Monatsarchiv für August 2013

ORA aktuell

Streik in Oranienburger Kaufland-Filiale

Samstag, den 31. August 2013
Tags:

38 Beschäftigte aus dem Oranienburger Kaufland traten am Donnerstag die Arbeit niedergelegt. Das berichtet die Märkische Allgemeine. Anlass sind die aktuellen Tarifverhandlungen in Berlin, es geht um mehr Geld für Azubis, die Angleichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld an das Westniveau sowie um die verhinderung einer Niedriglohngruppe.
Vom Streik war im Kaufland wenig zu spüren. Mitarbeiter aus anderen Filialen kamen zum Einsatz. Allerdings gab es Lautsprecherdurchsagen und Zettel.

aRTikel

1993: Hennigsdorfer boykottieren Unterricht

Freitag, den 30. August 2013
Tags: , , , , , , , , , , ,

Juli 1993 -> 27.7.2013

Vor 20 Jahren: Beliebte Lehrerin soll Diesterwegschule verlassen / Weiße Stadt an Kesting verkauft / Polizeieinsatz in Stolpe

MAZ Oranienburg, 30.8.2013

Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal der Juli und August 1993.

OBERHAVEL
In der Gemeinde Schwante herrscht Klarheit: Das Schloss soll nicht verkauft, sondern nur verpachtet werden. Konsul Ronald Bauermeister ist enttäuscht, er wollte das Grundstück kaufen, das Schloss sanieren und es zur „kulinarischen Residenz“ ausbauen. Ob der Honorarkonsul seine Pläne trotzdem umsetzt, lässt er noch offen.

In Hennigsdorf entsteht am 22. Juli 1993 ein Menschenauflauf. Eine nackte Frau ist auf der Straße unterwegs. Die Polizei kommt vorsorglich mit einer Decke vorbei. Die Frau kann sich aus naheliegenden Gründen nicht ausweisen. Es handelt sich um eine 35-Jährige in psychischer Behandlung.

Ein Unfall auf der Rollbahn des russischen Militärflugplatzes in Oranienburg fordert acht Schwerverletzte. Militärangehörige nutzten die Betonpiste für Testfahrten mit neuerworbenen Autos. Dabei stießen zwei vollbesetzte Wagen frontal zusammen und wurden dabei total zerstört.

Die Oranienburger Stadtverordneten protestieren gegen den Verkauf der Weißen Stadt. Die Firma Kesting habe das gesamte Gelände gekauft, so heißt es. Die Vertreter von CDU und FDP kritisieren, dass die Weiße Stadt mit 31.450 Quadratmetern für nur eine Mark verschleudert worden sei. Firmenchef Klaus Kesting merkt jedoch an, dass dazu Sozialbindung, Abrisskosten und Altlastensanierung gehören, die er bezahlen müsse.
Unterdessen verhandeln die Liebenwalder mit Klaus Kesting über einen Verkauf des ehemaligen Krankenhausgeländes. Die Stadt verspricht sich davon Geld für einen Schulerweiterungsbau.

Landrat Karl-Heinz Schröter will offenbar auf eine Kandidatur als Landrat für den künftigen Kreis Oberhavel verzichten. Die Doppelfunktion als Landrat und Bundestagabgeordneter sei kräftemäßig nur für eine Wahlperiode zu schaffen. Auch gibt er zu, gern mal in den Regierungsbänken sitzen zu wollen. Allerdings lässt sich Schröter am 3. August 1993 noch ein Landratshintertürchen offen. „Bislang“ wolle er verzichten.

Einen Tag später hat Christa Balke, die Bürgermeisterin von Hammer, Tränen in den Augen. Helfer räumen die Grundschule aus. Aus Mangel an Kindern ist sie geschlossen worden, die Verbliebenen müssen nach Liebenwalde oder Neuholland.

An der neuen Bötzower Turnhalle ist am 6. August 1993 Richtfest. Zurzeit haben die Kinder keine Möglichkeit, Sport zu treiben.

Ist das geplante Atrium-Einkaufszentrum gegenüber des Oranienburger Schlosses nur ein Windei? Die Mitglieder des städtischen Bauausschusses sind „arg befremdet“, dass immer noch kein Bauantrag dafür vorliegt.

Aus dem Wutzsee in Hammer wird ein Netz mit toten, vor sich hinfaulenden Fischen geholt. Zuvor hatte sich im Wasser bereits ein Fettfilm gebildet. Die Beseitigung durch einen Prendener Fischer zog sich eine gute Woche hin.

Mit einem Warnstreik boykottieren 256 Schüler der Hennigsdorfer Diesterwegschule am 11. August 1993 den Unterricht. Grund: Das Schulamt will eine beliebte Lehrerin an die Kremmener Gesamtschule versetzen. Erst wenige Tage zuvor hatte die Lehrerin erfahren, dass sie nach Kremmen wechseln muss.

Auf dem Dorffest in Stolpe kommt es zu einem massiven Polizeieinsatz. Aus einem Zoff am Bierzelt wird eine ganz große Sache. Etwa 20 Beamte in Vollausrüstung umstellen den Platz, die Gäste werden aufgefordert, das Areal zu räumen. Die Stolper sehen das als unverhältnismäßig an und weigern sich, worauf die Polizei das Gelände gewaltsam räumen lässt. Im Nachhinein gibt es heftige Kritik an den Einsatzkräften, die nicht das Gespräch mit den Menschen gesucht, stattdessen provoziert haben sollen.

RTelenovela

Ein Hoch auf die Technik (28): Alle 15 Minuten brummt’s

Freitag, den 30. August 2013
Tags: , ,

(27) -> 13.6.2013

Kurze Ansage im Kremmener Sozialausschuss: Ich brumme alle 15 Minuten, lassen Sie sich davon nicht ablenken!
Diese Ansage zu Beginn der Sitzung war durchaus notwendig, denn schon den ganzen Tag laufe ich mit einem Blutdruckmesser durch die Gegend. Alle 15 Minuten soll mein Blutdruck gemssen werden, und das 24 Stunden lang. Verheimlichen kann ich das nicht, denn das Brummen ist nicht gerade leise. Schon im Büro sorgte das für den einen oder anderen Lacher.

Und so ernte ich auch in Kremmen immer wieder amüsierte Blicke, als ich die Sitzung des Ausschusses im Rathaus verfolge. Einmal fragt der Bürgermeister belustigt, warum ich denn noch nicht gebrummt hätte – worauf alle anderen rufen, dass sie das Brummen schon mehrmals gehört hätten.
Schön, wenn man so im Mittelpunkt der Lokalpolitik steht.

In unserer modernen Welt sollte es doch möglich sein, mal leisere 24-Stunden-Blutdruckmesser zu erfinden. Und vielleicht kann man ja auch auf die lästige Manschette am Arm verzichten, die einem alle 15 Minuten fast die Luft abschnürt – oder mindestens das Blut im Arm. Ich rufe hiermit einen Ideenwettbewerb aus!
Und während es in dieser Sekunde wieder brummt und mein linker Arm zum Schreiben ausfällt – freue ich mich auf noch gut zehn Stunden Gebrumm.

RT im Kino

Hai-Alarm am Müggelsee

Donnerstag, den 29. August 2013

Upsi. Da isse weg, die Hand. Schlupp. Einfach so. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Da will man mal im Müggelsee baden, und dann das. Hat da etwa ein Hai haps gemacht?
Friedrichshagen, ein Ortsteil von Berlin, ist jedenfalls in heller Aufregung. Der Bürgermeister (Henry Hübchen) befürchtet das Schlimmste und hofft, marketingtechnisch das Beste rausholen zu können: Am Müggelsee wird der Hai-Alarm ausgerufen.

Leander Haußmann und Sven Regener haben mit dem “Hai-Alarm am Müggelsee” einen hübsch bekloppten Film gedreht. Einen, in dem alle, wirklich ausnahmslos alle, eine absolute Meise haben. Glücklicherweise ist es eine Meise, die auch und gerade dem Zuschauer Spaß bringt. Es scheint, als ob die Macher in jeder Szene einen Gag unterbringen wollte – bildlich oder textlich. Und im Großen und Ganzen gelingt ihnen das auch. Da tauchen Leute aus dem Nichts auf, sind total irre oder reden Nonsens.
Tom Schilling spielt einen, na ja, Fischexperten. Katharina Thalbach ist die arme Irre. Horst Pinnow der/die schrullige Alte. Michael Gwisdek der bescheuerte Bademeister. Benno Fürmann der ach so reiche Mann aus Friedrichshagen. Detlev Buck der wichtige Polizist. Hinzu kommen weitere herrlich schrullige Nebenrollen.
Den Film darf man nicht ernst nehmen, er nimmt sich selbst nicht ernst. Einige Szenen wirken schon ein bisschen billig, aber das sollen sie vielleicht auch. Hier kommt es auf den Spaß an, auf lustige knappe zwei Stunden. Das ist dem Team gelungen.
Und bald geht’s mal an den Müggelsee. Haie suchen.

Hai-Alarm am Müggelsee
D 2012, Regie: Leander Haußmann, Sven Regener
X-Verleih, 103 Minuten, ab 12
7/10

aRTikel

Manchmal bedient sich Mama aus der Brotbüchse

Donnerstag, den 29. August 2013
Tags: , ,

Moritz Steinmöller (16) sieht seine Mutter jeden Tag in der Schule / Privates wird getrennt

MAZ Oranienburg, 29.8.2013

LEEGEBRUCH
Vertretungsstunde bei Frau Steinmöller. Dem 16-jährigen Moritz aus Leegebruch ist das bisher erst dreimal in seiner Schullaufbahn am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium passiert. Besonders begeistert darüber war er anfangs nicht. Denn Frau Steinmöller ist seine Mutter. Und Unterricht mit der eigenen Mama?

Seit Bastian Bielendorfer und sein „Lehrerkind“-Buch in den Bestsellerlisten standen, gilt die Beziehung von Lehrerkindern und ihren Eltern als beliebtes Talkshowthema. Besonders wenn die eigenen Eltern auch noch an derselben Schule unterrichten. Darf man Bielendorfers Schilderungen glauben, muss es oft die Psycho-hölle gewesen sein.

Moritz Steinmöller nimmt das alles eher gelassen hin. Auch er hatte das Buch schon mal in der Hand. „Ist bestimmt ganz spannend, aber mir geht’s ja noch ganz gut“, sagt er und schmunzelt ein bisschen. Er kennt die Probleme eines Lehrerkindes kaum. Die Grenzen zwischen Schule und Privatleben sind klar gezogen. „Es gab mal eine Vertretungsstunde, in der meine Mutter gleich mal das Handy eines Freundes eingezogen hat“, erinnert er sich. „Der meinte dann danach zu mir, ob ich das nicht klären könne.“ Aber Moritz hatte dafür nur ein Schulterzucken übrig. Nein, das Problem müsse er schon selber lösen, hatte er zu dem Freund gesagt.

Moritz hätte auch an eine andere Schule gehen können, aber das LHG war sein Erstwunsch, das Runge-Gymnasium stand auf Platz zwei. Schon sein Bruder Bastian besuchte das LHG, „und er hat mir davon nicht abgeraten“, sagt Moritz.
Als er in die 7. Klasse kam, haben sich seine Mutter Ariete und er versprochen, Schule und Privates streng zu trennen. „Das schaffen wir auch ganz gut. Ich habe noch nie in ein Klassenbuch geguckt, um zu sehen, wie Moritz’ Noten sind“, sagt Ariete Steinmöller. „Ich gehe davon aus, dass er mir das dann zu Hause erzählt.“ Moritz nickt und lächelt wieder. Falls er doch mal sein Herz ausschütten will, dann heißt es vorher: „Das erzähle ich dir als Mutti.“ Es sei in der Situation für Moritz völlig unerheblich, wo sich der Arbeitsplatz der Mutter befinde. „Auch wenn mir meine Kollegen erzählen wollen, was Moritz eventuell angestellt hat, blocke ich ab.“ Sie fragt dann den anderen Lehrer, ob das Geschehen so gravierend sei, dass ein Elternbesuch notwendig wäre. „Die allermeisten Kollegen verhalten sich in der Hinsicht hochprofessionell“, sagt sie. Dazu gehört auch, dass Moritz als Lehrerkind von den anderen Lehrern weder bevorzugt oder benachteiligt wird.
„Wir begegnen uns in der Schule auch relativ selten“, erzählt Ariete Steinmöller. „Manchmal stibitze ich aber heimlich etwas aus seiner Brotbüchse“, gibt sie zu. „Ich nehme auch zur Kenntnis, mit wem er sich so unterhält, aber das sind ja in der Regel dieselben Leute, die auch mal bei uns zu Hause sind.“

Im Gegensatz zu den Bielendorfers bekommen die Steinmöllers den gemeinsamen Schulalltag meistens sehr gut hin.

RTZapper

Die Blender

Donnerstag, den 29. August 2013
Tags: ,

DI 27.08.2013 | 22.30 Uhr | zdf_neo

Im Fernsehen scheint es einen neuen Trend zu geben: Ein Kamerateam filmt etwas, und dann guckt sich der Hauptprotagonist das Ganze an und redet noch mal darüber. Und redet und redet und redet.

Zum Beispiel in “Die Blender”.
Sie sind Laien, aber sie müssen so tun, als wären sie Experten. Der eine macht auf Kunst, die andere auf Promitussi. Und dann gucken wir mal, wie die anderen Leute auf den Wahnsinn reagieren.
Das ist nicht neu, aber immerhin neu auf zdf_neo. “Die Blender” hieß das Format, dessen Pilotfolge am Dienstagabend innerhalb des TV-Labs, in dem Programminnovationen getestet werden, zu sehen war.

Tahnee Schaffarczyk und Bastian Bielendorfer (Buch: “Lehrerkind”) waren unterwegs. Sie tat so, als wäre sie ein Promi, umgeben von Kameras und Fotografen, und tatsächlich wollten Leute Autogramme, obwohl sie völlig unbekannt war. Plötzlich tauchte ein fremder Paparazzo auf und fotografierte, unwissend, wer sie denn überhaupt ist. Er tat so, als wäre er ein Kulturfuzzi, der wirre Bilder malt, und in einer kleinen Show, zu der er fremde Leute einlud, redete er Blödsinn. Und die Leute nahmen es ihm ab – bis auf eine Frau, die lachen musste, und die Bielendorfer daraufhin anmaulte, sie könne ja auch gehen.
Auch wenn das nicht neu ist, ein nettes Format.

Aber dann die Laberei. Die Macher von “Die Blender” verließen sich nicht auf die Situationskomik. Nein, sie ließen Tahnee Schaffarczyk und Bastian Bielendorfer sich das alles nochmal ansehen und darüber reden. Das ist dann immer wieder in die handlung reingeschnitten – und nervt und macht die kleine Sendung kaputt.
Genau daran krankte auch die neue ProSieben-Comedy “Schulz in the Box” am Montagabend. Olli Schulz wurde mit einer Kiste irgendwohin transportiert und musste dann sehen, was passiert. Joa, auch ganz nett. Aber auch dort: die Laberei. Schulz wurde immer wieder dazwischengeschnitten, um über die Situationen zu erzählen, die der Zuschauer sowieso gerade sah. Er redete und redete, wie bei einer Therapie.
Liebe Fernsehleute, was soll diese ewige Laberei? Traut ihr uns nicht zu, das Geschehen selbst einzuordnen. Glaubt ihr, die Sendung wird dadurch witziger? Wie heißt es so schön: Weniger ist mehr.

RT im Kino

Elysium

Donnerstag, den 29. August 2013

2159. Die gute Nachricht: Es gibt die Erde immer noch. Die schlechte Nachricht: So richtig doll läuft es da nicht mehr. Dreck. Armut. Krankheiten. Aber es gibt einen Ausweg: Elysium. Eine Art Erde II, eine künstliche Welt, die unweit der alten, ranzigen Erde schwebt. Dort leben nur gesunde Menschen in einer makellosen Atmosphäre.
Klar, dass die Menschen auf der Erde ein Ziel haben: nach Elysium zu kommen, dort gesund zu werden, es dort besser zu haben.
Max (Matt Damon) hat die Chance. Er hat nach einem Unfall nur noch wenige Tage zu leben, und er will es wagen, hinzufliegen. Aber die Mission ist gefährlich, Elysiums Verteidigungsministerin Delacourt (Jody Foster) setzt alles daran, die Erdlinge fernzuhalten. Aber was hat Max schon zu verlieren…

Der Ansatz von “Elysium” ist extrem spannend. Zwei Gegensätze prallen aneinander. Reich und arm. Gesund und krank. Die Verwöhnten und die Arbeiter, die nichts wert sind. Die alte Erde und die neue. Leider macht Neill Blomkamp am Ende nichts anderes als eine verkappt science-fiction-mäßige Actionreißersause daraus. Gut kämpft gegen Böse, und dazwischen gibt es nichts. Max wird technisch aufgerüst und wird fast zur Maschine, mehr und mehr entspinnt sich ein Kampf der Roboter.
Und das Schlimme ist: Alles ist so egal. Die Figuren kommt einem nicht nahe, weder die Guten, noch die “Bösen”, es scheint alles so wurscht. Echte Überraschungen bleiben aus. Enttäuschend.

Elysium
USA 2013, Regie: Neill Blomkamp
Sony, 110 Minuten, ab 16
4/10