Tagesarchiv für 3. Mai 2013

RT im Kino

Mama

Freitag, den 3. Mai 2013

Victoria (Megan Charpentier) und ihre kleine Schwester Lilly (Isabelle Nélisse) lebten jahrelang in einem verlassenen Waldhaus. Nach einem Unfall hat sie ihr Vater dorthin gebracht – und ist verschwunden. Allein waren die Mädchen aber nicht. Die Frage ist nur: Wer hat sich um sie gekümmert?
Ihr Onkel Lucas (Nikolaj Coster-Waldau) lässt jahrelang nach seinem Bruder und den Mädchen fahnden, und eines Tages werden sie gefunden. Er beschließt, die Mädchen bei sich aufzunehmen. Trotzdem aller daramtischen Umstände und dem seltsamen Verhalten, das die Mädchen an den Tag legen. Lucas’ Freundin Annabel (Jessica Chastain) ist nicht wohl bei der Sache. Und tatsächlich: Irgendwas ist da. Die Mädchen nennen es: Mama. Und Mama ist sehr eifersüchtig.

Grandios! Der helle Wahnsinn!! “Mama” ist der Horrorthriller des Jahrzehnts. Zumindest bis kurz vor Schluss. Andres Muschietti hat einen Schocker gedreht, der es in sich hat. Er spielt gekonnt mit Emotionen und Schreckmomenten, schafft es aber auch, eine grundhafte Spannung aufzubauen. Lange ist die “Mama” nur ein Schatten, der irgendwo auftaucht und wieder verschwindet. Die Mama ist ein horrormäßiges Mythos, eine angsteinflößende Figur. Auch die beiden jungen Mädchen spielen grandios. Die Blicke auf die (imaginäre?) Mama, die kleinen Gesten – unfassbar gruselig!
Tja, es hätte der Horrorthriller des Jahrzehnts werden können, “Mama” wäre fast ins Rennen um den besten Film 2013 gegangen. Wenn nur nicht das vergurkte Ende gewesen wäre, das leider arg lang und kitschig geworden ist. Dass die Mama plötzlich mehr oder weniger real wird, tut der Spannung leider überhaupt nicht gut, zumal die Animation so lala ist.
Das ist schade, wirklich sehr, sehr schade.

Mama
Kanada / Spanien 2012, Regie: Andres Muschietti
Universal, 100 Minuten, ab 16
8/10

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RT liest

Arnold Thünker: Verlangen nach Freundschaft

Freitag, den 3. Mai 2013

New York, die pulsierende Großstadt an der US-Ostküste. Für Jakob ist sie eigentlich nur die letzte Station einer monatelangen Reise durch die Vereinigten Staaten, er wartet auf seinen Rückflug nach Deutschland.
Im East Vollage trifft er auf Faunus. Der ist Graf und der Sohn einer niederländischen Kolonialistenfamilie. Jakob bekommt einen Job in einem Antiquariat und taucht ein in die Welt Manhattans. Doch Faunus ist krank. Das Schicksal macht die beiden zu Freunden.

Arnold Thünker erzählt in seinem dritten Roman vom “Verlangen nach Freundschaft”. Auch wenn es zunächst eher unterschwellig ist, keiner von ihnen will dieses Verlangen wirklich zeigen, aber letztlich können sie es doch nicht leugnen – wie Männer eben so sein können.
Leider kommt das pulsierende Leben der New-York-Metropole, von dem auf dem Cover des Buches die Rede ist, nicht so wirklich zur Geltung. Gerade anfangs ist die Sprache recht spröde, der Einstieg in die Geschichte ist eher schwierig. Die handelnden Figuten bleiben dem Leser seltsam fern. Auch die kleinen Untergeschichten, die Thünker in die Jakob-Story einstreut, lenken sehr ab. Im letzten Drittel, als es in Sachen Freundschaft, dann ernst wird, schafft es Thünker dann auch, so etwas wie Atmoshäre aufzubauen. Aber für eine Identifikation ist es da schon zu spät.

Arnold Thünker: Verlangen nach Freundschaft
Kiepenheuer & Witsch, 207 Seiten
4/10

Hits: 120

ORA aktuell

Oranienburger Party endet mit verwüstetem Haus

Freitag, den 3. Mai 2013

Die Feier eines 17-Jährigen in Oranienburg endete in der Mai zum Feiertag im Chaos. Zu den 30 geladenen Gästen in der sturmfreien Bude, die Eltern sind noch bis Freitag auf einer Kreuzfahrt, kamen im Laufe des Abends rund 70 dazu, von denen die meisten unbekannt waren.
Die Unbekannten begannen, das Haus zu verwüsten, die Polizei ist gerufen worden. Die nahm die Personalien der Täter auf.
Im Haus wurden Sachen auf dem Boden zerstreut, Scheiben zerschlagen, Türen zerstört, im Badzimmer lag Erbrochenes, Tische und Stühle sind umgeworfen worden.

Laut des Partyveranstalters war die Feier bis dahin friedlich, Freunde haben am Mittwoch, das gröbste Chaos zu beseitigen.

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RTelenovela

Radtour (25): Hunger-Ast

Freitag, den 3. Mai 2013
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(24) -> 21.10.2012

Nach mehr als einem halben Jahr Pause wurde es höchste Zeit für eine Radtour – die erste im Jahr 2013. Und was hab ich geflucht!!

Gleich am Anfang steht eine für mich wichtige Frage: Unterwegs was essen oder gleich am Anfang? Ich entscheide mich für Letzteres, ich stoppe gleich an einem Imbiss hinter der Bahnbrücke in der Bernauer Straße in Oranienburg. Große Schilder laden zu einem Döner ein. Aber offenbar nur die Schilder, denn der Dönerspieß ist ratzekahl leer und auch die Behälter, in denen sonst das Kraut drin liegt, ist blitzblank sauber.
Also weiter.

Nächste Station: An der Kreuzung zur André-Pican-Straße entdecke ich, dass im ehemaligen Asia-und-Döner-Imbiss Betrieb herrscht. Ich überquere die Straße und stehe vor einem Eisladen. Nein, kein Eis. Zu kalt, kein Appetit.
Und in den Dönerladen gegenüber will ich auch nicht, weil…, ähm, sieht irgendwie…, also… Weiter.

Ich bin nun auf einem meiner Lieblingsradwege unterwegs, dem zwischen der Lehnitzschleuse und der neuen Brücke in Friedrichsthal. Mein Plan: Zwischenstopp am Imbiss an der ehemaligen Fähre.
Wenn ich etwas hasse, dann ist es Gegenwind, und auf der Strecke herrscht permant Gegenwind. Ich bin das erste Mal bedient – aber nicht das letzte Mal.

Friedrichsthal. Die kleine Gaststätte ist voller Leute. Ich treffe Bekannte, die mir erzählen, dass man Zeit haben müsse, bis man dort bedient werde. Ich laufe ins Zelt, entdecke, dass es dort sogar etwas Warmes zu essen gibt, zum Beispiel Bockwurst und Bratwurst. Ich frage, ob man auch gleich im Zelt das Geschäft abwickeln könne. Geht nicht. Nur am Tisch.
Darauf habe ich keine Lust, ich schwinge mich wieder aufs Rad und fahre weiter.

Mein nächstes Ziel: der Oberhavel-Bauernmarkt in Schmachtenhagen. Weil der Radweg durch den Wald vom Grabowsee bis kurz vor Bernöwe so idyllisch ist, wähle ich diesen Weg. Er ist auch diesmal wieder idyllisch, aber nicht wirklich für mich.
Sagt dir der Begriff “Hunger-Ast” etwas? Ich habe keinen Bock mehr, die Kraft in meinen Beinen lässt nach, und der Weg nimmt kein Ende.
Irgendwann erreiche ich die Chaussee von Bernöwe nach Schmachtenhagen, ich radele weiter. Und werde immer langsamer. Und beginne, zu fluchen. Ich habe Hunger, ich habe Durst. Hinter jeder Kurve hoffe ich, das Ortseingangsschild zu erkennen – aber es will und will sich nicht zeigen.

Plötzlich: ein Geräusch. Das Tuten einer Dampflok. Es klingt original wie der “Rasende Roland” auf Rügen. Spontan bekomme ich Fernweh. Ist es eine Halluzination? Immer wieder tutet es.
Meine Freude könnte groß sein, als ich Schmachtenhagen erreiche, aber ich habe keine Kraft mehr für Freude.
Im Bahnhof von Schmachtenhagen sehe ich den Verursacher des Getutes – eine Dampflok, kurz vor der Abfahrt. Tutend und schnaufend setzt sich der Zug in Bewegung.

Einen Fahrradständer konnte ich auf dem Oberhavel-Bauernmarkt nicht entdecken. Ich lehne es an eine der Buden vor dem Eingang. Auf einer großen Tafel habe ich schon gelesen, dass der Markt um 17 Uhr schließt. Es ist 16.15 Uhr.
Ich laufe durch den düsteren Markt, es wird gerade umgebaut, alles sieht eher nicht einladend aus. Was Warmes zu essen gibt es auch nicht mehr, schließlich müssen sich die Mitarbeiter der Kantine und des Restaurants schon darauf vorbereiten, dass sie in knapp 35 Minuten den Laden abschließen werden.
Meine Laune ist eher nicht so gut.

Ich schwinge mich wieder aufs Rad und entdecke an der Bäke eine kleine Gaststätte. Sie ist meine Rettung. Sie heißt nicht nur “Zur Bäke”, man kann genau das auch erleben. Ich sitze im Garten, neben mir plätschert der kleine Bach unter einer Brücke hindurch. Das Gras ist schon schön grün. Ich esse ein Bauernfrühstück, und die Radfahrerwelt ist wieder in Ordnung.

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