Tagesarchiv für 8. Mai 2013

aRTikel

Wenn eine fröhliche Party zum Albtraum wird

Mittwoch, den 8. Mai 2013
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Die Geschichte einer Oranienburger Feier, die völlig anders ablief als erwartet

MAZ Oranienburg, 8.5.2013

ORANIENBURG
Fensterscheiben gingen zu Bruch. Gartenmöbel wurden verbrannt. Im Bad landete Shampoo auf dem Boden. Umgeworfene Tische und Stühle. Ein Chaos im ganzen Haus. Dazu zwei Fahrräder und zwei Musikboxen, die gestohlen worden sind. Das ist die Bilanz einer Oranienburger Party, die in der Nacht zum 1. Mai durchaus friedlich begann, zu der kurz nach Mitternacht jedoch die Polizei ausrücken musste.

Ein 17-Jähriger aus dem Stadtteil Süd nutzte die sturmfreie Bude – die Eltern waren auf Kreuzfahrt – für eine Party. 20 bis 30 Leute sind zu Gast gewesen. „Die Stimmung war sehr, sehr gut“, erzählt Jasmine (15), die dabei war. „Plötzlich kamen da immer mehr Leute“, erinnert sich Partygast Nils (17). „Wir haben das erst gar nicht realisiert, weil sich das ziemlich durchmischt hat.“

Es muss gegen 23 Uhr gewesen sein, als die Stimmung langsam umkippte. „Die Fremden wurden immer aggressiver“, erzählt Jasmine. Einige Mädchen seien beleidigt worden. Das Ganze muss sich weiter aufgeschaukelt haben, bis die Fremden begannen, Türen einzutreten. „Die haben auch Tische und Stühle geworfen“, sagt Nils. An einigen Stellen lag Erbrochenes auf dem Fußboden. Nils und Jasmine sagen, dass auch Rechtsradikale dabei gewesen sein sollen. Angeblich haben einige von ihnen gedroht, gleich das ganze Haus anzuzünden.

Um 23.56 Uhr ging bei der Polizei der Notruf ein. „Um 0.07 Uhr, also elf Minuten danach, waren die Kollegen vor Ort“, berichtet Toralf Reinhardt von der Pressestelle der Polizei in Neuruppin. Die Beamten waren stundenlang vor Ort. Bis um kurz vor 4 Uhr nahmen sie Personalien auf, bis 5.30 Uhr waren sie insgesamt mit dem Fall beschäftigt. „Ob wir von allen, die daran beteiligt waren, die Daten haben, kann ich nicht sagen“, so Reinhardt im Gespräch mit der MAZ. „Wir konnten ja das Haus nicht abriegeln.“ Zumal einige der Fremden das Weite gesucht haben, als die Polizei in Oranienburg-Süd eintraf.
Die Polizei nahm diverse Anzeigen auf: eine gegen Unbekannt. Im Haus ist ein Schlagring gefunden worden, wem er jedoch gehört, konnte bislang nicht ermittelt werden. Hinzu kommen Anzeigen wegen Sachbeschädigung und versuchter Körperverletzung. Dass unter den mutmaßlichen Tätern auch Rechtsradikale waren, konnte Toralf Reinhardt nicht bestätigen. Wie er jedoch sagte, musste ein Partygast vorübergehend ins Krankenhaus.

Woher die Fremden kamen, woher sie von der Party wussten, ist absolut nicht klar. „Auf Facebook haben wir sie nicht angekündigt“, sagt Nils. Der junge Partyveranstalter selbst wollte mit uns über die Ereignisse nicht sprechen, er schien zunächst sehr schockiert gewesen zu sein über die Geschehnisse in seinem Zuhause. „Er hat jedenfalls keine Feinde“, schiebt Nils hinterher und stellt noch einmal eindeutig klar: „Die Schäden hat keiner von den eigentlichen Partygästen verursacht.“ Die meisten der Freunde haben sich am nächsten Morgen im Haus versammelt, um die gröbsten Schäden zu beseitigen. Der Teppich ist wieder saubergemacht worden, auch im Bad war so weit wieder alles okay.

Am Freitag, also zwei Tage nach der Party, kamen die Eltern nach Hause, die bis zu diesem Zeitpunkt nichts von den Verwüstungen in ihrem Haus mitbekommen hatten. Wie sie reagiert haben, wissen wir nur aus zweiter Hand – aber es soll für den 17-Jährigen einigermaßen glimpflich ausgegangen sein.

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RTelenovela

Vor 20 Jahren (94): Jugendweihe

Mittwoch, den 8. Mai 2013
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(93) -> 19.2.2013

Sonnabend, 8. Mai 1993.
Meine Güte, war das damals alles bieder. Ich war gerade noch so 14 Jahre alt, als meine Jugendweihe anstand. Wir feierten sie im Lehnitzer Friedrich-Wolf-Haus. Alle haben sich fein gemacht. Ich hatte eine helle Hose an, eine hellblaue Jacke, darunter eine Art Hemd und eine schmale Krawatte.

Zu klassischer Musik marschierten wir in Zweierreihe in den Saal. Wir hatten das schon am Tag zuvor geprobt, wir konnten das. Wie auf Befehl setzten wir uns alle gleichzeitig, was mein Bruder auf dem Video mit “Oh Gott” kommentiert.
Ein Orchester spielte nette Lala-Musik, dann sagte eine Frau einen nachdenklichen Text auf, in dem es um KZs ging, und keiner habe was gemacht. Und die Umwelt, und keiner mache was. Sehr engagiert. Ein Mann sang einen nachdenklichen Song. Die Stimmung war…, ähm, nachdenklich.
Dann erzählte uns eine Frau in relativ strengem Ton, was denn nun als Erwachsene auf uns zukommt. Wir dürften uns nun Jugend nennen, die Lehrer müssten uns jetzt siezen. Sie redete über teure Geschenke, darüber, dass viele Leute Dinge von dem Geld kaufen, das sie nicht haben, die sie nicht brauchen. Und dass wir nun ein Glas Schnaps trinken dürften.

Dann wurden wir in Gruppen alle auf die Bühne gerufen. Zu zuppeliger Gitarrenmusik stiefelten wir rauf, ließen uns eine Blume geben und eine Urkunde. Und dann noch mal in die Kameras blicken!

Somit hatten wir’s überstanden und durften dann auch raus, an die frische Luft.
Zu Hause haben wir mein neues Erwachsensein dann noch bis zum späten Abend gefeiert.

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RTZapper

Frühstücksfernsehen

Mittwoch, den 8. Mai 2013
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MO 06.05.2013 | 23.45 Uhr | Das Erste

Der Höhepunkt im Frühstücksfernsehen: Das Gewinnspiel, bei dem es einen sagenhaften Preis gibt: den Kult-Eierbecher! Aber weil das schwere Quiz lange keiner mehr gelöst hat, liegen nun schon 26 von den Dingern im Studio rum.
Herzlich Willkommen beim Frühstücksfernsehen.
Allerdings nicht im richtigen “Morgenmagazin”, das jeden Tag um 5.30 Uhr im Ersten beginnt, und bei dem extrem gut gelaunte Moderatoren nette Filmchen ansagen.

Im “Frühstücksfernsehen” zeigt Olli Dittrich, was er drauf hat, was er für ein Juwel im deutschen Humorfernsehen ist (für die, die auch “Dittsche” nicht kennen). Gemeinsam mit Cordula Stratmann bildet er das total gut draufe Moderatorenteam. Dazu gibt es diverse Einspieler: Den über die CSU-Frau, die den Preis für die leiseste Gemeinde einheimsen will und dafür zum Beispiel den Spielplatz unter Tage verlegen lässt. Von ihrem Mann, der ist nämlich Bauunternehmer. Oder der Sportbeitrag über den Fußballer, der nach Hamburg wechselt, aber schon seit Ewigkeiten wegen Verletzungen nicht mehr gespielt hat. Oder der Nachrichtenüberblick “Kurts Nachrichten”, der ebenfalls herrlich absurd ist.

Dittrichs “Frühstücksfernsehen” ist kein Lachkracher, aber dennoch wirklich lustig. Und das, weil Dittrich nicht übertreibt, seine Figuren wirken eigentlich normal. Der alltägliche Wahnsinn und Irrsinn auf den Punkt gebracht. Die Figuren in der Satire sind von den echten Früh-TV-Leuten kaum zu unterscheiden. Auch sie müssen immer verkrampft witzig sein und sich zulächeln, der “Tagesschau”-Mann draf auch mal kurz lächeln, es ist ja schließlich noch am frühen Morgen.
Trotz der späten Sendezeit fuhr Das Erste mit dem abendlichen “Frühstücksfernsehen” gute Quoten ein. Der WDR hat bereits sechs neue Folgen bestellt. Ob die Kollegen vom “Morgenmagazin” dann auch wieder ihr echtes Studio zur Verfügung stellen?

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RT liest

Sascha Grammel: Prof. Dr. Peter Hacke – Das Hacke-Peter-Prinzip

Mittwoch, den 8. Mai 2013

Mit seinen grandiosen Puppen rockt Sascha Grammel die Bühnen in Deutschland. Doch sein Versuch, diesen Erfolg in Form eines Buches weiterzuführen, ist dann doch leider gescheitert.

Grammels Puppe Prof. Dr. Peter Hacke hat einen Kopf wie ein BigMäc. Der muss wissen, wie das mit dem Essen, also dem gesunden Essen, funktioniert. Deshalb gab Grammel, äh, Hacke, nun einen Ernährungsratgeber heraus – windelweich in der Formulierung, aber knallhart in der Sache, so beschreibt es der Verlag auf dem Buchrücken.
Okay, echte Abnehmtipps darf man nun wirklich nicht erwarten, das ist auch überhaupt nicht der Sinn des Buches, auch wenn es so scheint.
Nur leider ist das Buch auch überhaupt nicht komisch. Der Witz einer Puppe auf der Bühne überträgt sich leider nicht in eine geschriebene Form. Ist es auf den ersten Seiten noch ganz neckisch, was Hacke da labert, so ist es später mehr und mehr egal. Die Kalauer sorgen am Ende nur noch für Augenrollen. Das Konzept nutzt sich extrem schnell ab, es fehlt an Abwechslung. Von den mehr als 250 Seiten hätten vielleicht 20 gereicht. Den Rest kann Grammel dann ja vielleicht für eine Fernseh-Comedyserie verwursten, da könnte das besser funktionieren.

Sascha Grammel: Prof. Dr. Peter Hacke – Das Hacke-Peter-Prinzip
ro ro ro, 264 Seiten
1/10

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