Tagesarchiv für 28. Mai 2012

RTelenovela

Bahnbekanntschaften (64): Wider den Klischees

Montag, den 28. Mai 2012
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(63) -> 1.5.2012

Manchmal kann man mit Vorurteilen und Klischees, die man über bestimmte Menschen im Kopf hat, ziemlich auf die Nase fallen. Am Sonntag ist mir das gleich zweimal passiert.
In der Berliner S-Bahn zwischen Potsdamer Platz und Friedrichstraße. Mir gegenüber sitzen zwei Männer. Der eine: tätowiert, Unterhemd und Jacke, Glatze. Der andere: Hemd, Anzug, schicke Schuhe. Beide hatten nichts miteinander zu tun.
Einer von ihnen hatte eine Flasche Jägermeister in der Hand, fast leer. Der andere eine Flasche Wasser. Aber wer von beiden?
Der Anzugträger hatte den Jägermeister im Schoß. Gerade trank er einen der letzten Schlucke. Sein Blick war glasig, immer wieder rollte er mit den Augen. Er schien sein Limit erreicht zu haben. Der Glatzenmann dagegen nippelte an der Wasserflasche.
Eigentlich hätte das Klischee andersrum ausgesehen.

Eine gute Stunde später auf dem Bahnhof Oranienburger Straße. Ich laufe ganz nach vorne, um dann in Oranienburg ebenfalls ganz vorne wieder aussteigen zu können.
Hinter einer Mauer lauern fünf junge Männer, vermutlich Türken. Sie verfolgen mich mit Blicken, flüstern sich irgendwas zu. Mein Gedanke: Hm. Mein zweiter Gedanke: Muss ich mir Sorgen machen?
Die S-Bahn nach Oranienburg fährt ein. Als sie steht, laufen auch die Männer zum Waggon, sie sehen sich noch einmal um und steigen schließlich ein.
Zwar sind sie zwei Türen weiter hinten zugestiegen, aber sie setzen sich auf den Platz genau neben mir. Wieder flüstern sie: Einer sagt was von einem Revolver, den jemand dabei hätte. Das Wort Verfolgung fällt.
Gegenüber sitzen welche, die wohl vom Karneval der Kulturen kommen. Einer spricht den an, der sich neben ihm gesetzt hat. Es kommt heraus, dass die Jungs offenbar auf der Flucht sind, angeblich hatten sie eine Pöbelei mit Nazis. Es sei zu viel Alkohol geflossen, sagt einer der Jungs. Jetzt beraten sie, ob sie in Gesundbrunnen aussteigen oder ob sie getrennt weiterfahren sollen.
Es waren nicht sie, von denen Gefahr ausging, viel mehr waren sie selbst in Gefahr.
Schon wieder so ein falsches Klischee.

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RT im Kino

Das Hochzeitsvideo

Montag, den 28. Mai 2012

Carlos, die Keule. Pia (Lisa Bitter) hat es ihrem Zukünftigen nicht erzählt. Ihr Ex, dieser Carlos, ist ein Pornostar. Und genau dieser Carlos kommt zur Hochzeit.
Allerdings ist es Sebastian (Marian Kindermann) auch ein bisschen peinlich, dass nach dem Junggesellenabschied, seine Zukünftige gerade dann in die Wohnung kommt, als eine Stripperin nackt aus seinem Zimmer kommt. Auch da gibt es Erklärungsbedarf.
Und die Kamera ist immer dabei, denn Daniel (Martin Aselmann) soll “Das Hochzeitsvideo” machen. Er folgt den beiden auf Schritt und Tritt, auch als die Feierlichkeiten zu eskalieren drohen. Wenn im Suff Dinge passieren, die eigentlich nicht passieren sollen. Denn die ganze Schose droht, im Chaos unterzugehen – und abgesagt zu werden.

Sönke Wortmann (“Der bewegte Mann”, “Die Päpstin”) versucht sich an einem für ihn neuen Genre: der Mockumentary, einer fiktionalen Doku. Zwar hält der Regisseur es im Laufe des Films nicht immer durch, dass ausschließlich das gezeigt wird, was Daniel (und später eine zweite Filmerin) aufnimmt, gelungen ist sein Experiment aber dennoch.
Mit weitgehend unbekannten Darstellern erzählt er eine locker-flockige Geschichte. Die ist gar nicht mal so außergewöhnlich und nicht besonders einfallsreich. Es ist tatsächlich die Art und Weise, die Spaß macht. Man hat den Eindruck, ein besonders interessantes Homevideo zu sehen. Hinzu kommen die durchweg sympathischen Hauptdarsteller und die vielen schrulligen Nebenfiguren. Zwar wünscht man niemandem so eine, sagen wir mal: aufregende Hochzeit. Im Kino sieht man sich das aber gern mal an.

8/10

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RTZapper

17. Karneval der Kulturen 2012

Montag, den 28. Mai 2012
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SO 27.05.2012 | 14.00 Uhr | radioeins.de

Auch in diesem Jahr hatte das Fernsehprogramm des rbb leider keinen Platz für den Karneval der Kulturen. Der farbenfrohe Umzug konnte nicht im Nachmittagsprogramm des Senders live miterlebt werden. Das Regionalprogramm musste ganz dringend das Pferdedrama “Alinas Traum” senden. Auch das zweite Drama, “Der Winzerkrieg” mit Uschi Glas, musste unbedingt ausgestrahlt werden.

Das heißt natürlich nicht, dass der rbb beim Straßenumzug nicht vor Ort war. Mit mehreren Kamera und einem Reporterteam war der rbb live an der Strecke und sendete das Ganze auch – allerdings nur im Internet. Wieder musste radioeins für eine Fernsehübertragung herhalten. Der Karneval der Kulturen lief im Livestream von radioeins.de – wie auch 2011. Es gibt Gerüchte, dass der Sender in fernseheneins umbenannt werden soll.

Der rbb zeigte am Sonntagabend eine Zusammenfassung. Die radioeins.de-Liveübertragung lief dann zeitversetzt in der Nacht zum Montag in voller Länge.
Bin ich eigentlich der einzige, der diese Verfahrensweise für Unsinn hält? Wenn der rbb den Umzug sowieso live sendet, wieso kann das Ganze dann nicht auch live im Fernsehen laufen? Das kann doch nicht wirklich teurer sein? Warum langweilt man sein Publikum stattdessen mit Uschi-Glas-Schund?

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