Tagesarchiv für 20. Januar 2014

RTZapper

Spiegel TV Magazin: Böses Dschungelcamp

Montag, den 20. Januar 2014
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SO 19.01.2014 | 23.25 Uhr | RTL

Gerade haben am Sonntagabend noch Sonja Zietlow und Daniel Hartwich im Dschungelcamp ihre Witze gerissen, kommt plötzlich eine zimtzickige Frau ins Bild. Sie macht den RTL-Zuschauern deutlich: Jetzt wird es gefälligst mal wieder ernst. Und sagt gleich zu Beginn einen Beitrag über das Dschungelcamp an. Willkommen beim “Spiegel TV Magazin”.

Die Einschaltquoten von “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” sind erneut gigantisch, und davon profitieren auch die nachfolgenden RTL-Sendungen – und das besonders, wenn sie sich an den Dschungelhype dranhängen. Da möchten die Leute von “Spiegel TV” natürlich nicht hinten anstehen.
Allerdings sehen sich die Macher von “Spiegel TV” ja als seriöses Magazin. Da ist auch für die Moderatorin das Lächeln verboten – Lächeln ist unseriös. Zimtzickigkeit dagegen steht für Kompetenz!

Und deshalb bietet “Spiegel TV” auch nicht nur einfach so einen billig hingerotzten Dschungelbericht. Die Redaktion distanziert sich vom Rummel um die Show und berichtet mal ganz kritisch darüber, wie denn das nun ist mit dem Wendler und dem Schauspieler Glatzeder.
Inhaltlich ist der Beitrag sogar ganz interessant: Er macht den Eindruck, als sei der Wendler gar nicht so erfolgreich, bei einem Auftritt wird er gar ausgebuht. Dafür ist – laut dem Film – der Wendler sehr ich-bezogen und findet alles geil, was er selbst so mache. Winfried Glatzerder begleitet das Spiegel-TV-Team bei seinem Abflug und erinnert noch mal daran, dass er ja mal eine ganz große Nummer war: “Die Legende von Paul und Paula”. Zufälligerweise kann man sich den Film gerade auf der Spiegel-TV-Internetseite ansehen – immerhin kostenlos. Momentan soll es nicht so gut um Glatzeder bestellt sein, wird in dem Beitrag noch geraunt.

Tjaja, so hat man dem ach so verblödeten RTL-Zuschauer gleichzeitig mitgeteilt, dass man das Getöse bei “Spiegel TV” ziemlich doof findet, aber andererseits bestimmt auch noch was vom Quotenkuchen sich abschneiden können. Gute Strategie! Und wenn Moderatorin Maria Gresz nächste Woche mal ein bisschen lächelt, dann bekommt sie vielleicht sogar noch einen Sympathiepunkt!

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RT im Kino

The Wolf of Wall Street

Montag, den 20. Januar 2014

Wie sind die eigentlich, diese Leute an der Börse? Was sind das für Menschen, die da mit dem Geld jonglieren, im Selbigen baden und denen Gesetze im Grunde völlig scheißegal sind?
Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio erzählen die Geschichte eines Mannes, der eine durchaus beeindruckende Karriere hingelegt hat – bewundern muss man ihn dafür allerdings nicht.

Jordan Belfort (Leonardo diCaprio) gelingt es, sich von einer ramschigen Brokerklitsche zu einem der erfolgreichsten Börsenmänner hochzuarbeiten. Anfangs nimmt er die nicht allzu reichen Leute aus, Aktien von kleinen Firmen zu kaufen, die in Wirklichkeit nichts wert sind. Später konzentriert sich seine Firma auf die 1 Prozent ganz reichen – er verdient sich dumm und dämlich und geht über Leichen. Er ist “The Wolf of Wall Street”.

Das Epos ist genau drei Stunden lang, aber nur selten zieht es sich dahin. Der Zuschauer erlebt eine Orgie: Machtverliebtheit, Geilheit, Sexsucht, Drogen und Alkohol. Es ist ein Rausch, ein verdammter Rausch. Und davon mehr, immer mehr, ohne Ende. Belfort ist ein korruptes Arschloch – aber Martin Scorsese schafft es, auch den Zuschauer zu blenden. Denn Belfort, ja, man muss das so sagen, ist einem fast schon ein bisschen sympathisch. Er ist eben ein erfolgreicher Mann, auch wenn die Moral zu wünschen übrig lässt. Er trickst sie alle aus, auch das FBI. Auch seine Freunde. In der zweiten Hälfte wendet sich aber das Blatt. Als es für Belfort bergab geht, zeigt sich sein wahres Gesicht – es sind bedrückende Augenblicke.
Der Film spart nicht an geschliffenen Dialogen, beißendem Witz und widerlichem Zynismus.
Leonardo DiCaprio zeigt sich einmal mehr als brillanter Schauspieler – inklusive Drogen- und Wutrausch. Nach diesem Film verliert man endgültig das Vertrauen in die Finanzhaie an der Börse…

The Wolf of Wall Street
USA 2013, Regie: Martin Scorsese
Universal, 180 Minuten, ab 16
9/10

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