Monatsarchiv für Mai 2012

RT im Kino

Der Diktator

Dienstag, den 29. Mai 2012

Demokratie? Nein, die duldet Admiral General Aladeen (Sacha Baron Cohen) in seinem Land nicht. Was soll das überhaupt sein, diese Demokratie? Dann wäre ja die ganze, schöne Unterdrückung im Eimer, die er sich in seinem Land mit Erpressungen und der einen oder anderen Erschießung aufgebaut hat.
Nun aber wird er vor die Vereinten Nationen nach New York zitiert, denn ansonsten wird seine geliebte Diktator weggebombt. Also reist Aladeen in die USA, um dort seine 14-stündige Rede zu halten.
Aber es kommt anders. Er wird entführt, verliert seinen Bart, und dann soll auch noch einer seiner bekloppten Doppelgänger eine neue – demokratische! – Verfassung unterschreiben.

Er war Borat, er war der durchgeknallte Brüno, jetzt “Der Diktator”. Obwohl Sacha Baron Cohen erstmals mit einem anderen Konzept ins Kino kommt, landet er fast den Volltreffer. Sonst kommen seine Filme nicht ohne die (mutmaßlich) spontanen Begegnungen mit wahren Menschen aus. “Der Diktator” arbeitet von vorn bis hinten mit Drehbuch. Das aber sorgt im Kino mitunter für riesige Lacher und sogar für Szenenapplaus.
Cohens Film hat aber auch tragische und nachdenkliche Momente. Ganz groß sind zwei Szenen: In der einen lässt er sich eine Frau in den Palast kommen – übrigens Megan Fox, die sich selbst spielt. Er will danach noch kuscheln, sie nicht. Was bleibt, ist ein Polaroidfoto. Eines von hunderten, die man in der Szene danach sieht. In der anderen steht er vor den Vereinten Nationen und preist die Diktatur an: die, in der man mit Lügen Kriege beginnt. Die, in der man den armen Menschen keine Krankenversicherung gibt. Die, in der die Medienlandschaft frei zu sein scheint, aber dann doch nur von einer Familie regiert wird. Und so weiter. Er spricht von den USA, dieser ganz besonderen, ähm, Diktatur.
Unter der Regie von Larry Charles sehen wir, wie sich der Diktator, nun ja… er verliebt sich, holt ein Kind auf die Welt und kann gerade noch zurückgehalten werden, dass er das Mädchen in den Mülleimer wirft, sieht das Leben abseits der Diktatur und wandelt sich… also… na ja, so ein Diktatur ändert sich ja irgendwie doch nie…

8/10

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RTelenovela

Bahnbekanntschaften (64): Wider den Klischees

Montag, den 28. Mai 2012
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(63) -> 1.5.2012

Manchmal kann man mit Vorurteilen und Klischees, die man über bestimmte Menschen im Kopf hat, ziemlich auf die Nase fallen. Am Sonntag ist mir das gleich zweimal passiert.
In der Berliner S-Bahn zwischen Potsdamer Platz und Friedrichstraße. Mir gegenüber sitzen zwei Männer. Der eine: tätowiert, Unterhemd und Jacke, Glatze. Der andere: Hemd, Anzug, schicke Schuhe. Beide hatten nichts miteinander zu tun.
Einer von ihnen hatte eine Flasche Jägermeister in der Hand, fast leer. Der andere eine Flasche Wasser. Aber wer von beiden?
Der Anzugträger hatte den Jägermeister im Schoß. Gerade trank er einen der letzten Schlucke. Sein Blick war glasig, immer wieder rollte er mit den Augen. Er schien sein Limit erreicht zu haben. Der Glatzenmann dagegen nippelte an der Wasserflasche.
Eigentlich hätte das Klischee andersrum ausgesehen.

Eine gute Stunde später auf dem Bahnhof Oranienburger Straße. Ich laufe ganz nach vorne, um dann in Oranienburg ebenfalls ganz vorne wieder aussteigen zu können.
Hinter einer Mauer lauern fünf junge Männer, vermutlich Türken. Sie verfolgen mich mit Blicken, flüstern sich irgendwas zu. Mein Gedanke: Hm. Mein zweiter Gedanke: Muss ich mir Sorgen machen?
Die S-Bahn nach Oranienburg fährt ein. Als sie steht, laufen auch die Männer zum Waggon, sie sehen sich noch einmal um und steigen schließlich ein.
Zwar sind sie zwei Türen weiter hinten zugestiegen, aber sie setzen sich auf den Platz genau neben mir. Wieder flüstern sie: Einer sagt was von einem Revolver, den jemand dabei hätte. Das Wort Verfolgung fällt.
Gegenüber sitzen welche, die wohl vom Karneval der Kulturen kommen. Einer spricht den an, der sich neben ihm gesetzt hat. Es kommt heraus, dass die Jungs offenbar auf der Flucht sind, angeblich hatten sie eine Pöbelei mit Nazis. Es sei zu viel Alkohol geflossen, sagt einer der Jungs. Jetzt beraten sie, ob sie in Gesundbrunnen aussteigen oder ob sie getrennt weiterfahren sollen.
Es waren nicht sie, von denen Gefahr ausging, viel mehr waren sie selbst in Gefahr.
Schon wieder so ein falsches Klischee.

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RT im Kino

Das Hochzeitsvideo

Montag, den 28. Mai 2012

Carlos, die Keule. Pia (Lisa Bitter) hat es ihrem Zukünftigen nicht erzählt. Ihr Ex, dieser Carlos, ist ein Pornostar. Und genau dieser Carlos kommt zur Hochzeit.
Allerdings ist es Sebastian (Marian Kindermann) auch ein bisschen peinlich, dass nach dem Junggesellenabschied, seine Zukünftige gerade dann in die Wohnung kommt, als eine Stripperin nackt aus seinem Zimmer kommt. Auch da gibt es Erklärungsbedarf.
Und die Kamera ist immer dabei, denn Daniel (Martin Aselmann) soll “Das Hochzeitsvideo” machen. Er folgt den beiden auf Schritt und Tritt, auch als die Feierlichkeiten zu eskalieren drohen. Wenn im Suff Dinge passieren, die eigentlich nicht passieren sollen. Denn die ganze Schose droht, im Chaos unterzugehen – und abgesagt zu werden.

Sönke Wortmann (“Der bewegte Mann”, “Die Päpstin”) versucht sich an einem für ihn neuen Genre: der Mockumentary, einer fiktionalen Doku. Zwar hält der Regisseur es im Laufe des Films nicht immer durch, dass ausschließlich das gezeigt wird, was Daniel (und später eine zweite Filmerin) aufnimmt, gelungen ist sein Experiment aber dennoch.
Mit weitgehend unbekannten Darstellern erzählt er eine locker-flockige Geschichte. Die ist gar nicht mal so außergewöhnlich und nicht besonders einfallsreich. Es ist tatsächlich die Art und Weise, die Spaß macht. Man hat den Eindruck, ein besonders interessantes Homevideo zu sehen. Hinzu kommen die durchweg sympathischen Hauptdarsteller und die vielen schrulligen Nebenfiguren. Zwar wünscht man niemandem so eine, sagen wir mal: aufregende Hochzeit. Im Kino sieht man sich das aber gern mal an.

8/10

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RTZapper

17. Karneval der Kulturen 2012

Montag, den 28. Mai 2012
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SO 27.05.2012 | 14.00 Uhr | radioeins.de

Auch in diesem Jahr hatte das Fernsehprogramm des rbb leider keinen Platz für den Karneval der Kulturen. Der farbenfrohe Umzug konnte nicht im Nachmittagsprogramm des Senders live miterlebt werden. Das Regionalprogramm musste ganz dringend das Pferdedrama “Alinas Traum” senden. Auch das zweite Drama, “Der Winzerkrieg” mit Uschi Glas, musste unbedingt ausgestrahlt werden.

Das heißt natürlich nicht, dass der rbb beim Straßenumzug nicht vor Ort war. Mit mehreren Kamera und einem Reporterteam war der rbb live an der Strecke und sendete das Ganze auch – allerdings nur im Internet. Wieder musste radioeins für eine Fernsehübertragung herhalten. Der Karneval der Kulturen lief im Livestream von radioeins.de – wie auch 2011. Es gibt Gerüchte, dass der Sender in fernseheneins umbenannt werden soll.

Der rbb zeigte am Sonntagabend eine Zusammenfassung. Die radioeins.de-Liveübertragung lief dann zeitversetzt in der Nacht zum Montag in voller Länge.
Bin ich eigentlich der einzige, der diese Verfahrensweise für Unsinn hält? Wenn der rbb den Umzug sowieso live sendet, wieso kann das Ganze dann nicht auch live im Fernsehen laufen? Das kann doch nicht wirklich teurer sein? Warum langweilt man sein Publikum stattdessen mit Uschi-Glas-Schund?

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RTZapper

Eurovision Song Contest 2012

Sonntag, den 27. Mai 2012
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SA 26.05.2012 | 21.00 Uhr | Das Erste

Breaking News: Energiekrise erreicht Zypern! Bitte sprechen Sie besonders leise, damit das Licht anbleibt!
Das war wohl der seltsamste Augenblick beim Eurovision Song Contest 2012: Als bei der Punktevergabe Zypern an der Reihe war, flackerte beim Sprecher das Licht immer dann, wenn er besonders laut sprach. Aber vielleicht war das ja auch eine Sanktion von Aserbaidschan, falls die Punktevergabe aus Zypern nicht so ausfällt, wie man sich das in Baku eventuell gewünscht hat.

Schweden hat den ESC 2012 haushoch gewonnen. Europa hat sich auf das skandinawische Land einigen können, fast überallher kamen Punkte für Loreen und ihren fantastischen Song “Euphoria”.
War ich nach den beiden Halbfinals noch auf der Seite Russlands, die mit den Buranowski Babuschki antraten, stimmte ich dann doch für Schweden ab. Im internen Tippspiel setzte ich Russland jedoch auf die 1, Schweden auf die 2.
Die Bühnenshow von Roman Lob war zwar ein bisschen lahm, für einen tollen 8. Platz hat der Auftritt trotzdem gereicht.

Europa erlebte nach Düsseldorf 2011 auch in Baku eine große Show der Superlative. Kein Wunder, denn das Team, das dafür verantwortlich war, war wohl weitgehend dasselbe. Aber dennoch: Der Eurovision Song Contest 2012 war geprägt von Propaganda und Folklore, von Ich-Bezogenheit und Piefigkeit.
Die Eröffnung der Show war langatmig, ganz im Gegensatz zum Entertainment-Feuerwerk von Düsseldorf.
Die Postkarten, die jeweils vor den Künstlern zu sehen waren, beschäftigten sich ausschließlich damit, wie toll doch Aserbaidschan ist, ohne Bezug zu den Gästen. Die tollen Bauten, die Wirtschaft, die Energie. Eigentlich hatte die Produktionsfirma Brainpool humorvollere Stücke vorbereitet, die wollten die Offiziellen in Baku jedoch nicht haben. Aber nicht umsonst wurde die Show vom “Aserbaidschan-Tourismus” und von einem staatlichen Ölbetrieb gesponsert.
In der Pausenshow sang der Schwiegersohn des aserbaidschanischen Präsidenten ein belangloses Poplied.

Während der mehr als 200-minütigen Show hatte niemand den Arsch in der Hose, gegen die Missstände in Aserbaidschan Flagge zu zeigen. Gegen die niedergeschlagenen Demos, die beschnittene Pressefreiheit. Nur eine äußerte sich: Anke Engelke. Als sie von Hamburg aus die deutschen Punkte bekanntgab, sagte sie auf Englisch: “Heute Abend konnte niemand für sein eigenes Land abstimmen. Aber es ist gut, wählen zu können. Und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf deiner Reise, Aserbaidschan! Europa beobachtet dich!” Damit ist Anke Engelke die deutsche ESC-Heldin geworden. Und das auch, weil sich der Fernsehsenderverbund EBU aus der Politik fein rausgehalten hat.

Und dann gibt es noch den armen Engelbert Humperdinck. Der ehemalige Schlagerstar trat für Großbritannien an. Aber sein Song “Love will set you free” fiel durch, und das leider zu recht. Das Lied war schlicht, es fehlte der Pepp, das Spezielle. Und damit, einfach nur einen singenden Mann auf die Bühne zu stellen, der ein Lied singt, das nicht haften bleibt, gewinnt man heute beim ESC keinen Blumentopf mehr.
Dass dagegen Albanien auf Platz 5 landete, ist eine Überraschung. Das Lied mit dem langen Schrei war sehr anspruchsvoll. Es zeigt, dass es den Leuten offenbar nicht nur um Tralala und Hoppsassa geht. Im Gegensatz zum britischen Song hatte aber Albanien eben das ganz Spezielle und Einprägsame.

2013 findet der Eurovisionszirkus also in Schweden statt. Da sind dann wohl keine Menschenrechtsdabetten zu erwarten. Auf welche Art und Weise wir unseren Star für Schweden finden, steht noch nicht fest. Es läuft wohl darauf hinaus, dass ProSieben die Zusammenarbeit mit dem NDR kündigt. Was schade ist, obwohl nach dem lahmen Baku-Casting so oder so frischer Wind wehen muss.

Zu guter Letzt: Das ist der Gewinnersong aus Schweden. Loreen – “Euphoria”

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RTelenovela

Versteckt im tiefen, tiefen Brennnesselfeld

Samstag, den 26. Mai 2012
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-> 26.9.2011

Ganze 25 Minuten. So lange hat es diesmal nur gedauert, bis Paul beim Versteckspielen gefunden wurde.
Aber in diesen 25 Minuten habe ich Hohen Neuendorf mal wieder von einer ganz neuen Seite kennengelernt, und ich war froh, dass ich eine lange Hose und eine Jacke anhatte.

Nach dem Vorgeplänkel war unser Treffpunkt in der Eichenallee in Hohen Neuendorf, eine nette Wohnsiedlung. Allerdings gefährlich für uns, denn sie geht von einer Hauptstraße ab, wo wir alle hätten also schnell gefunden werden können. Diesmal sind es mehr als 30 Leute gewesen, die sich an der Suche von Paul beteiligt haben. Tipps gab es wie immer über die “Hiding in H-Town”-Seite bei Facebook im Internet.
Unser Weg führte über über ein Feld zu einer Allee. Eigentlich wollten wir über einen unbefestigten Weg zu einer Bahnunterführung – aber da kamen uns auch schon die ersten “Sucher” entgegen. Paul rannte weg, ein Mädchen hinterher. Von da an war Paul auch für uns verschwunden.
Um ihn wieder einzuholen, liefen wir einen Umweg über ein weiteres Feld. Es begann das Survivaltraining des Tages: bergauf, und der komplette Berg war voller Brennnesseln. Auf dem Hügel war also nichts mit Festhalten – und hinzufallen war eher auch nicht ratsam. Oben angekommen sah ich dann – noch mehr Brennnesseln. Weites Feld. Wieder runter ging aber auch nicht. Also ab durchs Feld.

In der Zwischenzeit ist Paul gefunden – oder besser: gefangen worden. So schnell ging das noch nie, weshalb auch gleich eine zweite Runde angesetzt wurde.
Diese zweite Runde machte ich allerdings nicht beim Flüchtenden mit, sondern bei den Suchenden.
Unsere Vermutung: Paul macht einfach da weiter, wo er gefunden wurde. Schließlich hatte er sich ja eine richtige Route überlegt, zu der er ja nun nicht mehr gekommen war. Wir haben diese Idee dann verworfen. das war ein Fehler.
Nach in den ersten Tipps von einem Fußballplatz die Rede war, fuhren wir zum Platz am Marie-Curie-Gymnasium. Schnell stellte sich aber raus, dass das falsch war.
Immer wieder begegneten uns die anderen Suchenden in ihren Autos.
Auf einem neuen Foto waren Bahngleise zu erkennen – der Bahnhof Hohen Neuendorf West? Dann war von einer bestimmten Kita die Rede. Und von einem Spielplatz. Inzwischen war klar, dass paul tatsächlich die Route von vorhin wieder aufgenommen hat.
Mein Team hat ihn leider nicht gefunden. Lustig und spannend war das Ganze dennoch.
Egal, mit wem man spricht: Alle sind begeistert von dieser Art des Versteckspiels. Alle sagen, dass es großen Spaß macht, dass sie sich freuen, dass Paul so etwas organisiert. Und da haben sie wohl recht.

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RTelenovela

Zahnarzt (35): Angst? Quatsch!

Freitag, den 25. Mai 2012
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(34) -> 3.4.2012

Keine Viertelstunde hat es gedauert, bis ich wieder im Büro saß und weiterarbeiten konnte. “Schon vorbei?”, fragte dementsprechend auch meine Kollegin, wo ich doch vorher angekündigt hatte: Es muss gebohrt werden.
Dabei hat es gar nicht weh getan.

Plötzlich war es da: ein Loch in der Füllung. Gute vier Wochen ist es her, und eigentlich wollte ich damit so schnell wie möglich zum Zahnarzt. Aber so schnell wie möglich heißt: vier Wochen warten, erst dann war wieder ein Termin frei, und ein Notfall war ich noch nicht.

Wer Angst vorm Zahnarzt hat, dem sei gesagt: Es ging alles ganz schnell, eins-fix-drei. Rauf auf den Stuhl, Mund auf, mit dem Bohrer die Füllung aufgebohrt, neues Zeug reingeschmiert, abgeschliffen, 10 Euro abgedrückt und auf Wiedersehen.
Davor muss man ja nun schon keine Angst haben. Die habe ich erst, wenn’s um den Weisheitszahn geht.

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