Tagesarchiv für 5. Juli 2013

aRTikel

Auf ein Wort: Herr -in

Freitag, den 5. Juli 2013
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MAZ Oranienburg, 5.7.2013

Der Tag wird kommen, da wird der Herr Redakteurin zum wichtigen Pressetermin eilen. Er bringt natürlich den Herrn Fotografin mit, um den Herrn Bürgermeisterin zu interviewen. Sicherlich ist auch der Herr Pressesprecherin mit dabei, eventuell möchte der Herr Baustadträtin ebenfalls seinen Senf dazugeben.

Ich sehe es schon kommen, wir, die Männer, müssen demnächst um die Gleichberechtigung gegenüber den herrschenden Frauen kämpfen. Die haben scheinbar durchgesetzt, dass auch Männer nun immer mit der Endung „-in“ angesprochen werden. An den Unis in Leipzig und Potsdam soll das wohl bald so sein.
Ja, ja, Frauen werden jetzt lächeln, denn jahrzehntelang sind sie als „Frau Professor“ angesprochen worden, und niemand (also eher: kein Mann) hat sich je darüber aufgeregt. Jetzt schlagen die Damen zurück.

Ich freue mich jedenfalls auf anregende Gespräche mit Herrn Bürgermeisterin Sasse oder Herrn Ortsvorsteherin Jöhling.
Ihr Herr Redakteurin
Robert Tiesler

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RTZapper

Playlist – Sound of my Life

Freitag, den 5. Juli 2013
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DO 04.07.2013 | 23.45 Uhr | Tele 5

Auf der Playlist steht Massive Attack mit “Protection”. Außerdem noch Kate Bush mit “Running up the Hill”. Und Pink Floyds “Money”.
Welcher Promi könnte auf diese und weitere vier Songs stehen?
Okay, der Zuschauer der neuen Reihe “Playlist – Sound of my Life” auf Tele 5 weiß das von Anfang an. Denn während Moderatorin Bettina Rust mit der Sängerin über ihre Lieblingsmusiken spricht, muss im Hintergrund ein Dreierteam nur anhand der Playlist raten, welchen Promi Bettina Rust zu Gast hat.

Ein wirklich interessantes Format, und das gleich aus mehreren Gründen. Zunächst ist es durchaus erhellend, von einem Promi zu erfahren, was er oder sie denn so für Musik hört. Aber auch die Raterunde, die das alles nicht mitbekommt, macht das spannend: Worauf achten die? Was schlussfolgern sie aus den Songs? Tatsächlich errieten sie – mit zusätzlichen, aber auch nicht einfachen Tipps -, dass es sich um Marianne Rosenberg handelte.

Dennoch ist die “Playlist” ausbaufähig. 25 Minuten sind viiiiel zu kurz. Sowohl der Talk als auch die Musikeinspielungen von der Playlist könnten sehr viel ausfährlicher sein. Die Sendung wirkte extrem geschnitten. Damit ließe sich (abzüglich der Werbung) gut und gerne eine Stunde füllen.

Hits: 71

RT liest

Héctor Tobar: In den Häusern der Barbaren

Freitag, den 5. Juli 2013

Zoff im Hause Thompson. Diesmal so schlimm, dass Gewalt im Spiel ist. Ein kurzer Ausbruch nur, aber er reicht aus, um die Blase platzen zu lassen. Sowohl Maureen als auch Scott machen sich aus dem Staub. Jeder für sich. Maureen nimmt immerhin die kleine Tochter mit, ihr Mann fährt allein.
Ihre mexikanische Bedienstete Araceli bleibt allein zurück – mit den beiden Söhnen. Sie bekommt Angst, schließlich ist völlig unklar, wo das Ehepaar Thompson ist, ob sie jemals zurückkehren, schließlich hat Araceli mitbekommen, was passiert ist. Sie schnappt sich die Jungs und will mit ihnen zu ihrem Opa. Doch die Fahrt wird eine Reise aus der Vorstadt nach Los Angeles.
Bald kehren doch die Thompsons zurück, und aus der Sache wird ein großer Skandal. Um zu leugnen, dass sie einfach abgehauen sind, sagen sie, Araceli hätte die Kinder entführt.

Tja. Immer den schönen Schein wahren. Das gute Image. Darum geht es den Thompsons. Schwäche zu zeigen, seine eigenen Fehler zuzugeben, ist nicht drin.
In der Hinsicht erzählt Héctor Tobar eine recht eindringliche Geschichte und Wahrheit und Lügen, über die aufgekratzte Mediengesellschaft, die jede Sache gleich zu einem Skandal macht und der völlig egal ist, was eigentlich dahinter steht. Denn sowohl Araceli als auch die Thompsons geraten in die Mühlen der Medien, der Gerichte, der Politik. Diese Familie mit ihrer mexikanischen Bediensteten – es scheint sich um die USA im Kleinen zu handeln. Ohne die Angestellten, die billig bezahlt werden, geht es nicht. Aber man mag sie auch nicht, beschäftigt sich gar nicht wirklich mit ihnen. Ganz typisch, und sicher ist das anderswo sehr ähnlich.
Tobar erzählt das manchmal recht ausschweifend, aber in einem angenehmen, unaufgeregten Tonfall.

Héctor Tobar: In den Häusern der Barbaren
Piper, 490 Seiten
7/10

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