Tagesarchiv für 14. Oktober 2013

RT im Kino

Sein letztes Rennen

Montag, den 14. Oktober 2013

Melbourne, 1956: Paul Averhoff gewinnt die Goldmedaille im Marathon.
Berlin, 2013: Paul Averhoff will es noch mal wissen. Noch einmal den Berlin-Marathon laufen.
Dieter Hallervorden kehrt mit einem wunderbaren, ans Herz gehenden, manchmal kitschigen, aber unglaublich lebensbejahenden Film ins Kino zurück. Es geht um “Sein letztes Rennen”.

Paul Averhoff (Dieter Hallervorden) und seine Frau Margot (Tatja Seibt) kommen allein nicht mehr klar. Tochter Birgit (Heike Makatsch) drängt sie dazu, in ein Heim zu ziehen. Doch dort herrschen depromierende Zustände. Zwischen dem gemeinsamen Singen und Kastanienbasteleien herrscht völlig Ödnis – von der Leitung gewollt.
Aber Paul will mehr. Er will laufen. Den Marathon. Im Hof des Altenheimes beginnt er mit dem Training – was erst mal zu einiger Verwirrung bei den Pflegern und Mitbewohnern führt.

Regisseur Kilian Riedhof erzählt nicht nur von einer bedingungslosen Liebe, die niemals enden soll und darf. Viel geht es auch darum, wie wir mit unseren Alten umgehen. Ins Heim abschieben? Zu Hause betreuen? Und wenn doch Heim? Darf es dort nur um Profit gehen? Um Pflegezeiten? Darum, wenn jemand aufmuckt, dass er erst mal ruhig gestellt wird? Das Problem ist manchmal etwas zu sehr plakativ dargestellt, aber vermutlich ist sowieso alles noch viel schlimmer.
Die Heimbewohner blühen regelrecht auf, als sie nach und nach auf Pauls Seite sind und ihn in seinem großen Vorhaben unterstützen. Ein Hoch auf die Selbstbestimmung – auch und gerade im Alter.
Ein starkes Schauspielensemble rundet das alles ab: Frederick Lau spielt den Pfleger, dem die Pflegemisere genauso an die Nieren geht wie den Bewohnern. Katrin Saß ist die herzlose Chefin. Dazu Otto Mellies, Annekathrin Bürger und viele andere.
Und vielleicht führt ja dieser Film dazu, auch in der Familie wieder ein paar wichtige Dinge aus der Gegenwart und für die Zukunft zu besprechen…

Sein letztes Rennen
D 2013, Regie: Kilian Riedhof
Universum, 115 Minuten, ab 6
9/10

Hits: 63

RTelenovela

Eine Zahl bleibt: die 24

Montag, den 14. Oktober 2013
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Unsere Welt ändert sich in rasender Geschwindkeit. Immer kommt was Neues, anderes verschwindet und wird vergessen. Aber eines ist geblieben: die 24. Auf die 24 kann ich mich verlassen. Und das seit fast… was sonst: 24 Jahren.

Mit dem Mauerfall im November 1989 führte uns der Weg oft nach Berlin-Frohnau und Hermsdorf. Wir hatten Verwandte dort. Die hatten ein Lieblingsrestaurant, den “Adriatic-Grill” am Edelhofdamm, unweit des Zeltinger Platzes. Auch wir sind dann öfter dort gewesen, und schnell hatte ich mein dortiges Leib- und Magengericht: die 24.
Hinter der Nummer 24 verbirgt sich die kleine Potpourriplatte. Drauf zu finden sind: zwei kleine unpanierte Schnitzel, zwei Hackfleischröllchen, Pommes sowie eine Curry- und eine Djuvec-Reiskugel. Es ist auch das einzige gericht, das ich in Ketchup ertränkte. Die Soße kommt über Pommes, Reis und Fleisch gleichermaßen. Vorher gibt einen leckeren Salat mit Weißkraut, Mais, Eisbergsalat, Tomate und Dressingsoße. Leider ist die klare Brühe mit Ei von der Karte verschwunden.

Schon 1989 war die Nummer 24 die kleine Potpourriplatte, und auch 2013 ist das nicht anders. Einiges hat sich trotzdem verändert: der Preis zum Beispiel. Nach oben. Und der Name – der “Grill” ist irgendwie abhanden gekommen, nur das “Adriatic” steht noch am Haus. Früher hieß der Laden im Volksmund “der Jugo”, aber das stimmt ja nun auch nicht mehr. Nun ist’s “der Kroate”. Und die Einrichtung. Die ist inzwischen leider sehr steril und seltsam rosa geworden, dazu rote Lesersitze. Da müssten mal Einrichtungsprofis ran. Aber der Biergarten – der ist immer noch schön. Im nächsten Sommer wieder. Und so lange die 24 nicht von der Karte verschwindet, ist mir das alles sowieso egal.

Hits: 31

RTZapper

Rosa Roth: Der Schuss

Montag, den 14. Oktober 2013
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SA 12.10.2013 | 20.15 Uhr | ZDF

An der Spitze des Erfolges sollte man aussteigen. Das sagt Iris Berben über ihre Krimiserie “Rosa Roth”. Sie hat ihre Maxime offenbar beherzigt, und beschlossen, dass nach 19 Jahren und 31 Folgen Schluss ist. Dabei machte sie sich immer rar, höchstens zwei Folgen pro Jahr liefen, die 30. Folge ist bereits vor anderthalb Jahren im ZDF zu sehen gewesen. Am Sonnabendabend ermittelte sie das letzte Mal und sorgte so für einen der besten Krimis des Jahres.

Der Kreis schließt sich. Rosa Roth muss gegen einen Waffenhändler aussagen, mit dem sie es 1994 im ersten Fall auch schon zu tun hatte. Aber eigentlich muss sie sich mit einem mutmaßlichen Kindesentführer beschäftigen.

In diesem 105-miniütigen Film passte einfach alles zusammen. Die Fälle waren clever ineinander verschachtelt, Zufälle erwiesen sich im Laufe der Zeit als gezielte Aktionen. Und Rosa Roth stand am Rande der Verzweiflung, am Rande des Rausschmisses.
Immer öfter versucht der “Tatort” im Ersten weniger mit spannenden Geschichten, sondern eher mit speziellen Erzählweisen zu punkten. Das hatte dieser ZDF-Krimi gar nicht nötig. Die Geschichte war extrem spannend. So spannend, dass alle künstlerischen Kinkerlitzchen getrost weggelassen werden konnten.
Schade, dass es vorbei ist.

Hits: 37