Tagesarchiv für 27. März 2014

RT im Kino

Deutschboden

Donnerstag, den 27. März 2014
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Zehdenick liegt etwa eine Autostunde von Berlin entfernt, und doch ist die kleine Stadt schon tiefste Provinz. Vor einigen Jahren reiste der Journalist und Autor Moritz von Uslar dorthin, um sich einige Wochen lang dort umzusehen. Er traf die Jungs von der Band “5-Teeth-less”. Es waren mal schwere Jungs mit noch schwierigerer Vergangenheit, jetzt treffen sie sich einfach nur zum Mitmachen und Spaßhaben. Und sie erklären ihm, dass sie immer im Auto hupen und “Deutschboden” rufen, wenn sie am entspechenden Hinweisschild vorbeikommen.
Uslar reist durch die Stadt, trifft an der Tanke die Jugend, unterhält sich in der Knipe mit den anderen Besuchern und mit dem Kneiper. Er sieht die Tristess, aber auch die schönen Seiten der Kleinstadt.

Das Buch “Deutschboden” handelt von der Stadt Oberhavel. Niemand hat verstanden, warum Moritz von Uslar der Stadt Zehdenick ausgerechnet den Namen des Landkreises gab. Auch sonst hat er einige Namen geändert, andere nicht.
Und das ist nur eines der Probleme der gleichnamigen Doku von André Schäfer. Er lässt Moritz von Uslar seine Buchtexte im Off vorlesen, da ist die Rede von Oberhavel, und man sieht auf Schildern Zehdenick. Man sieht die Diskcothek “Maxx”, und Uslar liest “Traxx”. Er liest “Haus Vaterland”, man sieht das “Haus Heimat”. Das macht irgendwie keinen Sinn. Vor allem dann nicht, wenn der Zuschauer weder das Buch noch Zehdenick kennen.
Überhaupt: Wenn Schäfer versucht, von Uslars Worte einfach nur zu bebildern, dann sind das die schwächsten Momente der Doku. Man sieht etwas und der Autor liest, was man da sieht. Das ist überflüssig.
Stark ist der Film, wenn sich André Schäfer vom Uslar-Text löst und selbst an die Leute rangeht. Wenn ihm die Bandleute erzählen, wie sie früher für Ärger sorgten. Wenn ihm der dunkelhäutige Jugendliche berichtet, wie er einst in eine Prügelei verwickelt war. Wenn ihm zwei Gastwirte von den Anfeindungen ihnen gegenüber berichten. Das sind starke Momente. Wenn aber Moritz von Uslar den Schauspieler gibt und gestellte Gespräche spielt, dann wirkt das seltsam.
Schade, hätte sich der Film viel mehr von der Buchvorlage (interessanterweise entstand die Doku laut Einblendung nach dem “Roman” – von Roman war bislang nie die Rede) gelöst, wäre das alles sehr viel spannender gewesen. So wirkt er an zu vielen Stellen wie ein bebildertes Hörspiel.

Deutschboden
D 2013, Regie: André Schäfer
W-Film, 92 Minuten, ab 0
5/10

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RTelenovela

Todesmutig hoch über Sommerswalde

Donnerstag, den 27. März 2014
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Die Stufen der Blechleiter sind dünn. Alles wackelt. Und ich kann mich nicht richtig festhalten, weil ich mein Notizbuch unter den Arm geklemmt habe. Warum bloß habe ich mich entschieden, auf das Dach kraxeln zu wollen?

Im Sommerswalder Dreieck an der B273 tut sich momentan einiges. Das alte Forsthaus, das seit 1987 leergestanden hat, wird restauriert. Im Frühjahr 2015 soll dort eine Ausflugsgaststätte eröffnen. Am Mittwoch war Richtfest, und die Richtkrone hing hoch über dem Dach. Der Richtspruch ist hoch oben auf dem Gerüst aufgesagt worden. Mein Kollege und ich entschieden uns: Wir gehen mit hoch.

Zunächst ging es die besagte Leiter hoch. Kurz vor dem Ziel legte ich oben mein Büchlein ab. Oben ging es weiter über Bretterbohlen zu einem Fenster. “Da müssen Sie durch”, rief der Bauherr. Also wieder: klettern! Mein Kollege ist ganz souverän rüber- und durchgeklettert. Mir war das zu hoch, ich musste mich aufs das nicht vorhandene Fensterbrett setzen und mich da irgendwie drübermanövieren.
Das war der Moment, wo sich mein Notizbuch von mir verabschiedete. Es landete ganz unten im Sommerswalder Sand. Mein Stift stoppte im ersten Gerüststockwerk.
Mit leicht zittrigen Beinen stand ich nun also hoch oben im Gerüst und beobachtete den Festakt.

Todesmutig haben wir uns da hoch gewagt, und recht schnell stellen wir fest: völlig unnötig. Denn natürlich machten wir dann dort oben auch Fotos. Aber dort bekamen wir weder das Haus, um das es ging, noch den Richtkranz aufs Bild.
Wären wir doch lieber unten geblieben.
Ich kraxelte wieder runter und holte mir mein im Sand liegendes Notizbuch zurück. Nur an den Stift, an den kam ich nicht mehr ran. Wer von den Bauarbeitern in Sommerswalde also einen Kugelschreiber findet, darf ihn behalten. Mit freundlichen Grüßen.

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