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Ohne Klamottencheck gehen sie nicht aus dem Haus

Die Zwillinge Anna und Sophie Tebbe (19) aus Friedrichsthal legen Wert auf ihre Gleichheit

MAZ Oranienburg, 3.1.2014

FRIEDRICHSTHAL
Mit den Tebbe-Zwillingen einkaufen gehen: Das kann dauern! Das machen sie inzwischen lieber alleine. „Mit uns shoppen zu gehen, kann anstrengend werden“, sagt Anna Tebbe und lacht. Ohne Sophie geht dabei nichts.

Die beiden 19-jährigen Schwestern aus dem Oranienburger Ortsteil Friedrichsthal sind Zwillinge – und das sieht man ihnen nicht nur körperlich an. Die gleiche Hose, das gleiche Oberteil, der gleiche Schmuck, die gleiche Frisur. Die absolute Gleichheit ist ihr Markenzeichen.
Oder besser: die fast absolute Gleichheit. Wer Anna und Sophie näher kennt, kann sie bei genauerem Hinsehen dann doch auseinanderhalten. „Sophie hat zwei Ohrlöcher mehr“, sagt Anna. Anna hingegen ist ein bisschen größer als ihre Schwester und hat exklusiv einige Leberflecke. Außerdem trägt Anna eine Halskette, die sie von ihrem Freund geschenkt bekommen hat.

Wenn die beiden aus dem Haus gehen, dann aber immer gleichgekleidet. „Das ist ein Muss“, sagt Anna. Da trifft es sich gut, dass sie beim Klamottenkauf auch – natürlich – denselben Geschmack haben. Meist reicht es, wenn eine von ihnen etwas anprobiert, dann wird für die andere gleich mitentschieden. „Allerdings ist es oft schwierig, von einem Kleidungsstück gleich noch ein Zweites zu bekommen“, erzählt Sophie. Das ist auch der Grund, warum sie immer in Berlin einkaufen gehen anstatt in Oranienburg. „Da ist die Auswahl für uns einfach am größten“, sagt Anna.
Jeden Morgen sprechen sie sich ab, was sie denn diesmal anziehen wollen. Auch wenn Anna bei ihrem Freund übernachtet hat: Bevor sie zur Schule fahren, kommt der Klamottencheck daheim. Das kann dauern. „Oft müssen wir uns ein paarmal wieder umziehen, weil wir uns nicht entscheiden können“, sagt Anna. „Und im Endeffekt nehmen wir dann doch das Outfit, das wir als erstes anhatten.“
Die Eltern unterstützen das. „Sie würden es komisch finden, wenn wir nicht das Gleiche tragen“, erzählt Anna, die übrigens drei Minuten älter ist als ihre Schwester. „Das merkt man auch“, findet Sophie. „Anna ist ein bisschen reifer als ich.“

Dass sie alles gleich machen, haben die beiden in der 8. Klasse beschlossen. Inzwischen besuchen sie das Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum in Oranienburg. Sie sitzen dort – keine Frage – nebeneinander. „Oft können uns die Lehrer nicht auseinanderhalten“, erzählt Sophie. Aber beide schwören hoch und heilig: Einen Scherz haben sie damit noch nie getrieben. Außer einmal beim Handballtraining: Da haben sie heimlich die Positionen auf dem Feld getauscht, das ist aber recht schnell aufgefallen.

Nach ihren Karriereplänen befragt, sind sie sich auch in diesem Punkt sehr einig. „Wir versuchen, etwas im Hortbereich zu machen.“ Da ist es wieder, das Wir. Ein Ich scheint es in den seltensten Fällen zu geben. „Das gibt es aber“, sagt Sophie. „Letztes Jahr waren wir getrennt im Urlaub.“ Das ist dann auch ein wenig Urlaub von der Schwester, denn dann sprechen sie sich in der Ferne nicht ab, was sie für Klamotten tragen. Auch zu Hause tragen sie meist nicht dieselben Outfits.
Aber draußen – da gibt es keine Ausnahmen. Auch ins Fitnessstudio gehen sie gemeinsam – natürlich im gleichen Sportdress. „Da gucken immer gleich alle“, sagt Anna. Manchmal stört sie das ein wenig.

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