Tagesarchiv für 12. Juni 2013

RTelenovela

Bahnbekanntschaften (72): Die Entführung der RB12

Mittwoch, den 12. Juni 2013
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(71) -> 29.1.2013

Wenn der Zug plötzlich in die falsche Richtung fährt, dann wird der aufmerksame Bahnkunde unruhig. Eigentlich sollte die Regionalbahn 12 von Berlin-Gesundbrunnen aus nach Oranienburg fahren – Richtung Norden. Als der Zug aber rückwärts aus dem Bahnhof fuhr, war die Überraschung groß.

Zugbegleiter haben normalerweise Ahnung von der Strecke, die sie uns Bahnkunden begleiten. Der Mann, der diesen Job am Dienstagabend ausübte, war leider nicht so ganz auf der Höhe.
Als ich in den Zug stieg, bemerkte ich auf dem gegenüber liegenden Gleis, dass der in Gesundbrunnen endete Zug zehn Minuten Verspätung hat – und auf diesen RE5 müssen wir warten, wegen der Anschlussreisenden.
Ich fragte den Zugbegleiter, ob ich das richtig sehe, dass unser Zug nicht 23.02 Uhr, sondern frühestens 23.10 Uhr losfährt. Nein, sagte der Zugbegleiter, der Zug fahre um 23.02 Uhr. Aha.
Dann sagte der Zugbegleiter, dass wir wegen einer Baustelle außen herum fahren müssten, also über Spandau, Falkensee und Hennigsdorf. Wann wir denn dann in Oranienburg ankommen, fragte ich den Zugbegleiter. Um 23.22 Uhr, sagte der Mann. Ich antwortete, dass ich das bezweifele.

Eine gute Minute später, kam die Ansage des Lokführers aus den Lautsprechern, dass unser Zug etwa zehn Minuten später losfahren würde, wegen der Anschlussreisenen im verspäteten RE5. Der Zugbegleiter reagierte darauf nicht. Ich hatte also recht. Aber wahrscheinlich denkt ein Zugbegleiter da nicht so mit.
Viele Leute saßen in dem Zug, weil auf der S-Bahn-Strecke nach Oranienburg ein Schienenersatzverkehr eingesetzt wurde. Vom Regen in die Traufe.

23.09 Uhr. Der RE5 fährt ein und genau null Reisende steigen aus diesem Zug in unseren. Aber schön, dass wir gewartet haben.

23.11 Uhr. Unser Zug fährt los. In die falsche Richtung. Die Leute sind ratlos. Was mir der Zugbegleiter unter vier Augen mitteilte, hat allen anderen Fahrgästen leider niemand gesagt. Die Deutsche Bahn interessiert es nicht, dass ihr Kunden denken, ihr Zug fahre zum falschen Ziel. Der Zugbegleiter hält es nicht für möglich, alle Leute zu informieren. Einige witzeln, dass wir doch hoffentlich nicht entführt werden. Stattdessen teile ich mein Wissen mit den anderen Leuten. Die sind empört, denn auch sie wissen, dass die Strecke über Spandau sehr, sehr viel weiter ist als direkt nach Oranienburg. Nur der Zugbegleiter weiß das nicht.

23.22 Uhr. Eigentlich hätten wir jetzt in Oranienburg ankommen sollen. Wir sind in Spandau. Langsam rollen wir durch den großen Bahnhof.
Seegefeld, ein Stadtteil von Falkensee. Ich hätte nicht gedacht, dass ich diese Strecke noch mal erleben werde. Als der RE5 noch nicht über Gesundbrunnen fuhr, nahm er auch diese weitläufige Strecke – lang’ ist’s her.

23.32 Uhr. Finkenkrug. Die Frau mir gegenüber hat keine Ahnung, was und vor allem wo Finkenkrug ist. Immer noch ein Stadtteil von Falkensee.
Wir tuckern durch die Dunkelheit, irgendwo vor Hennigsdorf werden wir während der Fahrt von einem Güterzug überholt.

23.56 Uhr. Wir erreichen Lehnitz. Die spannende Frage ist: Werden wir heute noch Oranienburg erreichen?
0.00 Uhr. Oranienburg. Der Zugbegleiter lag ein wenig falsch in der Annahme, dass wir auf der Ausweichstrecke genauso schnell am Ziel sind wie auf dem direkten Weg. Wir brauchten mehr als doppelt so lange. Aber so was kann ein Zugbegleiter ja nicht wissen. Am Ende hatten wir 38 Minuten Verspätung. Selbst mit dem SEV bei der S-Bahn wären wir schneller am Ziel gewesen. Die Bahn hat sich wieder viele Freunde gemacht.

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MDR extra: Flut in Mitteldeutschland

Mittwoch, den 12. Juni 2013
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DI 11.06.2013 | 9.45 Uhr | MDR-Fernsehen

Seit mittlerweile anderthalb Wochen beschäftigt uns die Flut – erst in Mittel- und Süddeutschland, inzwischen wandert die Welle die Elbe nach Norden hoch.
Für die Anwohner in den betroffenen Gebieten ist das alles eine große Katastrophe, schon wieder standen oder stehen ihre Häuser unter Wasser, schon wiede rist oft das Hab und Gut vernichtet.

Für die Medien ist das Hochwasser natürlich ein Topthema. Und was insbesondere der MDR in den vergangenen Tagen geleistet hat, ist erstaunlich. Man kann über die Reporter und Moderatoren sagen, was man will, hier und da gab es sicherlich einen Ausrutscher und die eine oder andere Übertreibung, dennoch: Hochachtung!
Viele Sondersendungen hat der MDR ausgetrahlt, aus jedem der Hochwassergebiete informiert, aber auch Spenden gesammelt. Insbesondere in den Anfangstagen erreichte der Sender damit riesige Einschaltquoten, die Leute wollten wissen, was los ist und bekamen die Infos, die sie brauchten.

Am Dienstag war der erste Abend im MDR ohne eine spezielle Sondersendung, nur das vormittägliche “MDR extra” wird weiter ausgetrahlt, um am Morgen außerhalb der regulären Nachrichtenmagazine umfassend zu informieren. Die Flut ist inzwischen vor allem in den Sendegebieten von rbb und NDR angekommen.
Für die von der Flut betroffenen Menschen ist das Grauen nach dem Absinken der Pegel dennoch nicht zu Ende. Hoffentlich gerät das dann nicht so schnell in Vergessenheit.

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