mai 2014
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(78) -> 14.4.2014

Was muss der Bahnhof von Guben, in Ostbrandenburg an der Grenze zu Polen, mal für ein Mega-Anziehungspunkt gewesen sein. Die Kopfsteinpflasterstraße, die dort hinführt, ist geschätzte zehn Meter breit. Es ist eine Trasse, breiter als viele Bundesstraßen. Ob da an den Werktagen hunderte Pendler ihre Autos parken?
Sie endet direkt vor dem Bahnhofsgebäude.

Es ist Sonntagvormittag, und da ist zugegebenermaßen vermutlich weniger los als sonst. Wobei das “Reiseland” im rumepligen Container vor dem Gebäude so aussieht, als ob es längst ausgereist ist. Das dreckige Rollo ist runtergezogen. Was man dahinter noch erkennen kann, sieht nach Leere aus.

Ich laufe in den Bahnhof. Ich möchte eine Zeitung kaufen, und wo sonst kann man in einer Kleinstadt am Sonntagvormittag eine Zeitung kaufen, wenn nicht im Bahnhof? In Guben jedenfalls nicht.
Als ich in die Bahnhofshalle komme, erblicken mich drei Jugendliche. Sie qualmen und glotzen mich an. Ich bin neu hier, ich gehöre hier nicht her. Ihr Blick sagt, dass sie das ganz genau wissen. Es stinkt in der ganzen Halle nach ihrem Zigarettenqualm. Aber das ist egal, denn abgesehen von ihnen und mir ist niemand da. Rechts ist ein alter, gelbgerahmter Zeitungskiosk, wie es ihn in der DDR einst gab. Er hat zu. Vermutlich seit Jahrzehnten. Alles hat zu in diesem Bahnhof, und ich kann nicht erkennen, ob das am Montag, Dienstag, Mittwoch (…) auch so ist.

Ich laufe raus auf den Bahnsteig. Tatsächlich stehen auf der anderen Seite der Schienen ein paar Leute. Wieder werde ich angegafft. Scheinbar schwebt über mir ein für für Gubener sichtbarer Pfeil: “NICHT AUS GUBEN!”
Zwei Bahnlinien halten in Guben, der Regionalexpress von und nach Berlin und eine Regionalbahn nach Cottbus. Gerade kommt die RB11, und der Bahnsteig leert sich. Alle wollten sie weg aus Guben. Für den Taxifahrer, der vor dem Bahnhof wartet, kommt wieder kein Fahrgast vorbei.

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RTZapper

Team Wallraff – Reporter undercover: Burger King

Montag, den 5. Mai 2014
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MI 30.04.2014 | 0.30 Uhr (Do.) | RTL

Frischer Salat? Denkste. Seit Tagen liegt der im Kühlschrank, und wenn er doch mal verarbeitet ist, wird ständig das Haltbarkeitsetikett ausgetauscht. Keime? Ach, egal. Hauptsache, es wird nichts weggeschmissen, denn das wäre zu teuer. Frisch gebratenes Fleisch? Denkste. Wird ewig in Warmhaltekästen gelagert und wird trocken. Eklig, sagt die Bräterin beim Anblick und legt das Zeug in die Lagerung zurück. Saubere Küche? Denkste. Darmbakterien hat man gefunden. Unter anderem. Aber wenigstens das Personal wird gut bezahlt? Denkste. Ausgebeutet wird es. An der kurzen Leine gehalten. Beim Lohn beschissen. Und entlassen, wenn es aufmuckt.
Es geht um um eine ranzige Imbissklitsche am Rande eines abgelegenen Dorfes, wo es kaum Gäste gibt? Wieder denkste. Es geht um Burger King.

Wo sich im Privatfernsehen Menschen nur noch in dümmlichen Dokusoaps anblöken, kommt RTL pltzlich mit investigativem Journalismus daher. Das Team um Enthüllungsjournalist Günter Wallraff hat sich beim Burgerbrater umgesehen und Schockierendes gefunden. Die Missstände – siehe oben – waren katastrophal. Dass so was in Deutschland drin ist, dass die Gesundheit von Kunden und Personal derart aufs Spiel gesetzt wird, das hat man in diesem Umfang nicht für möglich gehalten.

Sicherlich, es ging in der Doku in der Reihe “Wallraff undercover” nur um einen bestimmten Franchise-Unternehmer von Burger King. Aber offenbar lässt Burger King solche Zustände ohne Weiteres zu. Und offenbar lassen sich die Aufsichtsbehörden in Deutschland auch gern an der Nase rumführen.
Das Echo auf den Film war in den sozialen Netzwerken riesig. Völlig zurecht sieht sich Burger King einem Shitstorm ausgesetzt. Völlig zurecht wird man nun auf die Burger schauen, die, obwohl sie angeblich frisch gemacht sind, wie eingeschlafene füße schmecken. Die Kunden werden hoffentlich nun genauer hinsehen, was sie denn in den Schnellrestaurants bekommen – und nicht nur bei Burger King.

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