Tagesarchiv für 10. Februar 2014

RTelenovela

Im Wartesaal zum kleinen Fastfood-Glück

Montag, den 10. Februar 2014
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Wissen wir ja alle: Fastfood ist nahrhaft, frisch und sehr gesund. Deshalb gehen wir da auch immer so oft hin!
Bei McDonald’s ist es aber oft so, dass die vielen vorgefertigten Burger in der Ablage rumliegen, bevor sie endlich verkauft werden können. Aber sie haben sich mal wieder was Neues ausgedacht. In der nigelnagelneuen Filiale an der Prenzlauer Promenade in Berlin-Pankow gibt es nun einen Bestellbereich und einen Abholbereich. Und: Alles wird frisch hergestellt. Man bestellt, bekommt den Kassenbon und muss dann warten.

Ein Sonntagabend in besagter Filiale. Auf dem großen Monitor stehen vier Nummern, es warten also vier Bestelleinheiten darauf, ihren Kram ihre leckeren Speisen ausgehändigt zu bekommen. Hinten in der Küche herrscht Geschäftigkeit. Da wird gebraten, gekleckst und gequetscht, was das Zeug hält. Eine heimliche Ablage gibt es übrigens immer noch, sie ist nur nicht mehr so ersichtlich. Aber ein paar Cheeseburger scheinen da doch noch auf Vorrat rumzuliegen.

An der Bestellkasse ist nichts los. Aber wir warten. Wir starren auf den Monitor, um zu erfahren, wann wir dran sind. Unter den Wartenden sind zwei Polizisten. Der eine sagt: “Voll modern hier.” Die anderen gucken so rum, schmulen ab und zu auf ihren Bon und die darauf gedruckte Abholnummer.
Irgendwie macht das den Eindruck eines Wartesaals. Lange sagt niemand was. Ein junger Mann stöhnt leise, anscheinend wartet er schon eine Weile. Dann dann: Es blinkt eine Nummer auf, die beiden Polizisten sind dran und nehmen ihre Speisen in Empfang. “Ist auch alles drin?”, fragt der eine. Der Mann hinter der Abholtheke lächelt nur, vielleicht hat er Angst, bei einer frechen Antwort eingebuchtet zu werden.
Der Rest wartet weiter. Es ist ein bisschen langweilig, vielleicht sollten auf dem Monitor ein paar lustige Filmchen gezeigt werden. In Sachen Warte-Entertainment ist bei McDonald’s noch viel Luft nach oben.

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RT im Kino

Dallas Buyers Club

Montag, den 10. Februar 2014

HIV. Das Aids-Virus. Für Ron Woodroof (Matthew McConaughey) ist das eine unglaubliche Diagnose. HIV? Wie soll das gehen? Er ist schließlich nicht schwul. Im Jahre 1985 gingen die meisten Menschen noch davon aus, dass Aids eine “Schwulenseuche” ist. Bei Ron waren es Drogen und der ungeschützte Sex mit unzähligen Frauen. Sein Arzt gibt ihm noch 30 Tage. Einen lumpigen Monat.
Es muss doch irgendwelche Medikamente gegen das Virus geben? Irgendwas, was den Tod aufhält. Gibt es aber nicht wirklich. Und die Medikamente, die in der Klinik rausgegeben werden, machen die Krankheit eher schlimmer als besser. Ron beschließt, auf eigene Faust zu forschen und Medikamente zu beschaffen. Mehr und mehr wird daraus ein Geschäft.

Der Ruf von Matthew McConaughey ist bislang nicht der allerbeste gewesen. In vielen ziemlich blöden Komödien spielte er den Proll oder den Frauenversteher. Nervte am Ende nur noch. Vor einiger Zeit hatte er angekündigt, solche Rollen nicht mehr spielen und nicht mehr alle Angebnote annehmen zu wollen. Im “Dallas Buyers Club” zeigt er sich nun von einer vollkommen anderen Seite. In Selbstaufopferung scheint er sich runtergehungert zu haben, um den verhärmten Aids-Kranken darzustellen. Er spielt Ron, der den Kampf gegen die Krankheit, aber auch den Kampf gegen die Behördern aufnimmt, die Medikamente zurückhält. Er, der Schwulenhasser, nimmt sich plötzlich der Sache an. Auch wenn er letztlich nicht für Schwule kämpft, in erster Linie geht es ihm um die Krankheit.
Es handelt sich um eine wahre Geschichte. Sie ist genauso spannend, wie sie erschüttert und rührt.

Dallas Buyers Club
USA 2013, Regie: Jean-Marc Vallée
Ascot Elite, 117 Minuten, ab 12
8/10

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