Tagesarchiv für 2. April 2014

RTelenovela

Zwei bei Kalwass ohne Kalwass

Mittwoch, den 2. April 2014
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In der Oranienburger Schulstraße spielte sich ein Drama ab. Ein Drama unter Freunden, die vielleicht keine Freunde mehr sind.
Sie saßen sich auf zwei Bänken gegenüber, dazwischen liegt der Gehweg. Sie müssen um die 14 oder 15 Jahre gewesen sein. Beide waren sie irgendwie maulig drauf. Der eine war vom anderen schwer genervt. “Du übernachtest jedes Wochenende bei mir, das geht einfach nicht”, sagte der eine. Der andere schaute ihn kurz über den Gehweg hinweg an, dann sagte er: “Gar nicht wahr, höchstens einmal im Monat!” Der andere widersprach ihm, das sei definitiv öfter. Sie konnten sich nicht einigen.

Gern hätte ich mich zu ihnen gesetzt. Aus purer Neugier, und weil ich mal sehen wollte, ob das bei “Zwei bei Kalwass” damals wirklich alles so leicht war, zu klären. Ich heiße zwar nicht Kalwass, aber vielleicht wäre ja eine Einigung drin gewesen.
Was nervt dich an X?
Warum will du immer wieder bei Y übernachten?
Warum will du nicht, dass X immer wieder bei dir übernachtet?
Magst du es, bei Y zu schlafen?
Riecht X?
Liebst du Y?
Stehst du nicht auf X?
Leider werden wir nie rausfinden, was sich hinter diesem packenden Freundschaftsdrama verbarg. Ich war einfach zu unneugierig.

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RT liest

Philipp Reinartz: Katerstimmung

Mittwoch, den 2. April 2014

Ana. Ana ist schuld.
Eigentlich arbeitet Max bei RTL II, er bringt die tollen Boulevardnachrichten in die “News”-Sendung. Aber zufrieden ist er damit nicht. Als sein Chef ihm auch noch den Urlaub streicht, flüchtet er in den Alkohol. Nach einer Party wacht er auf – und Ana ist weg. Ana war offenbar sein One-Night-Stand – obwohl er sich daran nicht mehr so richtig erinnern kann. Und nun soll sie in Spanien sein.
Max beschließt, ihr nachzufliegen, und seine Freunde kommen mit. Was aber sagt er seinem Chef? Ganz klar: heiße Storys gibt’s auch in Spanien. Auch wenn Max sie sich ausdenken muss…

Eines muss man Philipp Reinartz lassen: Er macht auch dem lauen Hauch einer Story ein mehr als 250 Seiten dickes Buch. Kleinste Begebenheiten walzt er auf zig Seiten aus. Immer wieder werden Randgeschichten eingestreut, die einzig und allein der angeblichen Witzigkeit dienen sollen, aber die Geschichte selbst nicht voran treiben. Pure Comedyeinlagen. Oft liest sich der Roman wie ein Drehbuch für ein C-Movie, das im Kino ein paar Tausend Zuschauer findet oder für eine einzelne Folge einer Teenieserie. Auf 100 Seiten wäre das vielleicht noch erträglich gewesen. So aber trifft der Titel ganz am Ende voll und ganz zu: “Katerstimmung”. Beim Leser.

Philipp Reinartz: Katerstimmung
Rowohlt Rolaris, 254 Seiten
3/10

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