Tagesarchiv für 25. September 2013

RTZapper

Nichts mehr wie vorher

Mittwoch, den 25. September 2013
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DI 24.09.2013 | 20.15 Uhr | Sat.1

Ein elfjähriges Kind ist bestialisch ermordet und vorher vergewaltigt worden. Daniel (16) war in der Nähe, als der Mord geschah. Der Verdacht fällt auf ihn, und alle erfahren es.

Es läuft viel Schund auf Sat.1, sehr viel Schund, aber ab und zu ist dann doch mal Sehenswertes dabei. “Nichts mehr wie vorher” erzählte am Dienstagabend von der Vorverurteilung eines jungen Mannes.
Alles spricht gegen ihn, die Indizien scheinen erdrückend. Und die Polizei schützt ihn nicht genug, lässt zu, dass sein Gesicht der Öffentlichkeit preisgegeben wird. Daniels Familie geht durch die Hölle, und sein Vater zweifelt irgendwann auch an der Unschuld seines Sohnes.

Das Spannende ist: Selbst der Zuschauer kann sich nicht immer sein, ob Daniel, gespielt von Jonas Nay, schuldig ist oder nicht. Er wird genauso auf die Probe gestellt. Da findet der Vater ein schwules Pornoheft und Chatprotokolle. Die Ermittlerin glaubt fest an Daniels Schuld und plaudert ihr Bedauern aus, dass er noch nichts zugegeben hat.
In diesem Film hat die Übertreibung durchaus Methode. Denn alle versagen: der Vater, die Polizei, die Staatsanwaltschaft, die Gesellschaft und die Medien. Aber das soll sicherlich so sein, die Leute müssen wohl mit der Nase auf das Problem gestoßen werden. Niemand soll abgestempelt werden, ohne dass Recht gesprochen wurde. Verdächtige haben Rechte, denn nicht jeder Verdächtige ist auch schuldig.
Das hat der Sat.1-Film zwar überplakativ gezeigt, aber vielleicht hat ja der eine oder andere dazugelernt.

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RT im Kino

König von Deutschland

Mittwoch, den 25. September 2013

Thomas Müller (Olli Dittrich) ist Durchschnitt. Also wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes. Er ist der absolute Durchschnittsdeutsche. Er ist durchschnittlich klug, hat einen durchschnittlichen Geschmack, ein durchschnittliches Gehalt – eben alles ist Durchschnitt bei ihm.
Aber irgendwas ist seltsam: Er erwähnt, dass es Bierflaschen mit Schraubverschlüssen geben muss. Und schon kommen sie wenig später auf den Markt. Die neue Autobahn darf nicht durch den Wald führen. Und schon schwenkt die Politik um.
Haben die seltsamen Vorfälle etwa mit seinem neuen Job zu tun? Steht er gar unter Beobachtung?

Wir alle werden beobachtet, das wissen wir spätestens seit der NSA-Abhöraffäre. Bei Thomas Müller ist es aber noch etwas anderes: Er ist der Durchschnitt, und deshalb ersetzt er Meinungsumfragen. Was Müller gut findet, findet Deutschland gut. Glaubt jedenfalls Müllers neuer “Arbeitgeber”.
Daraus entwickelt sich eine sowohl interessante, in Teilen spannende und lustige Geschichte. Müllers Frau (Veronica Ferres) spielt in dieser, fast möchte man sagen Intrige eine nicht ganz unwichtige Rolle. Müllers Sohn Alexander (Jonas Nay) versucht dagegen, seinen Vater aus der misslichen Situation zu befreien. Denn Thomas Müller will nicht mehr der Durchschnitt sein.
Eine deutsche Komödie, mit interessantem Hintergrund, die durchaus abseits des Story-Mainstreams unterwegs ist.

König von Deutschland
D 2013, Regie: David Dietl
Zorrofilm, 97 Minuten, ab 0
8/10

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