Tagesarchiv für 21. Juli 2013

RT im Kino

Adieu Paris

Sonntag, den 21. Juli 2013

Es gibt sie ja immer wieder, diese Aufmunterungssprüche. So von wegen: Auf Regen folgt Sonne. Oder: Jedes Unglück hat auch was Gutes. Und so weiter.

Vermutlich kann Starautorin Patrizia (Jessica Schwarz) solche Sprüche gerade nicht hören. Sie hat einen Geliebten in Paris, der jedoch während eines gemeinsamen Telefonates schwer verunglückt. Nun liegt er im Koma. Für alle Beteiligten dramatisch. Aber, und irgendwie hat das was Gutes: Patrizia lernt die Frau ihres Geliebten kennen. Ja, er hatte eine Frau, und bald werden sie so etwas wie Freundinnen – die jedoch eine Entscheidung zu treffen haben.
Ähnlich geht es Bankmanager Frank (Hans Werner Meyer). Er macht in Paris das Geschäft seines Lebens, bringt die Leute einer Wurstfirma dazu, mit einem schweizer Unternehmen zu fusionieren – um dann aber festzustellen, dass die Bilanzen gefälscht waren und alles den Bach runtergeht. Aber auch bei ihm hat das Böse etwas Gutes:
Metzger Albert (Gérard Jugnot), der ihn eigentlich in die Tiefe mitgerissen hat, wird ein Freund.
Auf dem Flughafen Düsseldorf treffen sich Patrizia und Frank auf ihren Reisen nach Paris immer wieder…

In “Adieu Paris” erzählt Franziska Buch gleich mehrere Geschichten, die zunächst gar keinen Zusammenhang haben – Frank und Patrizia sind die einzige, lose Verbindung. Und doch kann man sich in den Film richtig fallenlassen. Bei allem Tragischen und Unerfreulichen, was passiert, ist es doch irgendwie sehr positiv, was all diese Leute erleben. Es scheint, sie befinden sich ganz unten, auf dem Tiefpunkt – aber irgendwo, da hinten, da ist Licht am Ende des Tunnels. Es geht darum, nach vorne zu schauen, das Leben anzupacken, zu schauen, wo man denn nun bleibt und welche Möglichkeiten sich einem bieten.

Adieu Paris
D / Frankreich 2013, Regie: Franziska Buch
24 Bilder, 101 Minuten, ab 6
8/10

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RTelenovela

Bahnbekanntschaften (74): Schaulauf des Schuldigen

Sonntag, den 21. Juli 2013
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(73) -> 17.6.2013

Durchsage in der Berliner S-Bahn: Wegen eines Polizeieinsatzes verzögert sich die Weiterfahrt um einige Minuten. Wir stehen im Bahnhof Bellevue, und zwischen unserem und dem Hauptbahnhof befinden sich Leute in den Gleisen, deshalb sei nun die Polizei vor Ort und die Strecke gesperrt.

Die Leute in der Bahn bleiben erstaunlich gelassen. Keiner sagt etwas dazu, die normalen Gespräche gehen weiter. Zwei Leute stehen an der geöffneten Tür und schauen auf den Bahnsteig raus. Offenbar erblicken sie am Ende des Bahnsteigs, dass da tatsächlich die Polizei im Einsatz ist.

Eine gute Minute später dann leises Gelächter in der Bahn. Zwei Polizisten laufen mit einem Mann im Schlepptau den Bahnsteig entlang. Der Mann scheint angetrunken zu sein. Und fast wirkt es wie der Schaulauf des Schuldigen, als ob uns die Polizisten noch einmal zeigen wollten: Seht her, wegen dem müsst ihr hier warten! Eine durchaus effektive Strafmaßnahme.
Keine halbe Minute später setzt sich unsere Bahn wieder in Bewegung.

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