Tagesarchiv für 7. Januar 2013

RTZapper

Köln 50667

Montag, den 7. Januar 2013
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MO 07.01.2013 | 18.00 Uhr | RTL II

Billig muss es sein! Und trotzdem erfolgreich. RTL II ist es gelungen, aber gut finden muss man das nicht.
Am Montag startete der Ableger der Serie “Berlin – Tag & Nacht”. Das Konzept von “Köln 50667” ist das Gleiche: Laiendarsteller spielen irgendeine Handlung nach, die sich ein paar Storyautoren locker ausgedacht haben. Texte? Gibt’s kaum, können die Darsteller sich doch spontan ausdenken. Dazu eine Wackelkamera, keine Filmkulissen, und schon sieht’s aus wie das wahre Leben, zumindest sollen das die Zuschauer von RTL II denken.

So wechselt bei der Kölner Premiere am Montag eine der Berliner Darstellerinnen in die neue Serie und geht als Kellnerin jobben. Eine Stunde lang gibt es quälend lange, unfassbar langweilige Dialoge, aufgesagt von nöligen Tanten oder prolligen Typen. Dazu schicke Bilder aus Köln.
Man will es fast nicht glauben, dass das bei den Zuschauern ankommt. Aber RTL II tut auch viel dafür. Fast 2,5 Millionen Leute verfolgen “Berlin – Tag & Nacht” auf Facebook. Die Darsteller breiten dort weiter ihr “Leben” aus, die Fans können mit “ihnen” kommuninieren. Eine raffinierte Masche. “Köln 50667” hatte schon zehntausende Fans, ohne dass auch nur eine Folge lief – inzwischen sind es fast 350.000.
Sat.1 will bald mit einer ähnlichen Wir-tun-so-als-zeigen-wir-das-wahre-Leben-in-einer-Doku-Serie nachziehen. Der Sender hat es schon lange aufgegeben, gute Sendungen zu kopieren oder kreieren.

Wenn “Köln 50667” Erfolg hat, wird RTL II wohl weiter ausholen: Ableger aus München, Dresden und Hamburg. Oder wie wäre es mit Oranienburg. Da gäbe es bestimmt auch Potenzial.

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RTelenovela

BER: Nicht 2012, nicht 2013, eventuell 2014, aber wohl eher 2015

Montag, den 7. Januar 2013
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Na, wer hätte das erwartet?! Der Eröffnungstermin für den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld ist mal wieder verschoben. Ende Oktober 2013? Abgesagt.
Nun soll es 2014 so weit sein. Oder wohl eher 2015. Genaue Termine werden erst gar nicht mehr genannt.

Ein Satz aber, der ist so unfassbar, dass man einem fast die Luft wegbleibt: Der Neubau muss saniert werden.

Das muss man sich mal überlegen: Im Mai 2012, vier Wochen (!!) vor dem Eröffnungstermin des BER am 3. Juni 2012, heißt es ganz plötzlich: Ups, wir sind noch gar nicht fertig. Inzwischen rückt der Eröffnungstermin drei weitere Jahre (!!) weiter. Drei Jahre!!!
Wer hat da eigentlich wen belogen? Und mit was für einem Flughafen dachten die Verantwortlichen Anfang Mai 2012 eigentlich, in Betrieb zu gehen?
Der Pfusch, die Pleite, das Unwissen, die Verdrängungsarbeit, die Dummheit, das komplette Versagen, das in Schönefeld sein Unwesen treibt, ist einfach nur noch traurig.

Einziger Vorteil für uns im Norden von Berlin: Uns bleibt der Flughafen Tegel noch mindestens zwei Jahre erhalten. Auch wenn das für die Menschen in Pankow und Reinickendorf sicher gar keine gute Nachricht ist, denn es donnern so viele Flieger wie noch nie über die Stadt. Tegel ist an der Belastungsgrenze, und wir können alle nur hoffen, dass da nichts passiert.

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RT im Kino

The Sessions – Wenn Worte berühren

Montag, den 7. Januar 2013
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Mark ist 38 und noch Jungfrau. Es hat bisher sich nicht ergeben, und er hat eigentlich auch nicht daran geglaubt, dass es überhaupt möglich ist.
Mark ist gelähmt. Er leidet an Polio, Kinderlähmung.
Mark (John Hawkes) kann sich zwar nicht bewegen, muss die meiste Zeit an die “eiserne Lunge” angeschlossen werden, Berührungen aber – die kann er spüren. Zunächst wendet er sich an Pfarrer Brendan (William H. Macy) und erzählt ihm von seinem Sexproblem. Der weist zwar darauf hin, dass Mark ja gar nicht verheiratet sei – aber Gott schaut dann wahrscheinlich woanders hin.
Mark sucht nach einer Sextherapeutin und findet Cheryl (Helen Hunt). Sie soll aus ihm einen richtigen erwachsenen Mann machen.

Man könnte sagen, dass “The Sessions – Wenn Worte berühren” ein krasser Film ist. Aber andererseits ist es nur normal, dass der schwerbehinderte Mark auch ein sexuelles Verlangen hat. Der Film von Ben Lewin handelt davon, wie sein größter Wunsch in Erfüllung geht. Oder sagen wir: Wie ein Stück Neugier gestillt wird. Es ist berührend – nicht peinlich berührend! – mitanzusehen, wie Cheryl und Mark miteinander arbeiten. Ja, arbeiten. Denn das ganze Vorhaben ist nicht so einfach, wie sich herausstellt.
Dennoch ist “The Sessions” für eine US-Produktion erstaunlich freizügig. Helen Hunt hat mehrmals komplette Nacktszenen, aber in diesem Fall wirkt es total selbstverständlich, schließlich möchte die Therapeutin Mark dazu bringen, seinen Körper näher kennenzulernen.
Ein Drama mit wenigen komödiantischen Ansätzen (fast) ohne Pathos.

The Sessions – Wenn Worte berühren
USA 2012, Regie: Ben Lewin
Fox, 96 Minuten, ab 12
7/10

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