Tagesarchiv für 2. März 2014

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Einer wird gewinnen

Sonntag, den 2. März 2014
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SA 01.03.2014 | Berlin, Studio Berlin

Als die Abspannmusik der ARD-Show “Einer wird gewinnen” begann, setzte die große Flucht ein. Ein Großteil des Berliner Studiopublikums sprang rechtrecht auf und stürmte aus dem Studio. Kein Wunder – 200 Minuten dauerte die Sendung, und es waren leider recht langweilige 200 Minuten.

1964, vor 50 Jahren, lief die erste Ausgabe von “Einer wird gewinnen” mit Hans-Joachim Kulenkampff, einem der größten Entertainer, die die Bundesrepublik hatte. Zum Jubiläum veranstaltete Das Erste eine (wohl) einmalige Neuauflage mit Jörg Pilawa.
Erst nachdem ich die Tickets gekauft hatte, sah ich in der Fernsehzeitung, dass die Show drei Stunden dauern sollte. Drei Stunden – keine Werbung. Das versprach, anstrengend zu werden. Drei Stunden hatte Kulenkampff mit seiner Show nie gebraucht, aber die ARD wird sich schon was dabei gedacht haben – dachte ich.

Zwei Stunden vor Showbeginn bildete sich in der Straße Am Studio in Adlershof eine lange Schlange. Während wir auf den Einlass warteten, konnten wir Rolando Villazón dabei zusehen, wie er sich sein Outfit für die Show aussuchte. Dass er sich vor einem großen Fenster zur Straße hin frei machte, schien ihm nicht bewusst gewesen sein.
Nach nur einer Stunde haben wir es ins Foyer geschafft, aber wir hatten noch genügend Zeit. Die ARD hatte noch einen “Brennpunkt” wegen der Lage in der Ukraine eingeschoben, also waren wir erst 20.30 Uhr dran.

Im Warm Up philosophierte Jörg Pilawa darüber, dass Hans-Joachim Kulenkampff einst seine Show immer überzog, er es aber nie geschafft habe, bis in den Sonntagmorgen zu senden. Das werde heute anders. Vermutlich war das als Witz gemeint, ich aber bekam ein wenig Angst. Durch den späteren Beginn sollte die Show nun bis 23.30 Uhr dauern, und eine halbe Stunde ist schnell überzogen.

Bevor es los ging, btrat ein älterer Herr mit Krücken das Studio in Berlin-Adlershof. Einige Leute applaudierten. Das Paar neben mir klatschte auch, der Mann fragte währenddessen seine Frau jedoch, wem sie denn da eigentlich applaudierten. Die Frau zuckte mit den Schultern. Später kam raus, dass es Bill Ramsey ist, ein bekannter Sänger aus den … also, schon lange her. “Ich dachte, der ist schon tot”, meinte jemand.

20.30 Uhr, die Show begann. Uuuuh, “Einer wird gewinnen”, die groß Showlegende. Jörg Pilawa wurde nicht müde, zu betonen, welcher besonderen Sendung wir denn da beiwohnen. Und, ach ja, falls sich die Lage auf der Krim weiter verschlimmere, stünden die Kollegen der “Tagesschau” natürlich Gewehr bei Fuß. Aha.

In der Show sind acht Kandidaten aus acht europäischen Ländern zu Gast, ganz wie früher. Außer, dass man heute solche Show nur noch mit Promis bestreitet. Normalos halten die Fernsehmacher für zu langweilig. Allerdings hatten die großen Promis wohl auch keine Zeit zu dieser Show zu kommen.
Rolando Villazón war noch der bekannteste, der zu Gast war. Für Deutschland sollte Nora Tschirner dabei sein, war sie dann aber doch nicht. Stattdessen trat Rodlerin Natalie Geisenberger an. Vrmutlich war sie sie 15. Wahl. Francis Fulton-Smith (“Dr. Kleist”) war auch dabei, Bergdoktor Hans Sigl, irgendeine Telenovela-Tante, die Frau von Boris Becker, Ornella Muti und der luxemburgische Außenminister, der an einem Krisentag seltamerwise nichts Besseres zu tun hatte.

Schnell war klar: Die Show zog sich hin. Drei Stunden müssen irgendwie gefüllt werden, und gefüllt wurde sie mit schrecklich viel Laberei. Vier quälend lange Vorrunden mussten wir über uns ergehen lassen. Die Promis mussten sich gegenseitig Fragen vorlesen, was schwierig war, weil die meisten von ihnen recht schlecht Deutsch konnten. “Einer wird gewinnen” war eine öde Ansammlung von überflüssigem Firlefanz.
Kuli und seine Show mögen aus heutiger Sicht verstaubt sein, aber sie hatte an vielen Stellen mehr Tempo und waren viel mehr auf den Punkt als die ausgeuferte 2014er-Version. Da sind Quizrunden ewig in die Länge gezogen worden, wil die Promis unbedingt zeigen wollten, wie witzig sie sind und weil Pilawa nicht in der Lage ist, stringent die Show durchzuziehen.

Für eine Sonnabendabendshow ist erschütternd wenig passiert. Sie muss der ARD nicht viel Geld gekostet haben. Es gab keinen Musikact und keine besondes aufwändigen Kulissen.
Wo Kuli für die komplette Show um die 120 Minuten brauchte, waren es bei Pilawa unglaubliche 200. Das Interessanteste an der ganzen Sause waren die Rückblickfilme über die vergangenen Zeiten. Da hat man gesehen, was mal war und heute nicht mehr ist.

Die Kuli-Kinder dürfen in einem ewig langen Talk sagen, dass sie ihren Vater ja nicht oft gesehen haben, die Ex-Assistentin von Kuli durfte nochmal ein altes Kleid anziehen (das Interview ist von unglaublichen fünf (!) Kameras abgefilmt worden), und Bill Ramsey war auch da.
Der luxemburgische Außenminister schied früh aus und musste dann auch vor Showende weg, die Ukraine retten. Verabschiedet worden ist er nicht.
Hans Sigl winkte der Aufnahmeleiterin hektisch zu und gab ihr Zeichen. Wenig später sah man, dass ein Produktionshelfer mit einem Stuhöl auftauchte. In Sichtweite zu Sigl saß nun eine Frau – vermutlich Sigls Frau. Dort, wo sie vorher saß, hatte sie ständig das komplette TV-Team vor sich zu stehen. Fand Sigl doof und wies das Team an, doch der Frau einen anderen Platz in seiner Sichtweite zu geben.

Die unfassbare Langeweile setzte sich fort. Die Spiele waren immer noch öde, alles zog sich ewig dahin, es ist einfach nichts Spannendes passiert.
Um 23.50 Uhr war der Mist endlich zu Ende, und viele Leute rannten fluchtartig aus dem Saal. Dass das alles Murks war, zumindest die jungen Zuschauer waren sich am Abend darüber sehr einig.
Dann lieber mal eine alte Folge der Show ansehen – in irgendeinem Dritten wird hoffentlich bald mal wieder eine laufen…

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RTelenovela

Der ADAC will noch mehr Geld von mir

Sonntag, den 2. März 2014
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Der ADAC mit der Pannenhilfe ist ohne Frage ist eine tolle Sache. Dennoch hat es der ADAC momentan schwer. Der Skandal um den “Gelben-Engel”-Preis wird dem Verein noch lange nachhängen.

Was mich am ADAC schwer nervt, ist die Reklamepost, due man ständig bekommt. Ich war vor fünf Jahren ganz neu dabei, als ich nur wenige Wochen später Post bekam, ob ich nicht auch noch den Service XY dazubuchen will und damit noch mehr Kohle im Jahr raushauen möchte. Wollte ich nicht, und ich fand diesen Brief so kurz nach Vertragsabschluss unverschämt.

Nun hatte ich wieder einen Brief im Kasten, und eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass es sich noch mal um eine Stellungnahme zur aktuellen Krise handelt. Vielleicht auch eine Entschuldigung. Wäre ja eine nette Geste gegenüber den ADAC-Mitgliedern gewesen.
Ja, wäre.
Aber es war erneut Reklame. Sie wollen mein Geld, noch mehr Geld für den Service XY, den ich immer noch nicht dazugebucht habe.
Nö, ADAC. Und in der aktuellen Situation solche Post zu verschicken, finde ich schon ziemlich dreist.

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RT im Kino

Jack Ryan: Shadow Recruit

Sonntag, den 2. März 2014

Du hast geglaubt, der Kalte Krieg ist Vergangenheit? Nein nein! Es gibt sie immer noch, die amerikanisch-russische Feindschaft. Der gute Ami steht dem bösen Russen gegenüber. Der Ami will die Welt retten, der Russe will sie den Abhang hinunterschubsen. Im Grunde genommen ist das die grobe Handlung von “Jack Ryan: Shadow Recruit”.
Jack Ryan kennen wir übrigens schon: Schon in mehreren Filmen in den vergangenen 25 Jahren hat er die Welt gerettet, zuletzt ist er in “Der Anschlag” von Ben Affleck gespielt worden. Nun ist Chris Pine dran.

Der russische Oligarch Viktor Cherevin (Kenneth Branagh) plant einen Terroranschlag unter der New Yorker Wall Street. Die US-Wirtschaft soll der Garaus gemacht werden – und der Wirtschaft der Restwelt gleich mit. Ein Börsencrash soll sein Übriges tun.
Aber da ist ja noch Jack Ryan (Pine). Der ehemalige Soldat hat Merkwürdigkeiten im Finanzsektor ausgemacht und soll nun nach Moskau fliegen, um den Crash zu verhindern. Doch in der russischen Hauptstadt angekommen, steht gleich sein Leben auf dem Spiel.

Kenneth Branagh spielt nicht nur den bösen Russen, er führte auch Regie. Heraus kam ein überaus brutaler Film, schnell geschnitten, mit wackeliger Kamera. Die Actionsequenzen sorgen für eine seltsame Mischung aus Spannung und Langeweile. Letzteres kommt durch die allzu überzogenen Charakter, das Gut-und-Böse-Gehabe wirkt dann doch ein bisschen primitiv. Chris Pine macht als Actionheld auch nur bedingt eine gute Figur. Manchmal wirkt es, als tapert er selbst staunend und zögernd durch die Handlung.
Guckt man so weg, ist nicht schlecht, aber vergisst man bald wieder.

Jack Ryan: Shadow Recruit
USA 2013, Regie: Kenneth Branagh
Paramount, 106 Minuten, ab 12
6/10

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RT liest

Robert Skuppin/Volker Wieprecht: Das erste Mal – Küssen, Fliegen, Siegen und andere Debüts

Sonntag, den 2. März 2014

Das erste Mal. In der Regel denken da viele, ja, an das erste NMal eben und meinen Sex. Aber wir erleben ja sehr viel mehr erste Male, über die man berichten kann.
Volker Wieprecht und Robert Skuppin, beide bekannt von radioeins vom rbb, haben sich mal wieder zusammengesetzt und sich überlegt, welche Geschichten sie denn in der Hinsicht erzählen können.

Und so berichtet Wieprecht beispielsweise über seine allerste Radiosendung im Jugendfunk beim damaligen SFB2 – und Skuppin über einen Auftritt in einer Radio-Diskussionssendung, in der er nicht wirklich viel gesagt hat.
Der erste Marathon, das erste Mal Vater werden, verliebt sein, alt werden – es sind viele spannende Gesichtspunkte, unter denen die beiden Autoren das Thema betrachten. Und natürlich auch DAS erste Mal. Wenn Wieprecht davon berichtet, wie er das erste Mal als Opa tituliert worden ist, dann ist das lustig, aber andererseits kommt schnell der Gedanke: Oha, irgendwann erlebst du das auch.
Einige Geschichten erscheinen ein wenig belanglos, andere sind sehr lesenswert. An einigen Stellen könnten die Storys allerdings ein wenig schneller zum Punkt kommen, manchmal werden sie ausschweifend mit allgemeinen Gedanken eingeleitet. Das wäre meistens gar nicht nötig gewesen.

Robert Skuppin/Volker Wieprecht: Das erste Mal – Küssen, Fliegen, Siegen und andere Debüts
Rowohlt Berlin, 304 Seiten
6/10

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