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Manchmal bedient sich Mama aus der Brotbüchse

Moritz Steinmöller (16) sieht seine Mutter jeden Tag in der Schule / Privates wird getrennt

MAZ Oranienburg, 29.8.2013

LEEGEBRUCH
Vertretungsstunde bei Frau Steinmöller. Dem 16-jährigen Moritz aus Leegebruch ist das bisher erst dreimal in seiner Schullaufbahn am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium passiert. Besonders begeistert darüber war er anfangs nicht. Denn Frau Steinmöller ist seine Mutter. Und Unterricht mit der eigenen Mama?

Seit Bastian Bielendorfer und sein „Lehrerkind“-Buch in den Bestsellerlisten standen, gilt die Beziehung von Lehrerkindern und ihren Eltern als beliebtes Talkshowthema. Besonders wenn die eigenen Eltern auch noch an derselben Schule unterrichten. Darf man Bielendorfers Schilderungen glauben, muss es oft die Psycho-hölle gewesen sein.

Moritz Steinmöller nimmt das alles eher gelassen hin. Auch er hatte das Buch schon mal in der Hand. „Ist bestimmt ganz spannend, aber mir geht’s ja noch ganz gut“, sagt er und schmunzelt ein bisschen. Er kennt die Probleme eines Lehrerkindes kaum. Die Grenzen zwischen Schule und Privatleben sind klar gezogen. „Es gab mal eine Vertretungsstunde, in der meine Mutter gleich mal das Handy eines Freundes eingezogen hat“, erinnert er sich. „Der meinte dann danach zu mir, ob ich das nicht klären könne.“ Aber Moritz hatte dafür nur ein Schulterzucken übrig. Nein, das Problem müsse er schon selber lösen, hatte er zu dem Freund gesagt.

Moritz hätte auch an eine andere Schule gehen können, aber das LHG war sein Erstwunsch, das Runge-Gymnasium stand auf Platz zwei. Schon sein Bruder Bastian besuchte das LHG, „und er hat mir davon nicht abgeraten“, sagt Moritz.
Als er in die 7. Klasse kam, haben sich seine Mutter Ariete und er versprochen, Schule und Privates streng zu trennen. „Das schaffen wir auch ganz gut. Ich habe noch nie in ein Klassenbuch geguckt, um zu sehen, wie Moritz’ Noten sind“, sagt Ariete Steinmöller. „Ich gehe davon aus, dass er mir das dann zu Hause erzählt.“ Moritz nickt und lächelt wieder. Falls er doch mal sein Herz ausschütten will, dann heißt es vorher: „Das erzähle ich dir als Mutti.“ Es sei in der Situation für Moritz völlig unerheblich, wo sich der Arbeitsplatz der Mutter befinde. „Auch wenn mir meine Kollegen erzählen wollen, was Moritz eventuell angestellt hat, blocke ich ab.“ Sie fragt dann den anderen Lehrer, ob das Geschehen so gravierend sei, dass ein Elternbesuch notwendig wäre. „Die allermeisten Kollegen verhalten sich in der Hinsicht hochprofessionell“, sagt sie. Dazu gehört auch, dass Moritz als Lehrerkind von den anderen Lehrern weder bevorzugt oder benachteiligt wird.
„Wir begegnen uns in der Schule auch relativ selten“, erzählt Ariete Steinmöller. „Manchmal stibitze ich aber heimlich etwas aus seiner Brotbüchse“, gibt sie zu. „Ich nehme auch zur Kenntnis, mit wem er sich so unterhält, aber das sind ja in der Regel dieselben Leute, die auch mal bei uns zu Hause sind.“

Im Gegensatz zu den Bielendorfers bekommen die Steinmöllers den gemeinsamen Schulalltag meistens sehr gut hin.

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