Monatsarchiv für Oktober 2013

RTZapper

Pocher gegen Becker – Der Showdown: Alle auf den Kleinen

Dienstag, den 29. Oktober 2013

FR 25.10.2013 | 20.15 Uhr | RTL

Ist ja schon ziemlich lange her, also nur mal zur Erinnerung: Boris Becker war mal ein großer Tennissspieler. Inzwischen spielt er nur noch Poker und twittert vor sich hin. Ab und zu beschwert er sich darüber, dass ihn trotz seines Ruhmes niemand so richtig ernstnimmt.

Nun ja. Wofür auch? Für seine Poker-Reklame im Fernsehen? Für sein Buch, in dem er schreibt, wie böse doch alle anderen sind? Für seinen seltsamen Twitter-Krieg mit Oliver Pocher, der irgendwie doof fand, dass Becker auf dessen und seiner Ex-Frau rumhackt? Der Mann muss viel Zeit haben, viel zu viel Zeit, um wenig nützliche Dinge zu tun.

Am Freitag war Becker zu Gast in Oliver Pochers Show “Alle auf den Kleinen” bei RTL. Die schwächelte quotenmäßig dramatisch, und irgendwie muss es Oliver Pocher ganz gut in den Kram gepasst haben, den Bäcker-Krieg für sich zu nutzen.
Das Twitter-Duell sollte nun seinen medialen Höhepunkt finden. Der Becker, der sagt, er sei nicht in Geldnöten, spielte um seine, ähm, Ehre.
Dass Moderatorin Sonja Zietlow das Ganze als Showsensation des Jahres titulierte – geschenkt.

Und so spielten Becker und Pocher Kindergeburtstag. Gang durchs Riesenlabyrinth. Promitwittern. Tennis mit albernen Hütchen auf dem Kopf. Irgendwas mit einem Fettkostüm und so weiter. Eigentlich unwichtig. Dass der Pocher das alles mitmacht und dass er für solchen Humor steht und dass das auch irgendwie passt, ist nicht neu. Boris Becker dagegen – es ist fast tragisch, ihn zu beobachten. Zwar scheint er durchaus Humor zu haben und einstecken zu können. Aber sonst? Er ist nicht mehr wirklich fit. Kombinationsgabe geht gegen null. Geschicklichkeit kaum vorhanden. Er kennt sich mit Musik nicht aus, kann kaum kombinieren. Manchmal tendiert das alles in Richtung “Au weia”.

Am Ende hat Pocher das Duell gewonnen, es war knapp. Aber auch nur weil Becker Frau mitmachen durfte und weil sich Pocher an vielen Stellen zurückgehalten hat, das Ergebnis nicht noch deutlicher ausfallen zu lassen.

Habe ich das schon erwähnt? Ab und zu beschwert sich Becker darüber, dass ihn trotz seines Ruhmes niemand so richtig ernstnimmt.
Tja.

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RT im Kino

Alles eine Frage der Zeit

Montag, den 28. Oktober 2013

Was für ein Luxus. Wenn es im Leben mal nicht so läuft, wie geplant, dann dreht man die Zeit einfach zurück und handelt so, dass alles ins Lot kommt.
Tim (Domhnall Gleeson) und sein Vater (Bill Nighy) haben diese Zeitmaschinengabe. Es ist das große Familiengeheimnis, und als er 21 ist, bekommt Tim reinen Wein eingeschenkt. Das probiert er dann gleich mal aus, und switcht sich auf die gestrige Party zurück. Vielleicht klappt es ja nun auch mit den Mädchen. Allerdings muss er schnell feststellen, dass auch Zeitreisen nicht beeinflussen können, ob Frauen auf ihn stehen oder nicht.
Aber bald lernt er Mary (Rachel McAdams) kennen – seine große Liebe. Allerdings ist das auch bei ihr nicht einfach. Das Interesse ihrerseits ist da, also muss er den ganz perfekten Moment abwarten. Bei ihm heißt das: erfahren, wann und wo genau eine ganz bestimmte Party stattfand. Er muss also in die Vergangenheit, um das Ganze zu seinen Gunsten entscheiden zu können…

Bei Tim ist “Alles eine Frage der Zeit”. Er muss sie sich nehmen, aber ganz anders als andere Menschen. Er schafft sich sein Ideal, in dem er sich sein Leben zurechtbiegt. Aber der Film wäre langweilig, wenn das schon alles wäre. Alles kann sich Tim nämlich nicht zurechtbiegen. Zum Beispiel das Leben seiner Schwester. Zwar kann er mit ihr gemeinsam zurückreisen, aber sein eigenes Leben geriete dadurch völlig durcheinander. Das muss also anders gehen.
So erzählt Richard Curtis (“Tatsächlich… Liebe”) nicht nur von einer phantastischen Gabe, sondern auch, wie man sie sinnvoll einsetzen kann. Aber vor allem: Es geht um die Liebe, und das ist ja Curtis’ Spezialität. In diesem Fall geht es um den Zusammenhalt der Familie. Ums Kümmern, darum, sich Sorgen zu machen, aber auch, zu handeln.
Das Interessante ist: Obwohl Tim so anders ist, will er nur eines: Normalität, die heile Welt. Ein Nest, das er sich bauen kann. Hinter allem Schlechtem auch das Gute sehen.
Diesem Treiben schaut man unheimlich gern zu, es ist rührend, oft lustig und irgendwie gar nicht kitschig. Im Grunde ist es eine unperfekt-perfekte Welt, die wir sehen bekommen. Einfach nur schön!

Alles eine Frage der Zeit
GB 2013, Regie: Richard Curtis
Universal, 123 Minuten, ab 0
9/10

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RTZapper

Bilderbuch Deutschland: Korbach und das Waldecker Land

Montag, den 28. Oktober 2013
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FR 25.10.2013 | 14.15 Uhr | NDR fernsehen

Eine Reise ins hessische Korbach. Schöne Fachwerkhäuser. Weiter nach Bad Arolsen. Auch sehr schön. Und die Frankenberger, die ja plötzlich einem anderen Landkreis zugesprochen worden sind. Handwerker. Heimatforscher. Ein Stück Deutschland.
Jeden Nachmittag unternehmen die Zuschauer des NDR eine Reise durch die Heimat. Seit vielen Jahren gibt es täglich das “Bilderbuch Deutschland”. Jeden Tag eine neue Region und ihre Eigenheiten.

Allerdings sind die Reportagen schon ein wenig angestaubt. Der Film, der am Freitagnachmittag zu sehen war, lief sogar noch im alten 4:3-Bildformat. Am Ende stellte sich raus: Der Beitrag ist bereits mehr als 16 Jahre alt. Von 1997.
Erstaunlich, dass so etwas noch sendbar ist. Also, nicht technisch, sondern inhaltlich. Zwar gibt es natürlich noch alle Sehenswürdigkeiten. Aber wenn es um die wirtschaftliche Situation oder Menschen im Film geht – da wird sich in anderthalb Jahrzehnten sicher, sagen wir mal, ein wenig was verändert haben…

Vom “Bilderbuch” gibt es immerhin 466 Folgen, und der NDR sendet sie rauf und runter. Alternativformate auf dem Sendeplatz sind immer wieder gescheitert, und die Reisereihe kam zurück.
Die ARD stellte die Reihe im Ersten schon 2010 ein – weil alle Regionen gezeigt worden seien. Aber, mal ehrlich: Eigentlich könnte man sie einfach wieder neu drehen – oder aktualisieren. Dann müsste der NDR keine fast schon historischen Dokumentationen im Nachmittagsprogramm zeigen…

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RTelenovela

Countdown: Open Stage – 28. Oktober

Montag, den 28. Oktober 2013
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Heute mal wieder Werbung in eigener Sache. Heute, am Montag, 28. Oktober 2013, moderiere ich zum ersten Mal eine kleine Open-Stage-Show. Los geht sie um 18 Uhr im Bistro “AckerBurger” im Kremmener Scheunenviertel.

Was mich dort genau erwartet, weiß ich allerdings selbst noch gar nicht so genau. Aber das ist ja auch der Sinn einer “offenen Bühne”. Musiker aus der Region haben sich jedenfalls schon gemeldet – das weiß ich immerhin doch schon – und wollen auf die kleine AckerBurgerBühne, um zu zeigen, was sie drauf haben.
Ich bin gespannt!

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RTZapper

SOKO 5113

Sonntag, den 27. Oktober 2013

FR 25.10.2013 | 10.30 Uhr | ZDF

Das ZDF hat viele Serien in seinem Angebot: Krimis, Krimis, Krimis, Krimis und Krimis. Und zwischendurch das “Forsthaus Falkenau”, aber das ist dem ZDF inzwischen zu altbacken und wird vielleicht bald durch einen Krimi ersetzt.

Diese vielen Krimis tragen Namen wie “Kripo Holstein” oder “Notruf Hafenkante”. Oder schlicht “SOKO”. Sokos hat das ZDF inzwischen diverse. Mit der “SOKO 5113” fing es im Januar 1978 an, inzwischen gibt es 39 (!) Staffeln. Hinzu kommen mittlerweile aber auch Sokos in Wien, Kitzbühel, Leipzig, Wismar, Köln und Stuttgart.
Am Vormittag im ZDF, am Nachmittag, am Vorabend, freitags auch in der Primetime sowie in der Nacht.
Am Freitag liefen im ZDF ganze fünf Soko-Krimis im Programm, angefangen mit der “5113” am Vormittag. Beim ZDF nennt man das wahrscheinlich ein abwechslungsreiches Programm. Obwohl andererseits die Frage erlaubt sein muss, warum die “Kripo Holstein” nicht “SOKO Holstein”, die “Rosenheim-Cops” nicht “SOKO Rosenheim” und “Notruf Hafenkante” nicht “SOKO Hamburg” heißt. Wennschon, dennschon!

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RTelenovela

Klinik (2): Begegnungen

Sonntag, den 27. Oktober 2013
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(1) -> 26.10.2013

Im Krankenhaus trifft man auf lauter Kranke. Man hat Begegnungen, die es wahrscheinlich sonst niemals gegeben hätte. Jeden Tag wechselte während meiner Zeit in der Oranienburger Klinik meine Zimmerbesatzung.

Da gibt es den gutmütigen, etwas zu aufdringlichen Opa-Papa. Er hilft, wo er kann. Er erklärt, was es zu erklären gibt. Auch den Schwestern, die das eigentlich alles gar nicht hören wollen. Wenn sie mal wieder was vergessen haben, wenn sie etwas an eine andere Stelle abgelegt haben als gestern.

Ihm folgt ein Mann mit heftigen Lungenproblemen. Er hustet sich die Seele aus dem Hals. Es hört nicht auf. Über seinem Bett blubbert es ohne Pause – Wasser für den Sauerstoff, den er bekommt. Er hat eine lange Odyssee hinter sich. Lungenklinik. Auch in Oranienburg war er schon mal. Zu Hause hat er auch eine Atmungsmaschine. Am ersten Tag ist sein Husten extrem, auch nachts. Er spuckt, keine Ahnung, wohin. Er röchelt. Es gibt Momente, da nimmt an Anteil. Aber auch die, wo man das einfach ignorieren muss. Im Laufe der Tage erfahre ich seine Leidensgeschichte, lerne die Familie kennen, wir besprechen das Fernseh-Abendprogramm. Wir sind Bettnachbarn.

Später kommt ein Mann, Mitte 70, hinzu. Er hat einen Tumor in der Rückengegend. Vermutlich hat der Krebs schon getreut. Seine Tochter hat es gerade erst erfahren, von der Ärztin. Ja, irgendeiner muss ihr ja reinen Wein einschenken, sagt er. Er scheint es gelassen zu sehen. Ich denke, langsam geht es vorbei, sagt er und wirkt dann doch einen Moment nachdenklich. Er bleibt nur einen Tag, er muss später in eine Spezialklinik. Nachts hören wir sein Stöhnen. Der Rücken. Eine Qual.

Ihm folgt ein noch älterer Herr. Er sitzt stumm auf seinem Bett. Er ist 85, auch er blubbert. Es blubbert nun doppelt auf unserem Zimmer. Er braucht auch Luft aus der Maschine. Gekommen ist er aber wohl wegen eines Gallensteins. Unsicher blickt er sich um. Essen möchte er nichts. Er ist den Leuten hier schon bekannt, erst vor einigen Wochen war er hier. Inzwischen ist seine Tochter gestorben, erzählt er der Schwester. Gestern erst. Sie nahm sich das Leben, nachdem sie schon jahrelang ohne äußere Hilfe nichts mehr machen konnte. Eine Stunde hat ihr Kampf am Lebensende gedauert, dann war sie eingeschlafen. Die Familie war dabei und blieb bis zum Schluss. Er verschläft den ganzen Abend. Manchmal schaue ich zu ihm rüber. Ja, er atmet noch. Ich habe das Gefühl, danach schauen zu müssen. In der Nacht ist er wach und weint leise.

Nein, man ist im Krankenhaus nicht allein mit seinem Elend, und das eigene ist sogar höchstwahrscheinlich das kleinste von allen. Es sind interessante, niederschmetternde, berührende, ja, manchmal auch nervige, aber auch lustige Begegnungen.

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RTZapper

Inka: Arm und reich

Samstag, den 26. Oktober 2013
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DO 24.10.2013 | 15.05 Uhr | ZDF

Demnächst im ZDF: “Moderatorin sucht Show”. Inka Bause muss sich nämlich von “Inka” trennen. Das ZDF schmeißt “Inka” mit Inka Bause am 8. November aus dem Programm. Die Talkshow hatte nie gute Quoten, lagen immer weit unter dem Durchschnitt des Senders. Jetzt kann sie sich wieder voll auf “Bauer sucht Frau” konzentrieren, auch wenn sie da ja nur doofe Texte aufsagen muss.
“Inka” lieferte allerdings offenbar im ZDF auch wenig Gründe, warum man die Show hätte einschalten müssen. Den Beweis lieferte sie am Donnerstagnachmittag wieder sehr eindrucksvoll.

Gut gelaunt kam Inka in ihr recht steriles Studio mit dem großen Sofa. Gut unterhalten will sie, diesmal mit dem Thema “Arm und reich”. Klingt spannend, aber “Inka” ist ja nur ein seichter Nachmittagstalk, da ist das mit der Spannung nicht so weit her.
Schauspielerin Ingrid Steeger zum Beispiel, die hat viel mitgemacht. Hat Geld verdient und verloren. Hat Inka allerdings nicht so interessiert, sie führte lieber das 1265. Interview zum Thema “Klimbim” nebst entsprechenden Ausschnitten. Und wie war das denn? Und hihihi, und werden Sie denn noch drauf angesprochen? Ja ja, das mit dem Geld war zwischendurch auch mal eine Frage, aber nach fünfeinhalb Minuten (!) war das ja auch schon wieder mit der Frau Steeger. Eigentlich eine Frechheit. Erfahren haben wir nichts von ihr, jedenfalls nichts Neues. Dafür hätte die Steeger nun wirklich nicht in die Show kommen müssen.

Dann kam noch eine junge Sozialhilfeempfängerin, die erzählte, dass sie schon in der Kita Armut erlebte, aber immer einen Ausweg fand. Schön. Dann kam noch eine Erbenermittlerin, joa, durchaus interessant. Eine Jacobs-Kaffee-Tochter berichtete vom Familienreichtum, und ein Zauberer zauberte Geld weg und wieder her. Toll. Bis auf Frau Steeger blieben alle Gäste nur für den Talk und mussten dann wieder gehen. Die Schauspielerin musste bleiben, obwohl sie kaum noch was zu sagen hatte und sich scheinbar sehr langweilte. Aber schließlich mussten die (wenigen) Zuschauer ja ein bekanntes Gesicht beim Durchzappen erblicken.

Nein, Inka, das ist nichts. Das ist alles sehr oberflächlich, aber vor allem nicht packend. Am Nachmittag erwartet niemand tiefschürfende Gespräche, aber irgendwas, was einen doch mal zum Nachdenken bringt oder eine steegersche Neuigkeit hätte schon mal rauskommen können. Inkas Fragen scheinen oft langweilig, sie sind uralte Hüte, sie hat nicht die Gabe, Dinge aus ihren Gästen rauszukitzeln. Oder sie hat schlicht zu viele Gäste in der 50-minütigen Sendung. Zwei oder drei würden reichen, darunter ein Promi.

“Inka” wird von der eigentlich innovativen Firma Strandgut-Media produziert. Die sind bekannt für “neoParadise” oder “Bambule”. Dafür wirkt “Inka” jedoch erstaunlich uninspiriert, es fehlt vollkommen der Pfiff.
An sich bringt eine Nachmittagstalkshow durchaus Schwung in den öden Fernsehalltag und seinen Koch- und Serviceshows, Soaps und Dokureihen – aber man sollte die Leute dann auch mit irgendwas Besonderem ranziehen. “Inka” hat das nur sehr selten getan. Dafür gibt es nun die Quittung.

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