Tagesarchiv für 10. Mai 2012

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Youtube-Star in der Backstube

Donnerstag, den 10. Mai 2012
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Sandro Kohnke (22) aus Schwante ist der Hauptdarsteller in einem Imagefilm

MAZ Oranienburg, 10.5.2012

Der Bäckergeselle konnte in die Welt des Werbefilms schnuppern. Ansonsten aber liebt er die Kreativität in seinem Beruf.

SCHWANTE
Wenn andere Menschen gerade mal ins Bett gehen, dann beginnt für Sandro Kohnke die Arbeit. Morgens um 0.30 Uhr macht sich der 22-jährige Schwantener auf den Weg zur Backstube. Er ist Geselle in der Bäckerei Plentz. Er sorgt für die Streusel auf der Schnecke, für das frische Brot und liefert die Ware auch schon mal aus.

Momentan jedoch hat Sandro noch eine andere Aufgabe. In einem Imagefilm des Bäckerhandwerks wirbt er für sein Gewerbe. Der etwas mehr als zweiminütige Clip ist bei Youtube im Internet zu sehen und hatte innerhalb von gut sechs Wochen schon fast 56 000 Zuschauer. Das ist eine für diese Art Video erstaunliche hohe Klickzahl.
Der Dreh dafür fand im Februar in Schwante und Berlin statt. „Das war aufregend“, erzählt Sandro. Im Film sieht man, wie er mitten in der Nacht aufsteht, sich aufs Fahrrad schwingt und dann in der Bäckerei seinen Job macht, damit die Leute nach dem Aufstehen frühstücken können. „Text musste ich nicht lernen“, sagt Sandro, „nur Regieanweisungen ausführen.“
Sein Chef Karl-Dietmar Plentz hat dafür gesorgt, dass Sandro in dem Clip mitspielt. „Es geht ja auch darum, dass man sehen soll, dass da wirklich ein Bäcker seine Arbeit macht und nicht ein Schauspieler am Werk ist“, sagt er. Man sehe sofort, wenn jemand den Teig knete, der davon keine Ahnung habe. Schon einmal wirkte Sandro Kohnke in einem Film mit. Im Herbst 2010 nahm er an einem Praktikumsprogramm der Handwerkskammer teil und reiste dafür ins italienische Vicenza. Auch dort entstand ein kurzer Film. „Da hat er auch schon sehr gut mitgespielt“, so Karl-Dietmar Plentz.
Reaktionen hat Sandro Kohnke auf den Clip auch schon bekommen. Als er beim Zahnarzt war, hieß es gleich: „Sind Sie nicht …?“ Sandro sagt: „Das ist schön, wenn so was passiert.“

Eigentlich wollte der 22-Jährige Tischler werden. Doch nach seinem Schulabschluss an der Kremmener Goethe-Oberschule blieben entsprechende Bewerbungen ohne Ergebnis. Durch ein Praktikum in der Schwantener Bäckerei entdeckte er seine Leidenschaften fürs Backen. „Heute würden ich sagen: Das ist mein Traumberuf“, sagt Sandro. Durch die Filmerei hat er zwar überlegt, in der Richtung mehr aktiv zu werden. „aber da hat man ja selten ein geregeltes Einkommen“, so Sandro.
Nach der Nachtschicht hat er gegen 10 Uhr Feierabend. Ab dem Mittag bleiben dem Schwantener sechs bis sieben Stunden Schlaf. „Der Körper gewöhnt sich daran.“

Hits: 17

RT im Kino

Iron Sky

Donnerstag, den 10. Mai 2012

Die Nazis aus dem Dritten Reich sind Geschichte? Nein. In Wirklichkeit leben sie nur hinterm Mond. Oder besser gesagt: auf der dunklen Seite des Mondes. 1945, nach ihrer Niederlage, sind sie einst geflüchtet, und nun planen sie die Wiederübernahme der Erde.
Inzwischen ist das Jahr 2018, und die Mondnazis (u.a. Udo Kier und Julia Dietze) fühlen sich stark genug, zurück zur Erde zu fliegen. Stutzig werden sie nur, als ein schwarzer Ami auf dem Mond landet und er ein Handy dabei hat, das mehr kann, als ihr riesiger Computer. Es ist klar: Diese neue technik müssen sie haben. Nazi-Offizier Klaus Adler (Götz Otto) entschließt sich zur Reise auf die Erde.

Joa. An sich ist die Idee ja großartig: Das Dritte Reich hat überlebt und wird auf dem Mond fortgesetzt. Hakenkreuze, Hitlergruß und das ganze Gedöns. dann kommen sie zur Erde und wollen den Amis zeigen, was ein richtiger Nazi ist. Die Amis selbst werden inzwischen von einer Frau regiert (“Yes, she can!”), die lügt, dass sich die Balken biegen und hetzt die anderen Länder aufeinander.
Alles an sich erst mal lustig.
Dennoch wirkt “Iron Sky” von Timo Vuorensola seltsam steril und zäh. Aus der Grundidee ist leider nur ein Film voller flacher Witzchen geworden. Slapstick, der recht unmodern wirkt, jedenfalls nur selten wirklich lustig. Das Ganze erscheint seltsam betulich, mit jeder Minute mehr langweilig – selbst wirklich komische Ideen wie die Gesangsstunde, die die Nazis zum spontanen Hitlergruß animinieren – sorgen nur für kurze Lacher, und das war’s dann auch schon. der Funke springt nur sehr selten über.
Ohne zu verraten, worums es geht – die Schlussszene, der letzten Moment vor dem Abspann – das ist ein toller Aha-und-Wow-Augenblick mit Gänsehaut. Dennoch ist die Enttäschung am Ende groß. Keine Ahnung, wieso die Euphorie zur Berlinale so riesig war.

4/10

Hits: 13

RT im Kino

Noordzee, Texas

Donnerstag, den 10. Mai 2012

Pim (Jelle Florizoone) ist ein eher ruhiger Junge. Man könnte sagen: Er ist schweigsam. Der 15-Jährige Pim lebt mit seiner Mutter in einem kleinen Ort an der belgischen Nordseeküste. Seine Mutter ist ganz anders als er: laut, auffallend. Fast scheint es, sie beachtet ihren Sohn gar nicht.
Sie merkt kaum, dass sich Pim in Tagträume flüchtet – und zu den Nachbarn. Dort treibt er sich öfter rum. Auch um mit Gino (Mathias Vergels) zusammen zu sein. Doch da ist mehr. Pim verliebt sich, und Gino scheint nicht abgeneigt zu sein. Oder doch, Gino weiß es nicht so genau, hat irgendwann plötzlich doch eine Freundin.
Als dann zu Hause auch noch der Schausteller Zoltan (Thomas Coumans) auftaucht, sind Pim und seine Mutter plötzlich Konkurrenten…

Für sein Spielfilmdebüt hat sich Regisseur Bavo Defurne die Verfilmung des berühmten flämischen Jugendbuchklassikers „Nooit gaat dit over“ von André Sollie ausgesucht. Ein junger Mann entdeckt irgendwie im Nirgendwo damit, dass er sich verliebt, aber keine Gegenliebe bekommt. “Als Filmemacher möchte ich die Zuschauer durch Schönheit berühren, sozialer Realismus interessiert mich nicht”, sagt Defurne. Dennoch lässt er Pim durchaus auch mit dem sozialen Realismus kämpfen, mit einer Mutter, die in im Stich lässt, mit der er sich andererseits aber auch nicht besonders abgibt.
Im Grunde genommen ist “Noordzee, Texas” dennoch eine recht typische Coming-of-Age-Geschichte geworden, die es so oder ähnlich schon öfter gegeben hat. Fast schon ein bisschen zu gewöhnlich. Dennoch durchaus nett.

6/10

Hits: 18