Tagesarchiv für 24. März 2014

RTZapper

Rockpalast from the Archives: Mixed Media aus Soest

Montag, den 24. März 2014
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SO 23.03.2014 | 1.15 Uhr (Mo.) | WDR

Verzerrte Gitarren, schräge Flötentöne und auch sonst ziemlich merkwürdige Geräusche.
Wir schreiben das Jahr 1970. Der WDR überträgt aus einem Club in Soest das Konzert einer Band, die noch ganz neu ist. Die Musik ist anstrengend, geht oft meilenweit am Ohr vorbei. Das Publikum starrt nach vorn, einige Frauen halten sich die Ohren zu und rollen mit den Augen. Trillerpfeifen stören minutenlang den Ton, irgendwelche Gäste machen Kotzgeräusche in die WDR-Mikros.
Man könnte sagen: Die Band kommt eher so lala bei den Leuten an. Hat wohl keine große Zukunft.

Tja. Dass der WDR dieses Konzert im Jahr 2014 noch mal zeigt, hat damit zu tun, dass die Schrammelband von 1970 auch heute noch bekannt ist: Sie heißt Kraftwerk.
Hätte ich 1970 schon gelebt und hätte mich da jemand gefragt: Glaubst du, dass Kraftwerk mal eine erfolgreiche Band wird?, hätte ich sehr gelacht, und es ist durchaus sinnvoll, diese Sendung im Nachtprogramm zu verstecken.

Ber der Sendung “Mixed Media aus Soest”, die am späten Sonntagabend innerhalb des WDR-Rockpalastes lief, handelt es sich um den allerersten Live-Mitschnitt, der von Kraftwerk überhaupt existiert.
Trotz oder wegen der Wunderlichkeit ein interessantes Zeitdokument. Die Kameraleute wussten scheinbar oft gar nicht, was sie zeigen sollten. Also war minutenlang Publikum zu sehen. Wahllose Schwenks und Schnitte. Frauen, die sich schnäuzen, Männer, die sich unterhielten, ganze Gruppe, die entsetzt dreinschauten. Und dazu diese laute Band, die da was fabrizierte, was bis dahin wohl noch nicht gehört worden war.

Heute ist Kraftwerk weltbekannt und erfolgreich und haben Songs für die Ewigkeit geschaffen. 1970 hätte sich das sicherlich kaum jemand erträumt. Und das kann man keinem verdenken.

Hits: 32

RT liest

Joachim Bessing: Untitled

Montag, den 24. März 2014

Meine letzten Worte, als ich den letzten Satz dieses Buches gelesen habe: “Ooooh Gott!” Und dabei war es schon eine Leistung, dass ich diesen letzten Satz überhaupt noch gelesen habe.

Ein Mann ist verliebt. Und Julia liebt ihn auch. Sie haben eine schöne Zeit. Aber Julia hat noch einen anderen. Und der weiß nichts von Julias Affäre. Blöd nur: Julia will sich von ihrem bisherigen Partner nicht trennen.
Und das große Leiden beginnt.

Und vor allem: das große Geseier. Fängt “Untitled” noch recht vielversprechend an, ist die Erzählweise noch recht packend, wird jedoch bald klar: Die Geschichte tritt auf der Stelle. Im Grunde ist es keine. Es geht um einen verliebten Mann, und das ist einfach nur anstrengend. Lange Abhandlungen über irgendwas, irgendwen, über die Liebe, über Julia, Julia und Julia. Und warum, warum nicht, warum doch und so weiter. Es ist irgendwann einfach nur noch langweilig und unerträglich.
Verliebte Männer, dir irgendwann einfach nur im eigenen Saft schwimmen und sich bedauern, das hält niemand aus.
So ist der Ruf “Oooooh Gott!” nach dem letzten Satz des Buches irgendwie eine Befreiung, aber auch, ja, ein Stück schlechter Grusel.

Joachim Bessing: Untitled
Kiepenheuer & Witsch, 304 Seiten
1/10

Hits: 21

RTZapper

Das perfekte Promidinner – Dschungel-Spezial

Montag, den 24. März 2014
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SO 23.03.2014 | 20.15 Uhr | VOX

Dass Michael der Wendler etwas, ähm, seltsam ist, wissen wir ja nicht erst seit dem Dschungelcamp. Aber vielleicht ist es ja sein großes Ziel, sich im allerschlechtesten Licht darzustellen, um… ähm…
Ich habe keine Ahnung, was in diesem Mann vorgeht. Vielleicht ja: nichts.
Taktgefühl? Nicht vorhanden. Aufrichtigkeit? Null.

Beim “perfekten Promidinner” trafen sich am Sonntagabend bei VOX nochmal Jochen Bendel, Marco Angelini, Larissa Marolt und der Wendler, um sich gegenseitig zu bekochen.
Auch der Wendler kochte. Ein bisschen. Dass er sich dabei doch recht umfangreich helfen ließ, konnten die VOX-Kameras ganz gut beobachten, und der Wendler weiß ja, dass er fürs Fernsehen agierte. Warum aber setzt er sich dann an den Tisch zu den anderen Ex-Campern und behauptet steif und fest, er habe einzig und allein gekocht, ganz ohne Hilfe? Für wie blöd hält er die Menschen eigentlich?
Dass er ausgerechnet einen Themenabend Australien veranstalten musste, obwohl – wie Larissa vermutlich zurecht anmerkte – alle froh waren, Australien verlassen zu haben, wirkt auch etwas daneben. Jochen Bendel war nicht gerade erfreut, dass er Emufleisch vorgesetzt bekam, obwohl er im Dschungel ein Emuarschloch essen musste. Ein Affront sei das gewesen, sagte Bendel.

Dass der Wendler am Ende letzter wurde, hat den Wendler mächtig gewundert und ein ganz schön gewurmt.
Komischer Typ. Nicht gerade sympathisch. Irgendwie nicht von dieser Welt.

Hits: 24

RT im Kino

Alles inklusive

Montag, den 24. März 2014

Ach, die Hippies. Das war schon eine merkwürdige Zeit. Freie Liebe und so. FKK am Strand von Spanien. Sex irgendwo zwischen den Klippen.
Vorbei? Ja, schon. Aber die Zeit wirkt nach.
30 Jahre später hat Apple (Nadja Uhl) alles andere als Glück mit den Männern. Obwohl sie eventuell, nun ja, vielleicht nicht ganz unschuldig daran ist. Sie ergibt sich den Männern mit Haut und Haar, und das nutzen die schamlos aus. Ihr bleibt nur noch Dr. Freud – ihr Hund. Aber auch der wirkt eher lustlos.
Ihre Mutter Ingrid (Hannelore Elsner) kann ihr grad nicht helfen, denn die hat Apple gerade nach Spanien abgeschoben, damit sie sich dort von einer OP erholen kann – alles inklusive. Sie ist in genau dem Ort, wo sie vor 30 Jahren schon waren. Sie erlebt hautnah, dass die Vergangenheit nie wirklich ruht. Da ist zum Beispiel Tina, die eigentlich Tim (Hinnerk Schönemann) heißt. Tina weiß beim Anblick von Ingrid sofort, dass gerade Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen.

Doris Dörrie erzählt eine sehr spezielle Familiengeschichte. Eine, die recht verkorkst zu sein scheint. Apple fühlt sich von der Mutter nie geliebt, und Ingrid scheint das alles nicht zu stören. Sie nimmt die Vergangenheit locker. Als sie aber in Spanien auf altze Bekannte trifft, will sie mehr wissen.
Zwar nervt die Homevideo-Optik bei den anfänglichen Spanienszenen ziemlich, der Film wirkt dadurch unnötig billig, die Geschichte ist auch ein wenig zu ausgewalzt, aber dennoch ist “Alles inklusive” sehr sehenswert.
Die Schauspieler sind fantastisch. Nadja Uhl gibt die unsichere, verstörte, junge Frau. Hannelore Elsner die scheinbar erhabene Alte. Axel Prahl ist der lustig-einsame Krankenpfleger im Urlaub, der Ingrid Avancen macht. Großes Kino liefert aber vor allem Hinnerk Schönemann ab, der die zerbrechliche Tina spielt, der eigentlich Tim heißt und vom Leben psychisch gezeichnet zu sein scheint.

Alles inklusive
D 2013, Regie: Doris Dörrie
Constantin, 123 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 45

RTelenovela

Traumtagebuch (115): Die Nacht der drei bis vier Monde

Montag, den 24. März 2014
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(114) -> 12.3.2014

Irgendwas ist anders in dieser Nacht. Wenn ich in den nächtlichen Himmel blicke, sehe ich einen sehr hellen Schein. Der Mond ist heute sehr viel heller als sonst. man sieht den Mond selbst nicht, das Helle liegt irgendwo hinter Schleierwolken.
Plötzlich meint jemand zu mir: “Guck mal, da!” Und tatsächlich. Drehe ich mich um, sehe ich den Mond. Auf dieser Seite aber in seiner vollen Pracht, ein Vollmond, ganz ohne Wolken drumherum.
Aber damit nicht genug. Da hinten, in der Ferne, schon ein bisschen blass, da ist ein dritter Mond!
Drei Monde am Himmel? Was ist da los?

Ich spreche einen der Männer an, die das ganze ebenfalls interessiert beobachten. Scheinen Forscher zu sein. Aber er will meine Frage, was denn hier los sei, nicht beantworten. Ich beschließe, weiter nachzuhaken.

Dann aber geht der Wahnsinn weiter. Ein vierter Mond? Da kommt etwas angeflogen. Ein großes, helles Etwas. Beim näheren Betrachten ist es jedoch kein Mond, sondern eine von innen beleuchtete, riesige, fliegende Plastiktüte. Sie fliegt über uns hinweg und landet schließlich auf einer Laterne. Die Tüte stülpt sich selbst über das Licht.

Irgendwo da endet der Traum.

Hits: 21