Tagesarchiv für 15. April 2014

RTZapper

Günther Jauch: Wie geht es Michael Schumacher? Prominente und die Grenzen der Berichterstattung

Dienstag, den 15. April 2014
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SO 13.04.2014 | 21.45 Uhr | Das Erste

Hörst du das auch?
“Halleluja!”
Ein riesiger Chor singt es lauthals: “Halleluja!” Und das schon seit Sonntagabend. Seit die “Bild”-Zeitung heilig gesprochen worden ist.

In der Runde bei Günther Jauch ging es am Sonntagabend im Ersten um die Medienberichterstattung rund um Michael Schumacher, seinen Unfall, sein Koma. Und dabei stellte sich heraus: Die von der “Bild” sind die allerseriösesten.
Alfred Draxler hat es immer wieder betont: Bei Springer würde man nie, nie, niemals etwas veröffentlichen, was Schumi schädigen würde. Man würde nie, nie, nie ein Foto abdrucken, das ihm im Krankenbett zeigt. Man würde angewidert ablehnen. Und überhaupt würde man immer total fair mit Promis umgehen. Im Dreck wühlen? Nein, das ist nicht “Bild”-Art. Das mache nur die Schweinepresse.
Man möchte meinen, die “Bild” sei das seriöseste Medium Deutschlands. Schließlich habe man Geschichten in der Schublade, die man nicht veröffentlichen könne, wolle. Weil: zu intim. Man wisse zum Beispiel von einer Fußballgröße, die ein Alzheimerproblem habe. Würde man nicht veröffentlichen. Vermutlich werden aber, wo herr Draxler das nun doch ausgelaudert hat, andere recherchieren.
Die bei der “Bild” sind die Guten, so Draxler. Vielleicht befand er sich aber auch nur im Fieberwahn.

Oder der Promifotograf Hans Paul. Klar, er klettert auch mal in Mülltonnen, um Promis abzulichten, ohne dass sie das wissen. Aber sich vor die Klinik stellen, in der Schumi liegt, aber die Familie ablichten, die zu Schumi will – nein, nein, das ist nicht seine Art. Das lehnt er ab.

Fassen wir zusammen: Bei Günther Jauch saß mit dem Vertreter der “Bild” ein Medium, das immer korrekt arbeitet. Und ein Paparazzo, der sich Sorgen um seine “Abgeschossenen” macht.
Ja, nee, is’ klar.

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RTelenovela

Polen (3): Berlin, Ortsteil Osinów Dolny

Dienstag, den 15. April 2014
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Wenn die Deutschen im östlichen Grenzgebiet billig einkaufen wollen, dann fahren sie einmal über die Oder nach Polen. Nur wenige hundert Meter hinter der Landesgrenze befindet sich der Polenmarkt. Und damit sich die Deutschen dort zu Hause fühlen, geben die Polen den Gästen das Gefühl, immer noch im eigenen Land zu sein.
Und nicht nur das: Ein großer Schriftzug hat mich sehr überrascht – und auch ein bisschen bestürzt. Denn der “Polenmarkt Hohenwutzen” ist “Berlins größter Polenmarkt”.

Fassen wir zusammen: Ich bin zwar in Polen, aber irgendwie auch in Berlin. Ich bin zwar in Osinów Dolny (Niederwutzen), aber irgendwie auch im deutschen Hohenwutzen. Man möchte es den Deutschen so heimisch wie möglich machen, deshalb bezahlt man hier natürlich in Euro. Zloty-Preise sind auf dem polenmarkt nicht mal angegeben. Vermutlich kommen polnische Leute auch gar nicht dorthin, weil es zwar für die Deutschen recht billig ist, für die Polen aber sicherlich ein teures Pflaster.

Es ist mein erstes Mal auf dem Polenmarkt, ich wollte mir das Treiben dort einfach mal ansehen. Und interessant ist es dort allemal.
Klamotten sind dort definitiv billiger. Allerdings ist es mir nicht gelungen, einzuschätzen, ob es sich um gefälschte Ware handelt. Experten können das aber ganz sicher auf einen Blick sehen. Interessanterweise verkaufen die Polen Klamotten wie die von “Thor Steinar” und anderen berüchtigten Kram massenweise.

Billig sind auch CDs und und DVDs. Die jedoch sind ganz sicher nur Kopien. Da kostet eine Doppel-CD mit einem Hitsampler schlappe 8 Euro. Ein Album gibt#s in der Regel für 5 Euro. Das Cover ist eine ausgedruckte Bilddatei, leicht unscharf. Die CD entpuppt sich sofort als selbstgepresst. Aber wenn der verkäufer sie anpreist und darauf hinweist, dass die Scheibe in Deutschland 18 Euro koste, dann werden die Käufer schon mal schwach. Kopie? Ach, wurscht. Die CDs kosten an allen Ständen gleich. Mir kann keiner erzählen, dass das verschiedene Händler sind. Handeln ist mit ihnen jedenfalls nciht wirklich möglich.
Duftwässerchen sind ebenfalls billig – und falsch. Die Produkte sehen aus wie Markenware, sie riechen wohl auch so ähnlich. Aber da wird aus “Joop” schon mal “Jurp”. Lustig. Und irre.
Lebensmittel sind, wenn überhaupt, nur geringfügig billiger. Benzin ist nur noch gut 20 Cent preiswerter als in Deutschland. Asperin und ähnliche Produkte gibt’s auch außerhalb der Apotheken und kosten nur gut die Hälfte von dem, was man hierzulande auf den Tisch legt. In den Lokalen spart man aber schon noch den einen oder anderen Euro.

Ein Besuch des Polenmarktes lohnt sich trotzdem – oder gerade deshalb. Das alles mal zu sehen – das Grundstück sieht aus wie eine Industrieruine – ist durchaus eine Erfahrung. Und wenn man sich vorher eine Liste macht, was man denn eventuell brauchen könnte – dann lohnt sich’s auch finanziell. Für Raucher sowieso.

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