Monatsarchiv für Oktober 2013

RTZapper

WDR-Check

Donnerstag, den 31. Oktober 2013
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MI 30.10.2013 | 20.15 Uhr | WDR

Inzwischen wird ja bei der ARD so ziemlich alles gecheckt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Und nun auch noch der WDR selbst.
Der neue Intendant Tom Buhrow stellte sich am Mittwoch live in der Primetime dem Publikum in der Möchengladbacher Studioarena. Ganz schön aufgeregt sei er, sagte er am Anfang. Es sei schließlich nichts geplant.

Buhrow hat’s überlebt, und der WDR auch. Wirklich wehgetan hat es aber auch nicht. Da wurde mal wieder auf die GEZ geschimpft (Buhrow hat Verständnis), darauf, dass im WDR zu viel Fußball und kaum andere Sportarten laufen (Buhrow hat Verständnis), dass die Doppelmoderationen in der “Aktuellen Stunde” überflüssig sind (Buhrow hat Verständnis), dass die Musik bei WDR2 ruhig abwechslungsreicher sein könnte (Buhrow hat Verständnis), dass oft zu viele Reporter von einem Ereignis berichten (Buhrow hat Verständnis) oder dass die Orchester des WDR so selten im Fernsehen zu erleben sind (Buhrow hat Versändnis).

Es ist nett und richtig, dass der Intendant sich anhört, was seine Zuschauer ihm zu sagen haben. Nur wirklich ändern wird sich nichts. König Fußball bleibt König. Die WDR2-Musik bliebt, wie sie ist. Die Doppelmoderationen in der “Aktuellen Stunde” müssen auch sein. Und so weiter. Verständnis ja, aber so ist das nun mal, vielen Dank für die faire Frage.
Aber vielleicht kommt ja doch alles ganz anders, und der Tom krempelt seinen laden ordentlich um.

aRTikel

Alles für den Film: Bis nachts um vier durchgedreht

Mittwoch, den 30. Oktober 2013
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Hannes Rössler (27) aus Oranienburg dreht einen Thriller / Arbeitstitel: „Licht“

MAZ Oranienburg, 30.10.2013

ORANIENBURG
Es ist spät geworden. Kurz vor vier am Sonnabendmorgen, die letzte Klappe fällt. Zumindest für diese Nacht. Hannes Rössler fällt völlig kaputt in sein Bett. Ihm bleiben gerade mal vier Stunden Schlaf, dann beginnt bereits der zweite Drehtag.
Der 27-Jährige aus Oranienburg arbeitet gerade an seinem dritten Film: “Licht”.
“Eine Frau wird Zeugin eines Mordes, oder sie glaubt, Zeugin zu sein”, erzählt Hannes. “Sie versucht, dem Rätsel auf die Schliche zu kommen.” Die Szenen dazu entstanden auf einem Hinterhof in Berlin-Neukölln. “Das gab natürlich Beschwerden bei der Hausverwaltung.” Kein Wunder: “Licht” soll ein Thriller mit einigen Gruseleffekten werden – inklusive Wummern an der Wand. Allerdings hatte Hannes Rössler mit Zetteln auf den Dreh hingewiesen, dass er bis 4 Uhr nachts dauerte, war jedoch nicht geplant.

Für die Dreharbeiten hat der Oranienburger Freunde und Kollegen um sich geschart. Die namentlich nicht benannte Hauptrolle spielt Sophie Altmann. Die Borgsdorferin kennt Hannes aus der Theatergruppe “Obst” am Oranienburger Runge-Gymnasium. “Ich habe sofort zugesagt”, als er mich gefragt hat”, erzählt sie. Sie mag dessen perfektionistische Art beim Dreh. “Alles soll so professionell wie möglich sein.” Bevor ihre Klappe fällt, bespricht der junge Regisseur die Szene mit seiner Hauptdarstellerin.
Als es dann losgehen kann, rennt Hannes in den nächsten Hausflur und die Treppen hoch. Er steht nun am Fenster eines Hausflures im vierten Obergeschoss. Er filmt von oben in den Hof. Hinter ihm steht ein Monitor, auf dem er die Szenen genauer beobachten kann. Alle brauchen viel Ausdauer. “Man will auf einen Knopf drücken, und der Film ist fertig”, sagt er und lächelt. “Mir dauert das alles immer zu lange.” Er hat sich so umfangreich wie noch nie auf einen Dreh vorbereitet. Die Idee dafür kam ihm November 2012. Die Geschichte hat er selbst geschrieben. Bevor der Dreh begann, ist das Team die Szenen Punkt für Punkt durchgegangen. Fünfmal haben sie sich vorher getroffen. “Das hat uns allen Sicherheit gegeben”, sagt Hannes.

Gestern war er bereits dabei, sein Werk zu schneiden. “Licht” soll nicht länger als 15 Minuten werden. Ansonsten könnte Hannes ihn nicht auf Kurzfilmfestivals schicken. “Und wenn ich ihn ins Internet stelle, ist es ja auch besser, wenn er eher kürzer ist.” Auf jeden Fall findet eine Premiere statt, in einem halben bis dreiviertel Jahr.
Ansonsten konzentriert sich der 27-Jährige weiter auf die Medizin. Gerade hat er sein Studium abgeschlossen, die Doktorarbeit steht noch aus. Im kommenden Jahr möchte er sich eine Stelle in der neurologischen oder psychiatrischen Abteilung einer Klinik suchen. Auch die Musik und seine Band Jazzkomplott bleiben weiterhin ein Thema. Sich komplett auf die Filmbranche zu stürzen, kommt für ihn momentan nicht in Frage. “Vielleicht ginge ein Kompromiss”, sagt Hannes. Jetzt nimmt er sich jedoch erst mal die Zeit, aus “Licht” einen fertigen Film herzustellen.

RTelenovela

Klinik (3): Gegessen wird, was auf den Tisch kommt

Mittwoch, den 30. Oktober 2013
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(2) -> 27.10.2013

Im Krankenhaus bin ich einem Irrtum aufgesessen. Eigentlich dachte ich, dass das Pflegepersonal mir sagen kann und muss, was ich denn in meinem Krankheitsfall essen darf und was nicht. In der Oranienburger Klinik ist das anders.

Nachdem ich fast zwei Tage nur über den Tropf oder von Milchsuppe ernährt worden bin, gab es eine freudige Nachricht: Ich bekomme nun Schonkost! Also, zumindest war das die Ankündigung der Ärztin bei der morgendlichen Visite.
Beim Pflegepersonal muss das anders angekommen sein. Zum Mittag gabs Putenfleisch mit Soße, Kartoffeln, dazu irgendein Weißkrautsalat und eingeweckte Erdbeeren zum Nachtisch. Etwas irritiert blickte ich auf das Mahl und wusste: Pute, okay. Kartoffeln, ja, warum nicht. Weißkrautsalat? Auf gar keinen Fall! Erdbeeren, nicht unbedingt. Ich mümmelte ein wenig am Essen herum, viel Hunger hatte ich sowieso nicht, mein Magen war das viele Essen auch gar nicht mehr gewöhnt.
Am Ende blickte ich auf den Zettel, der auf dem Tablett lag: Vollkost.

Meine Nachfrage, was denn da schiefgelaufen sei, ergab nur ein Schulterzucken. Wie auch schon am Morgen, als ich anmerkte, dass ich die wässrige Milchsuppe am Abend davor nicht besonders vertragen habe. Ich bekam am Morgen trotzdem eine neue.
Zum Abendbrot gabs dann wieder Vollkost. Mit Salami – mit Fett, das ich erst mal meiden soll. Und mit Weizenmischbrot. Ich kaufe in der Regel lieber Roggenmischbrot, weil ich das besser vertrage. Haben sie in der Klinik aber nicht. Und das in einem Haus, das sich damit rühmt, auf Allergien reagieren zu können.

Auch am kompletten nächsten Tag bekam ich wieder und wieder Vollkost. Was einmal im System steht, wird auch nicht mehr geändert. Punkt. Am Tag zuvor kommt nämlich eine Pflegerin und gibt ein, was man denn Essen möchte. Was davon Voll- oder Schonkost ist, wusste ich allerdings nicht. Wenn man eine Obstschale bestellt, weiß man nicht, was denn für Obst kommt. Obst eben. Entscheidet man in der Küche kurzfristig.
Ich habe gehört, dass andere Kliniken, was das Essen angeht, fortschrittlicher, aber vor allem patientenorientierter ist. In Oranienburg wird das Essen am Bedarf (am gesundheitlichen Bedarf!) des Patienten vorbeiverteilt. In der Hinsicht gibt es dort großen Optimierungsbedarf.

RTZapper

Tatort: Aus der Tiefe der Zeit

Mittwoch, den 30. Oktober 2013
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SO 27.10.2013 | 20.15 Uhr | Das Erste

Schon wieder so ein “Tatort”! Das Echo bei Twitter und Co. war am Sonntagabend ziemlich eindeutig. Der Münchener Fall “Aus der Tiefe der Zeit” sorgte bei vielen Menschen für Kopfschütteln. Eine wirre Story, eine seltsame Optik mit ruckartigen Zooms und ewigen Schnitten. Dazu überflüssige, sekundenschnelle Zwischenbilder – ach, und habe ich die wirre Story schon erwähnt?

Der BR hat sich für den jüngsten “Tatort” den Regisseur Dominik Graf angeheuert. Graf wird von den Kritikern gefeiert, vom Publikum aber oft ignoriert. Vermeintliche Serienhits wie “Im Angesicht des Verbrechens” werden vorab in der Presse bejubelt, aber vom Fernsehvolk geschmäht.
Beim “Tatort” ist das anders. Denn das ist ja der “Tatort”, und sonntags gucken um die zehn Millionen Menschen eben jenen “Tatort”, egal, was passiert. Egal, wie doof der ist.

Ein echtes Phänomen, das die ARD ausnutzt. Glücklicherweise ausnutzt. Die Krimischreiber könnten es sich einfach machen und angesichts des Megaerfolges ihre herkömmlichen Geschichten abspulen. Mord. Ermittlung. Verhaftung. Ende.
Aber die ARD geht den schweren Weg und mutet den Millionen Zuschauern auch mal nicht so einfache Kost zu. Abseitige Geschichten. Ungewöhnliche Erzählarten. Optik abseits vom Bekannten.
Das kommt natürlich nicht immer gut an, kann es ja auch nicht. Aber selbst wenn sich die Menschen darüber aufregen: Sie beschäftigen sich damit und warten ab, was denn da nächsten Sonntag wieder auf sie zukommt. Sie lassen sich darauf ein.
So was geschafft zu haben, eine Marke im Programm zu haben, mit der man sich auch mal was trauen kann, mit der man auch zwischendurch mal scheitern kann, das ist ein echter Verdienst der ARD. Ein wahrer Schatz.

RTZapper

Cannonball

Dienstag, den 29. Oktober 2013
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SA 26.10.2013 | 4.10 Uhr (So.) | Das Erste

Eine langweilige Sonntagnacht in einem Leipziger Kontrollraum. Guntram starrt auf den Monitor. Das Erste überträgt Boxen. Guntram hasst Boxen. Aber leider ist er ja der Sendeabwickler für Das Erste.
4 Uhr. Eigentlich sollte nun der Spielfilm “Cannonball” von 1976 starten. Guntram möchte den gern sehen. Aber in Atlantic City boxen sie immer noch.
Auf Guntrams Plan steht es ganz deutlich: Wenn “Cannonball” bis 4.08 Uhr nicht startet, dann muss der Film ausfallen, um nicht ins Kinderprogramm am Sonntagmorgen reinzureichen.

Guntrams Finger liegt auf dem Play-Knopf. Er zittert. “Cannonball”! Er will “Canonball” sehen.
4.07 Uhr. Immer noch boxen sie. Immer noch live im Ersten. Bald ist die Zeit für “Cannonball” abgelaufen. Guntram starrt auf den Monitor. Er hasst es. Boxen, er hasst Boxen. Er will es nicht mehr sehen!

4.08 Uhr. Die Boxfans erstarren. Mitten in Runde 5 bricht die Übertragung ab, es folgt der Hinweis, dass die kommende Sendung für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet sei. Es beginnt “Cannonball”. Vom Boxkampf ist keine Rede mehr. Dass da ARD-Reporter in den USA sitzen und ein Ereignis kommentieren, das gar nicht mehr übertragen wird…
Tja, Guntram war’s egal – er konnte doch noch “Cannonball” sehen.

Keine Ahnung, ob das so abgelaufen ist. Bei der ARD gab man sich jedenfalls am Sonntag sehr kleinlaut, es habe eine Kommunikationspanne gegeben (kein technisches Versagen, wohlgemerkt!). Und was aus Guntram (oder wie immer er auch heißt) geworden ist, ob er je wieder Nachtdienst in der Sendeabwicklung machen darf, ob er überhaupt noch an diesem Platz arbeiten darf – wir werden es wohl nicht erfahren.

RTZapper

Die Stunde, die es nicht gibt: Zeitverschiebung

Dienstag, den 29. Oktober 2013
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SA 26.10.2013 | 2.15 Uhr (So.) | ffn

Beim niedersächsischen Radiosender ffn ist das inzwischen Tradition: “Die Stunde, die es nicht gibt”. Das Frühstyxradio darf die Stunde zwischen 2 und 2 Uhr füllen. Comedy, die um 2 Uhr beginnt und um 2 Uhr endet, so, als wäre nichts geschehen zwischen der dudelnden “Musik nonstop”.

In diesem Jahr aber ist etwas schiefgegangen. Wieder wurde die Sendung angekündigt, aber um 2 Uhr dudelte ffn immer noch. Auch um 2.10 Uhr ist nichts passiert.
Hat jemand den Sendecomputer falsch programmiert? Oder ist der Verantwortliche, der um 2 Uhr das Knöpfchen drücken sollte, eingeschlafen?
Die Enttäuschung der Fans auf facebook war groß – und die Irritation darüber, dass die angekündigte Sendung ausfiel, auch.

Um 2.17 Uhr begann sie dann doch, “Die Stunde, die es nicht gibt”. Nur dauerte sie bei ffn nicht von 2 bis 2 Uhr, sondern von 2.17 bis 2.17 Uhr.
Kann ja mal passieren. Und zur Not kann man das ja auch als total crazy darstellen.

RT im Kino

Exit Marrakech

Dienstag, den 29. Oktober 2013

Sommerferien in Marokko. Was für ein Knaller!
Ben (Samuel Schneider) sieht das allerdings anders. Der 17-Jährige soll seinen Vater in Marrakesch besuchen. Heinrich (Ulrich Tukur), ein Theaterregisseur, nimmt dort an einem internationalen Festival teil. Er lebt schon sehr lange nicht mehr bei seiner Familie, die Eltern hatten sich einst getrennt. Für Land und Leute interessiert er sich allerdings nicht. Ben geht das gegen den Strich. Er findet das Theater unspannend, Vater und Sohn kommen nicht klar, Ben will aber wenigstens was von Marokko mitbekommen.
Er haut ab, begibt sich auf eigene Faust die Stadt. Er verliebt sich in Karima (Hafsia Herzi), eine Prostituierte. Sie reisen in ihr Heimatdorf im Atlasgebirge, und Heinrich begibt sich auf die Suche nach seinem Sohn.

Caroline Link führt den Zuschauer in eine für deutsche Zuschauer meist völlig fremde Welt. Mitunter entstanden die Szenen aus Marrakesch mit versteckter Kamera: hautnah und unverstellt. Der Film strahlt dadurch eine große Faszination aus. Lebensfreude, Armut, Genügsamkeit liegen eng beieinander.
Die Regisseurin und Autorin hat in dieses Umfeld eine Famliengeschichte gelegt. Vater und Sohn, die sich nicht kennen, sich sich eigentlich gern aus dem Weg gehen wollen. Dabei brauchen sie sich, auch wenn sie das nicht merken. Auf der Suche nach sich selbst, finden sie auch das Land, das sie bereisen. Ein beeindruckender Film!

Exit Marrakech
D 2013, Regie: Caroline Link
Studiocanal, 122 Minuten, ab 6
9/10