Tagesarchiv für 17. Juni 2013

RT liest

Jesko Wilke: Ghostwriter

Montag, den 17. Juni 2013

Volkmar Vogt, genannt Volvo, ist ein eher nicht so erfolgreicher Autor. Und geschieden. Und pleite.
Kurt Kalinski dagegen ist ein Starautor. Und reich. Und tot. Das ist natürlich ein bisschen blöd, besonders für seinen Literaturagenten Möller. Der will noch mal Kasse machen. Sein Plan: Dass Kalinski nicht mehr unter den Lebenden weilt, erfährt niemand. Vorerst. Jedenfalls nicht, bevor der neueste Kalinski-Kracher fertig ist. Volvo muss ran – Volkmar muss den Roman zu Ende schreiben und sich um den Hof und den riesigen Hund des Starautors kümmern. Aber irgendwann interessiert sich auch die Polizei dafür, was denn in der Kühltruhe liegt.

Mit “Ghostwriter” liefert Jesko Wilke eine nicht sehr anspruchsvolle, eher harmlos-nette Unterhaltungslieratur ab. Gerade zu Beginn gibt’s viel zu überlesendes Blabla, seine Geschichte wirkt an einigen Stellen ein wenig ausschweifend. Die Erzählweise ist manchmal ein bisschen schlicht und gewollt witzig. Auf die Witzigkeit wollte der Autor auch nicht verzichten, als es im Roman eine durchaus spannende und actiongeladene Stelle gibt. Die wirkt durch die humorige Art eben auch nur Pillepalle.
Auf dem Buchdeckel sagt stern-Autor Rüdiger Barth, dass diesen Stoff nur Tarantino verfilmen dürfe. Na ja, wir wollen mal nicht übertreiben. Der Stoff ist eher was für die betuliche “Heiter bis tödlich”-Reihe der ARD.

Jesko Wilke: Ghostwriter
ro ro ro, 285 Seiten
5/10

Hits: 146

RT im Kino

The Place beyond the Pines

Montag, den 17. Juni 2013

Nichts ist vergessen. Nichts, was man im Leben macht, keinen Fehler kann man unter den Teppich kehren. Man kann es vertuschen, aber irgendwann kommt alles raus, und irgendwann drohen dann eben doch Konsequenzen.

Als sich die beiden Lebensläufe von Luke (Ryan Gosling) und Avery (Bradley Cooper) kreuzen, entwickelt sich das zu einem traurigen Showdown.
Luke verdient sein geld mit Motorradstunts. Er kündigt seinen Job, als er erfährt, dass er hier, in der Kleinstadt, einen kleinen Sohn hat. Er will die Mutter Romina (Eva Mendes) untersützen – das Geld dafür kommt aus Bankräubereien. Aber der letzte Überfall geht schief, und er begegnet dem Polizisten Avery.
Dert widerum hat es mit korrupten Kollegen zu tun, denen er den garaus machen will. Doch die lassen das nicht so schnell auf sich sitzen.

Der letzte Teil der Geschichte “The Place beyond the Pines” spielt 15 Jahre später, als sich Lukes und Averys Söhne kennenlernen, womit sich der Kreis schließt.
Regisseur Derek Cianfrance erzählt eine Story, die eine Wucht hat, die man nicht mehr allzu oft im Kino erleben darf. Es ist kein Epos, aber doch schon eine weitumspannende Saga.
Der erste Teil, in dem Ryan Gosling die Hauptrolle spielt, ist zunächst am fesselndsten. Gosling spielt einen Einzelgänger, einen geheimnisvollen Typen, der, als er erfährt, dass es da noch jemanden in seinem Leben gibt, alles für das Kind aufs Spiel setzt. Wie schon in “Drive” setzt Gosling das auf höchst faszinierende Weise um.
Zunächst macht es den Anschein, dass der Film mit dem zweiten Teil abflacht, als aber klar ist, dass sich die Wege der Protagonisten immer wieder kreuzen, ist klar: Da flacht nichts ab.
Hinzu kommen tolle Bilder, Kamerafahrten und eine mitunter hervorragende Musik. Das macht “The Place beyond the Pines” zu einem der besten Filme des Jahres.

The Place beyond the Pines
USA 2012, Regie: Derek Cianfrance
Studiocanal, 146 Minuten, ab 12
9/10

Hits: 5160

RTelenovela

Bahnbekanntschaften (73): Obama? Wegbomben!

Montag, den 17. Juni 2013
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(72) -> 12.6.2013

Ein älteres Ehepaar sitzt im Regionalexpress zwischen Oranienburg und Berlin. Sie müssen schon eine Weile unterwegs sein, denn zu sagen haben sie sich nichts mehr. Der Mann scheint über Kopfhörer Radio zu hören, denn ab und zu gibt’s von ihm Kommentare zu aktuellen Nachrichtengeschehen.

Wir fahren gerade an Hohen Neuendorf vorbei, als der Mann etwas über den Ausbruch der Windpocken in einem Asylbewerberheim im Norden Berlins erzählt. Seine Frau hat davor schon Angst: Es kämen ja immer mehr Ausländer hierher, sagt sie. Und dann die ganzen Krankheiten, die die mitbringen. Da müsse sich sich ja jetzt schon kratzen, was sie auch gleich mal macht.
Ob Dummheit und Frust auch anstreckend sind? Kurz habe ich überlegt, die Frau zu bitten, mich nicht anzuatmen.

Wenig später informiert uns ihr Mann darüber, dass ja bald Barack Obama nach Berlin käme. Auch dazu hat seine Holde eine fundierte Meinung: Wegbomben solle man den.
Das Gesocks solle zu Hause bleiben.

Ich frage mich allerdings, wer da das Gesocks ist. Ich glaube ja, dass das Gesocks direkt neben mir saß.

Hits: 110