Tagesarchiv für 8. April 2014

aRTikel

70 Jahre und kein bisschen leise

Dienstag, den 8. April 2014
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Christoph Brunner streitet sich gern – aber immer zum Wohle der Stadt Kremmen, sagt er

MAZ Oranienburg, 8.4.2014

KREMMEN
Er streitet sich gern. Er provoziert. Er liefert sich in der Kremmener Stadtverordnetenversammlung schon mal heftige Wortgefechte, und manchmal schießt er dabei auch ein wenig übers Ziel hinaus. Dabei hat er aus seiner Sicht eigentlich immer nur eines im Blick: das Beste für die Stadt. „Ich provoziere, aber du kannst anders nichts erreichen“, sagt Christoph Brunner über seine manchmal sehr aufbrausende Art und lächelt ein wenig.

Gestern feierte er seinen 70. Geburtstag. Er lebt zwar „erst“ seit 1971 in Kremmen, dennoch ist er so etwas wie ein Urgestein. Im Scheunenviertel lud er am Vormittag zum Empfang.
Auf die Frage, was er denn als Rentner noch alles vorhabe, gibt es von ihm keine klare Antwort. Rente? Aufhören? Der Geschäftsführer der Orion Agrar GmbH denkt noch nicht daran, sich zurückzuziehen, und überhaupt stünden ja auch noch Bauprojekte in der Stadt an. Der Bahnhof zum Beispiel, der muss noch vollendet werden.

Geboren worden ist Christoph Brunner am 7. April 1944 südlich von Rostock, der norddeutsche Dialekt ist heute noch zu hören. Er hatte sechs Geschwister. Brunner verließ nach acht Jahren die Schule. „Ich bin in der Landwirtschaft gelandet, obwohl ich das nie wollte“, erzählt er. Schon als Sechsjähriger war er bei den Kühen. Sein eigentlicher Berufswunsch: Flugzeugbauer. Stattdessen unterschrieb er mit 13 bei seinem Vater den Lehrvertrag. Die Familie zog nach Sassnitz auf Rügen. Keine leichte Zeit. „Die Tiere waren zusammengefercht, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.“ Er machte seinen Facharbeiter und begann in Bergen auf Rügen ein Agraringenieursstudium. In seiner Armeezeit von 1965 bis 1967 ist er an der deutsch-deutschen Grenze als Zugabfertiger eingesetzt worden. Brunner bezeichnet sie als eine verlorene Zeit. Dass er damals eine Verpflichtungserklärung an die Stasi abgab, nimmt man ihm in Kremmen teilweise heute noch übel. „Was hätte ich als 20-Jähriger sagen sollen“, so Brunner heute. Zu den Treffen mit den Offizieren sei er bald nicht mehr hingegangen, es gab dann keine weitere Zusammenarbeit. So steht es, laut Brunner, auch in den Unterlagen. In der SED war er übrigens nie.
1971 war er schon mit seiner Ellen verheiratet, sie stammte aus Kremmen. Sie beschlossen herzuziehen. Christoph Brunner ging in die Tierproduktion, baute Anlagen für die LPG. 1989 schloss er sich dem Neuen Forum an. Brunner wollte, dass was Neues passiert, allerdings war er gegen den schnellen Anschluss der DDR an die Bundesrepublik.
1991 startete die Orion Agrar GmbH – mit nichts als Schulden. „Wir hatten Verbindlichkeiten in Höhe von 1,9 Millionen D-Mark.“ Irgendwie hat das alles trotzdem funktioniert, er hat noch alle Unterlagen. Von 1993 bis 2008 war er Bürgermeister und später Ortsvorsteher von Kremmen. Stadtverordneter ist er noch immer und will es auch bleiben.

Bleibt noch Zeit für Hobbys? „Nicht direkt“, sagt er. Aber Kurztrips mit dem Rad sind noch drin – von Ahlbeck nach Danzig zum Beispiel, und viel gesehen von der Welt habe er ja schon. 1987 reiste er mit dem Auto in den Kaukasus. „Das war sehr beeindruckend“, so Brunner. Ansonsten ist ja auch der Kremmener Bahnhof eines seiner Hobbys. Bald ist die Fassade dran.

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RTelenovela

Sein größter Auftritt

Dienstag, den 8. April 2014
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Jannik tigert durch das kleine Bistro. Es ist der Abend, an dem dort mal wieder die “Open Stage” stattfindet. An diesem Abend steht die Bühne frei für alle, die dort auftreten möchten.
Jannik hat schon mal teilgenommen. Damals noch mit seinem Musikerpartner. Jannik an der Gitarre, der andere hat gesungen. Nun aber ist er alleine.

Seine Gitarre hatte er dabei. Aber auftreten? Eher nicht.
Der Abend ging weiter, wieder einmal gab es großartige Momente mit tollen Musikern. Und Jannik? Na ja, vielleicht eine kleine Impronummer mit der Gitarre, zwei Minuten vielleicht. Mehr ist nicht drin.

Der Abend ging immer noch weiter, und der junge Mann überlegte immer noch. Der aktuelle Stand inzwischen: Mit dem Sänger einer anderen Band, die schon auf der Bühne war, würde er auftreten.

Inzwischen rückte die Entscheidung näher. Auftreten oder nicht? Jannik war plötzlich spurlos verschwunden, und er eigentlich letzte Act stand auf der Bühne.
Dann tauchte er aber doch auf, und die “Open Stage”-Sause konnte weitergehen. Und: Jannik ging allein auf die Bühne. Ohne Gastsänger.
Ein Lied. Nur ein Lied. Er fing an zu spielen, griff in die Saiten und begann, zu singen. Und es klang toll. Spontaner Applaus der Publikum. Es war einer dieser magischen Momente, wie man ihn bei solchen Veranstaltungen selten erlebt.

Der erste Song war durch, der Applaus groß. Er machte nicht den Eindruck, dass er sofort wieder die Bühne verlassen wollte.
Am Ende hat er vier Lieder gespielt. Die an dem Abend üblichen drei und eine Zugabe. Es war sein Abend, sein großer Auftritt. Er hat sich überwunden und bekam dafür ein riesiges Echo.
Das war der Zauber der Open Stage.
Am 7. Juli wieder, im Kremmener “Ackerburger”.

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