Tagesarchiv für 6. August 2013

RT im Kino

The Company you keep

Dienstag, den 6. August 2013

Die Zeit heilt alle Wunden, heißt es. Stimmt aber nicht. Jedenfalls nicht immer. Manchmal kann die Zeit auch alte Wunden wieder aufreißen.

Es ist gut 30 Jahre her. Sharon Solarz (Susan Sarandon) war an einem Banküberfall beteiligt, bei dem ein Familienvater starb. Sie wollte sich nach so langer Zeit stellen, doch das FBI kam ihr zuvor. Sie will, dass der Anwalt Jim Grant (Robert Redford) sie vertritt, doch der lehnt das ab.
Das ruft den Lokaljournalisten Benjamin Schulberg (Shia LaBeouf) auf den Plan. Er will von Grant wissen, wieso er den Fall ablehnt. Schulberg deckt auf, dass Grant nicht Grant ist, sondern vor eben jenen 30 Jahren mit zu der Gruppe gehörte, die am banküberfall beteiligt war.
Die aktuellen Ereignisse schrecken nun alle auf, die damals irgendwie dabei waren.

Robert Redford erzählt in “The Company you keep” von einer Schuld, die nie endet. Aber auch von den Leben, die nach der Tat 30 Jahre lang gelebt worden sind. Der Zuschauer kann aus verschiedenen Blickwinkeln erleben, wie die Menschen damit umgehen. Die damaligen Täter, die sich mit dem damaligen Geschehen auseinandersetzen müssen. Der Journalist, der seine Story des Lebens wittert.
Das ist durchaus interessant, aber leider nicht ganz so packend, wie es hätte sein können. Dazu kommen einem die Figuren nicht nah genug – hinzu kommt eine teilweise qualitativ schlechte Synchronisation, einige der Figuren wirken stimmlich seltsam blutleer.
Bemerkenswert ist in dem Film die Rolle der Zeitung gezeigt – das sterbende Medium, das kein Geld mehr hat und auf dem absteigenden Ast ist.

The Company you keep
USA 2012, Regie: Robert Redford
Concorde, 122 Minuten, ab 6
6/10

Hits: 77

RTZapper

Tagesthemen: Thomas Roth

Dienstag, den 6. August 2013
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MO 05.08.2013 | 21.20 Uhr | Das Erste

Ein ganz kleines bisschen aufgeregt schien er dann doch gewesen zu sein: Thomas Roth, die neue, junge Nachrichtenhoffnung der ARD, hatte am Montagabend seine Premiere in den “Tagesthemen”. Der Newcomer ist 61 und damit ungefähr so alt wie der Durchschnittszuschauer des Ersten. Kurz vor der Rente darf der Ex-Korrespondent uns nun die Themen des Tages erklären. Für den echten Nachwuchs war da leider kein Platz, als Tom Buhrow zum WDR-Intendanten berufen worden ist und den Platz beim Nachrichtenmagazin räumen musste. Vielleicht haben sich die ARD-Intendanten aber einfach nur nicht getraut, ein bisschen frischen Wind in die Newsbude ziehen zu lassen. Ingo Zamperoni spielt weiterhin nur die dritte Geige, darf nur als Ersatz ins Studio.

Über den Sinn (oder eher: Unsinn) der “Tagesthemen” in der Halbzeitpause von Fußballspielen ist hier schon viel gesagt worden. Am Montag gab es die Nachrichten in der Pause des total spannenden (gähn) Fußballkrachers München gegen Rehden. Die “Tagesthemen” hatten gerade mal sieben Minuten Zeit und drei Themen. Der Nachrichtenblock bestand aus vier popligen Meldungen. Trotzdem: Die Schalte live nach Istanbul musste sein, sie dauerte aber gerade mal 29 Sekunden und bestand aus einer (genau einer!) Frage. Was für ein Aufwand für Nichts. Und noch nicht gerade anspruchsvoll für Herrn Roth. Na, wird schon noch…

Hits: 2358

RT liest

Julian Heun: Strawberry Fields Berlin

Dienstag, den 6. August 2013

Sagen wir mal so: Das Buch sieht gut aus. Das Cover, ganz gelb, schwarze Schrift, eine Brille, macht neugierig. Der Autor ist, so heißt es, ein gefeierter Poetry-Slamer. Jetzt also ein Roman.

Da ist zum einen Robert. Er ist ausgestiegen und reist seiner großen Liebe nach Indien nach. Tatsächlich findet er sie, in einem Hippiecamp. Doch es ist nicht das, was Robert erwartet hat.
Und Schüttler. Schüttler ist Journalist bei einer in Berlin sitzenden Zeitung. Offenbar hat er nicht gerade einen Knochenjob, schreibt über irgendeine Nacktmalerin, er fickt sie, fotografiert sie, und als das Ganze in der Zeitung steht, ist sie nicht ganz so amüsiert. Ach ja, und dann noch diese Hipster. Schüttler hasst Hipster und tritt ihnen gern mal in den Hacken oder beschießt sie mit irgendwas. Hipster gehen gar nicht, findet Schüttler.

Meine Güte.
Ja, klar, irgendwie ist “Strawberry Fields Berlin” interessant aufgeschrieben. Die zwei parallel erzählten Geschichten sind durchaus außergewöhnlich komponiert, und dass sie dann doch zusammengehören, ist ein interessanter Kniff.
Trotzdem lässt einem das Geschehen völlig kalt. Hipster? Also, wirklich: Darüber kann man sich aufregen? Das ist wirklich ein Thema, das man seitenweise erörtern kann? Kann man. Ist aber doof. Ich dachte, das Thema sei durch. Außerdem ist Schüttler leider ein ziemliches Arschloch. Nun sind Arschlöcher ist ja oft die spannendsten Charaktere in solchen Geschichten, aber Schüttler ist einfach nur ein bemitleidenswerter Idiot. Er ist faul, arrogant und durch und durch ein Unsympath.
Die Szenen rund um Robert in Indien sind zwar recht gut beschrieben, aber Robert ist leider auch ein Langweiler, die Geschichte ist noch deutlicher belanglos als Schüttlers.
Julian Heun ist viel Potenzial, das zeigt er mit seinem Roman ganz deutlich, inhaltlich ist “Strawberry Fields Berlin” dann aber doch enttäuschend.

Julian Heun: Strawberry Fields Berlin
rowohlt Berlin, 222 Seiten
4/10

Hits: 40

RTelenovela

Portugal (12): Ein Funke genügt

Dienstag, den 6. August 2013
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(11) -> 4.8.2013

Ein Ausflug während der Woche in der Algarve führte uns zu einer Bekannten meiner Cousine. Die deutsche Familie lebt seit zehn Jahren in Portugal. Der Mann arbeitet in einer Bäckerei, die Frau bewirtschaftet den Hof, der Sohn besucht eine portugiesische Schule.
Der Weg zum Hof führt quasi durch die Steppe. Von der großen Hauptstraße führt ein schmaler Sandweg durchs Nichts, ein extrem holpriger Weg, bei dem das Auto schon mal aufsetzt, bringt uns zum Hof.
Die Ruhe dort ist fast schon ein bisschen bedrückend.

Die Familie war einst lange auf der Suche nach einem Grundstück, erzählt die Frau. Das, wo sie jetzt leben, sei das Letzte gewesen, was sich sich angesehen hatten – im strömenden Regen. Man solle sich Grundstücke immer im Regen ansehen, wenn es gerade nicht so gut aussieht, wie zum Beispiel bei Sonnenschein. Heute bereuen sie es ein wenig, sich einen so großen Hof und ein altes Haus zugelegt zu haben. Jetzt, zehn Jahre danach, hätten sie sehr viel damit zun tun, alles instandzuhalten. Viel Geld, alles in Schuss zu halten, sei nicht da.

Spannend werde es, wenn es irgendwie in der Nähe einen Brand gibt. Und das kommt im Sommer leider gar nicht so selten vor. So weit, dass sie kurz davor waren, zu flüchten, Haus und Hof aufzugeben, waren sie wohl erst einmal. Jetzt setzen sie sich irgendwo hin und beobachten, wie sich das Feuer entwickelt. Rast es auf sie zu, dann müssen sie eben handeln. Vorher bleibt ihnen nichts anderes übrig, als zu warten. Bei der Trockenheit fehlt nicht viel, um ein Feuer auszulösen. Und der kleinste Funke kann in der dortigen Steppe eine Katastrophe auslösen.

Unweit des Hofes gibt es riesige Flächen, auf denen beispielsweise Erdbeeren und Himbeeren angebaut werden – ganzjährig, teilweise im Gewächshaus. Bis vor einigen Jahren hätten vor allem Bulgaren diese Arbeit erledigt, nun seien es oft Thailänder. Und die Portugiesen – das kommt einem irgendwie bekannt vor – haben nun Angst, dass ihnen die Thailänder alles unter dem Arsch wegklauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Sei natürlich alles Unsinn, sagt die Frau.
Zudem gebe es bei den Pflückern eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Portugiesen dürften so zum Beispiel nur Erdbeeren pflücken, die auf einer Erhöhung angebaut seien. Die Thailänder dagegen müssen sich bücken, müssen schwerer arbeiten und werden dafür mieser bezahlt. Kein Wunder also, dass Portugiesen die Scheißarbeit nicht machen wollen.
Solche Zustände und Befindlichkeiten gibt es also nicht nur in Deutschland. Interessant, so was mal zu hören.

Hits: 38