Tagesarchiv für 8. Februar 2014

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aspekte

Samstag, den 8. Februar 2014
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FR 07.02.2014 | 23.05 Uhr | ZDF

Wenn die Zuschauer panisch die Fernbedienung in die Hand nehmen und ganz schnell den Sender wechseln, dann beginnt im ZDF das Kulturprogramm. Von den drei Millionen Zuschauern der satirischen “heute show” bleibt dann nur noch eine gute Million für das Kulturmagazin “aspekte” übrig.
So war das bisher, aber vielleicht könnte sich das bald ändern. Das ZDF hat die “aspekte” ordentlich renoviert.

Seit dieser Woche ist die Sendung keine dröge Abfolge mehr von Beiträgen, die nach und nach angesagt worden sind. Für den Start ins Wochenende schon ziemlich anstrengend. Nun gibt es im Studio Live-Publikum, Live-Musiker, Studiogäste und zwei junge Moderatoren. Katty Salié hat nun immer einen Mann an ihrer Seite, Tobias Schlegl und Jo Schück wechseln sich ab.
Eine Mischung, die in der ersten neukonzeptionierten Ausgabe gut funktionierte. Berlinale-Chef Dieter Kosslick kam und plauderte, ebenso Schauspieler Jürgen Vogel. Die Band Maximo Park präsentierte zwei Songs. Dazwischen Berichte von der Berlinale, über die Hinterlassenschaften der Olympischen Spiele und über eine südafrikanische Opernsängerin.

Wer jetzt eine weitere Verflachung der Kultur im ZDF beklagt, der irrt. Noch immer ist “aspekte” eine gute Mischung aus Populär- und Hochkultur. Mit dem neuen Konzept versucht das ZDF jedoch, neue Zuschauer für das Magazin zu gewinnen. Das ist auch nötig. Die Macher ruhen sich nicht aus, sie probieren etwas Neues, machen aber nicht mit aller Gewalt auf Jugendmagazin. Die “aspekte” sind frischer, lebendiger, aber alles andere als ein Verrat des Kulturauftrages des ZDF. Weiter so!

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Olympia live: Sotschi 2014 – Eröffnungsfeier

Samstag, den 8. Februar 2014
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FR 07.02.2014 | 16.10 Uhr | ZDF

Die vier olympischen Ringe – die kennt doch jeder, oder? Ach nein, das waren ja fünf, aber irgendwas muss da am Freitagabend bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi schiefgelaufen sein.
Bei einer der Performances öffneten sich nur vier der fünf Ringe. Es fehlte der Ring oben rechts – der, der Amerika symbolisiert. Ausgerechnet.

Staatschef Putin: Ob er innerlich getobt hat, weil da was nicht funktionierte. Und plant er schon eventuell die Hinrichtung der Verantwortlichen? Oder war es seine Rache an der US-Terrorwarnung, und er wird demnächst den Veranwortlichen mit einer hohen Auszeichnung ehren?

Die beste Olympia-Eröffnungsfeier ever, ever – EVER. Die hatte Wladimir Putin zumindest vorher vollmundig angekündigt. Was das ZDF am Freitag jedoch übertragen hat, war die vermutlich lahmste und an einigen Stellen unsymphatischste Feier seit langem. Lähmende Folklore ohne Aussage, ein kühl anmutendes Stadion mit weißen Gängen, die Athleten liefen vor leeren Rängen ein – was ein großer Regiefehler war, denn diese Ränge sind dann von den Sportlern besetzt worden. Auch die Stimmung übertrug sich kaum, hinzu kam eine schreckliche Technomusik beim Einlauf der Sportler.

Angesichts der politischen Repressionen rund um Olympia, der Hass gegenüber Andersdenkende und Homosexuelle dürften diese Spiele noch spannend werden. Die deutschen Sportler haben mit ihrer bunten Kleidung – sie erinnerte an den Regenbogen – schon mal ein nettes Statement abgeben. Gut so.

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Deutschland testet den neuen stern

Samstag, den 8. Februar 2014
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DO 06.02.2014 | 7/2014 | stern

Seit einem knappen Jahr erscheint der “stern” im neuen Gewand, und das gefällt mir eigentlich ganz gut. Kürzlich sind die Leser dazu aufgerufen worden, an der Aktion “Deutschland testet den neuen stern” teilzunehmen. Vier Wochen gibt’s die Zeitschrift kostenlos. Jede Woche kommt per E-Mail ein Fragebogen zur aktuellen Ausgabe. Das fand ich spannend, und ich meldete mich an. Nun liegt Ausgabe 1 der Testphase vor mir, und die der Testbogen kam per E-Mail.

Allerdings scheint diese Aktion eine reine Abo-Werbung-Sause zu sein, denn wirklich wissen will man von den Testlesern nichts.
Es sind genau vier Fragen: Wie gefällt Ihnen der neue stern allgemein? Wie sehr spricht Sie persönlich das aktuelle Titelthema “Die Tricks der Handwerker” Ihrer ersten stern-Ausgabe an? Welche der folgenden Themen sind für Sie diese Woche besonders interessant? (Sechs Themen aus dem Heft sind genannt, man darf Häkchen setzen.) War Ihr stern pünktlich am Donnerstag in Ihrem Briefkasten?

Die Aktion besteht also in der ersten Woche aus vier oberflächlichen Fragen zum Ankreuzen. Mehr nicht? Echt nicht? Mehr traut der stern seinen Teilnehmern der Aktion nicht zu? Die stern-Leute wollen auch nicht wissen, wie die Testleser die Artikel im Einzelnen fanden? Kritik scheint jedenfalls nicht wirklich erwünscht zu sein, die ganze Sache kratzt bloß an der Oberfläche. Diesen Verlauf der Aktion finde ich wirklich traurig, aber wer weiß, was die in den kommenden Wochen alles noch (nicht) wissen wollen.

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RTelenovela

Ja sagen. Ein bürokratischer Akt

Samstag, den 8. Februar 2014
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Ich kenne bisher nur Hochzeiten im Oranienburger Schloss. Da habe ich schon einige erlebt, und sie waren alle recht berührend. Es gab immer schöne Musik, viele Tränen, nette reden und noch mehr Musik. Und natürlich einen bürokratischen Teil, aber das hat sich eigentlich immer ziemlich ins Große und Ganze eingeschmiegt.

In Hannover erlebte ich nun wieder eine Hochzeit. Das Besondere war dabei, dass es sich um eine deutsch-portugiesische Hochzeit handelte. Heißt: Eine Übersetzerin musste dabei sein.
Und so versammelte sich die Hochzeitsgesellschaft in dem Trauzimmer, und schon ging sie los – die Bürokratie. Zunächst verlas die Beamte die Regeln die für Namensgebung, die durch die verschiedenen Länder ein wenig komplizierter war als üblich. Es handelte sich um mehr als eine Seite, echtes Bürokratendeutsch. Gefolgt von der portugiesischen Übersetzung.
Ist natürlich alles irgendwie notwendig, wobei die Braut später anmerkte, dass sie all das auch schon bei der Anmeldeorgie alles vorgelesen bekommen haben. Aber Ordnung muss sein – auch im offiziellen Teil.
Die Romantik dachten wir uns eben dazu.

Dann aber die Fragen aller Fragen. Willst du, und so weiter. Mussten natürlich auch alle übersetzt werden, wobei der Bräutigam durchaus Deutsh versteht und vorzeitig “Ja” sagte.
Die Trauung endet, in dem das Protokoll eben jener Zeremonie verlesen wird. Darin wird nochmals verkündet, was passiert ist in den 20 Minuten davor: Dass die Sache mit den Namen verlesen worden ist. Die Ja-Sagerei. Und so weiter. Plus Portugiesisch-Übersetzung.

Das Ja-sagen ist die pure Bürokratie. Der Akt an sich war natürlich trotzdem romantisch, Applaus gab’s auch. Kurze Reden sind auch verlesen worden. Und irgendwie war die Nüchternheit dieser ganzen Zeremonie durch die Beamte auch schon wieder spannend.
Und beim Fest danach war die Nüchternheit sowieso Vergangenheit.

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