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Schon als Jugendlicher machte er sich am Wartburg zu schaffen

Der Karosseriebauer Andreas Mühle aus Kremmen feiert am Montag sein 25. Meisterjubiläum

MAZ Oranienburg, 4.10.2013

KREMMEN
Das Knistern und Knacken, wenn das Auto auf der Richtbank steht. Blech, das ausgebeult und nach einem Unfall rückverformt wird. „Man hört, wie die Kräfte durchs Material ziehen“, sagt Andreas Mühle. „Da entsteht Spannung drauf.“ Der 49-jährige Kremmener bekommt leuchtende Augen, wenn er davon erzählt. Es ist sein Handwerk, und das schon seit 1981. Mühle ist Karosseriebauer und seit 1991 Chef seiner eigenen Firma in der Grabenstraße.
Am kommenden Montag feiert er jedoch ein ganz besonderes Jubiläum. Seit genau 25 Jahren ist er Meister. Am 7. Oktober 1988 erhielt er seinen Meisterbrief.

Mühles Vater hatte einst einen Stellmacherbetrieb, der sich aber nach und nach zum Karosseriebau weiterentwickelt hat. Ursprünglich wollte Andreas Mühle eine Lehre zum Kfz-Mechaniker machen, aber seine Eltern rieten ihm zum Karosseriebau – das sei die Zukunft. Als er 1984 in die Firma seines Vaters einstieg, war schon klar, dass er sie irgendwann übernehmen würde. „Mein Vater drängte mich dann zur Meisterausbildung“, erzählt Andreas Mühle.
Schon als Jugendlicher war er jedoch oft in der Firma. Früh half er mit, einen Wartburg nach einem Unfall wieder aufzubauen. Er erinnert sich: „Nach der Schule habe ich die Mappe in die Ecke gefeuert und mir Arbeitssachen angezogen. Das ist mein Ding, das macht mir heute noch Spaß.“

Ein bisschen bedauert er es, dass er jetzt kaum noch dazu kommt, selbst an den Autos zu schrauben. „Ich bin der Praktiker.“ Als Chef seiner Firma muss er jedoch viel Organisationsarbeit erledigen. Immerhin beschäftigt er fünf Vollzeitangestellte und einen Lehrling.
Die Wendezeit Anfang der 90erJahre brachte auch für den Kremmener Neues. „Vorher hatten wir viel mit den verfaulten Trabbis zu tun. Was hatte man denn schon anderes?“ Als dann auch „Westautos“ in die Werkstatt kamen, mussten sein Vater und er schon mal nach Berlin fahren, um Ersatzteile zu besorgen. „Das war nicht immer einfach“, sagt Andreas Mühle. Als er 1991 den Laden übernahm, wollte er sich auf eine Marke einschießen. Er bewarb sich bei verschiedenen Unternehmen, am Ende bekam er bei Renault den Zuschlag.

Die Autos des 21. Jahrhunderts werden immer moderner und sicherer, aber auch komplizierter. „Gerade die Karosserie ist hochkompliziert geworden“, sagt Andreas Mühle. Während die Stoßstangen nicht mehr allzu viel aushalten, werden bruchfreie Stähle verbaut, so dass die Autozellen bei Unfällen oft nicht mehr so stark beschädigt sind.
Wenn Andreas Mühle mal die Firma an seinen Sohn Martin (26) abgibt, dann will er sich einen kleinen Traum erfüllen. „Ich hoffe, ich habe im Ruhestand dann mal Zeit, einen Oldtimer aufzubauen.“ Bis zum Ruhestand dauert es jedoch noch ein wenig.“Jetzt hoffe ich erst mal, dass ich halbwegs gesund bleibe“, sagt er. Am Montag will er sein Meisterjubiläum in kleinem Rahmen feiern. „Wir werden am Morgen alle zusammen frühstücken, das ist in unserem Betrieb so üblich.“

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