Tagesarchiv für 7. April 2012

RTZapper

Komm, schöner Tod

Samstag, den 7. April 2012
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DO 05.04.2012 | 22.20 Uhr | ZDF

Sterbehilfe – oft noch ein Tabuthema. Aber beim ZDF war man mal mutig und zeigte am Donnerstagabend einen Film namens “Komm, schöner Tod”. Darin ging es um die überalterte Gesellschaft in der Zukunft und der Art und Weise, wie sich die Menschen den Alten entledigen wollen.
Dann aber der Skandal: Der für 20.15 Uhr konzipierte Film wurde auf den späteren Abend verbannt, ZDF-Chefredakteur Peter Frey fand trotzdem, das sei ein sehr guter Sendeplatz für den Film. Und natürlich: Die Filmemacher waren stinkig. Zurecht, dachte man.

Am Donnerstag lief nun also “Komm, schöner Tod” im ZDF. Und nun ist klar: Das von Regina Ziegler produzierte TV-Drama war einfach zu schlecht für die Primetime.
Der Film spielte in einer nicht näher benannten Zukunft, in der die Alten wie Dreck behandelt werden. Wie Hunde werden sie auf der Straße eingesammelt und ins Heim gesteckt. Dort werden sie nach und nach um die Ecke gebracht.

Das hätte ein packender Stoff sein können. Sterbehilfe überhaupt ist ein spannendes Thema. Nur leider ist “Komm, schöner Tod” kein Beitrag dazu. Viel zu grotesk sind die Figuren überzeichnet. Der erfolgreiche Alte, der sich sein Leben quasi erkauft. Der überkandidelte Geschäftsmann, die aufgebretzelte Frau, die übermotivierten Hun… äh, Altenfänger.
Dieser film war über weite Strecken abechselnd doof und langweilig.

Warum muss dieses Thema in der Zukunft spielen? In einer, die – wie schon öfter im ZDF – sehr unscharf und vage dargestellten Zukunft. Warum müssen die gezeigten Leute immer einen übertriebenen Charakter haben? Warum nimmt man das Thema nicht einfach mal ernst?

Senderintern beschwerte sich ein ZDF-Redakteur über “die Mutlosigkeit des Systems”. Nun ja, “Komm, schöner Tod” war genau das auch: mutlos.

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RT im Kino

Drive

Samstag, den 7. April 2012

Es gibt wenige Filme, die das Prädikat “Wow! Cool!” bekommen. Nicolas Winding Refns “Drive” hat es sich verdient.

Der Fahrer (Ryan Gosling) hat’s drauf. Er kennt alle Tricks, um auf den Straßen der Polizei zu entkommen, die ihn und seine Mitfahrer jagt. Aber genau das ist sein Job. Er ist der Fahrer von Fluchtautos. Werden bewaffnete Einbrüche verübt, dann wartet er draußen im Auto. Er gehört nicht dazu, er fährt nur.
Kein Wunder, dass er’s drauf hat: Am Tage arbeitet er als Stuntman für Hollywoodfilme und schraubt in einer Werkstatt an Autos herum.
Die Routine ist vorbei, als er sich in Irene (Carey Mulligan) verliebt. Es scheint, dass etwas mehr daraus wird, doch dann kommt ihr Mann aus dem Gefängnis. Er hat Dreck am Stecken und bittet den Gahrer, ihm zu helfen. Irene zu Liebe lässt er sich darauf ein. Und das ist ein Fehler.

“Drive” fesselt. Durch seine Bilder. Durch seine Story. Durch die Musik. Durch die Schauspieler. Alles fesselt.
Die Geschichte ist an keiner Stelle vorhersehbar. “Drive” ist eine hochinteressante Mixtur aus sehr ruhigen Szenen und actiongeladenen. Dabei macht allerdings auch die Ruhe die Spannung aus. Es ist eine angespannte Ruhe, eine, von der man nicht weiß, ob sie trügerisch, oder einfach wirklich nur ruhig ist. Eine Atmosphäre, die nur noch selten vorkommt – und die vor allem über weite Strecken des Films anhält.
Ryan Gosling spielt den namenlosen Fahrer grandios. Ein Mann, der eiskalt seinen Job verübt, der sich Hals über Kopf verliebt, geradezu liebevoll ist, und dann, vor Wut, aus Verzweiflung unfassbar gewalttätig ist.
Der letzte Aspekt allerdings sorgt für den Minuspunkt. An einigen Stellen ist “Drive” eine blutige Gewaltorgie, die, so, wie sie gezeigt wird, eher überflüssig ist, vielleicht auch anders umsetzbar gewesen wäre.
Der hochmoderne und abwechslungsreiche Soundtrack rundet dieses Filmerlebnis ab. Und da ist es wieder, das Prädikat: Wow! Cool! Das kann man an der Stelle ruhig zweimal sagen.

9/10

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RTZapper

Heiter bis tödlich: Alles Klara

Samstag, den 7. April 2012
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DO 05.04.2012 | 18.30 Uhr | Das Erste

Deutsche Serien sind piefig, bieder, einfach unmodern. So lautet das Klischee. Dummerweise wird dieses Klischee viel zu oft bestätigt. Wie zum Beispiel am Donnerstagabend beim Start der neuen Schmunzelkrimi-Reihe “Alles Klara”.

Schon allein dieses Wort: Schmunzelkrimi. Da möchte man schreiend wegrennen. Aber genau dieses Genre will die ARD im Vorabendprogramm des Ersten etablieren. Unter der Marke “Heiter bis tödlich” laufen dreimal in der Woche Krimireihen aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Bislang hat das aber nicht funktioniert. Die Zuschauer ignorieren nicht nur “Gottschalk live” weitgehend, sondern auch die … hüstel … Schmunzelkrimis.

“Alles Klara” war, schon bevor die neue Serie auf Sendung ging, zum Scheitern verurteilt. Bislang hat keine der neuen Krimireihen gute Quoten erreicht.
Allerdings gibt es auch nur wenig Gründe, “Alles Klara” ein zweites Mal einzuschalten – wenn man mal von Hauptdarstellerin Wolke Hegenbarth absieht. Aber leider bedient Das Erste mal wieder alle Klischees.
Die Reihe spielt im Harz, und weil das in der Provinz liegt, müssen die Ermittler natürlich auch alle ein bisschen dämlich sein. Weil: Provinz, Dorfmoppis, doof. So lautet das Credo. Dazu die übliche Haha-lustig-Hintergrundmusik, und die schon zigmal gesehene “Laie zeigt’s den doofen Polizisten mal, wie es geht”-Story.
Das ist zwar wirklich manchmal zum Schmunzeln, aber gleichzeitig auch so verstaubt, als wenn aus Versehen ein 1995 geschriebenes Drehbuch verfilmt worden wäre.

Andererseits: Bei dem Begriff “Schmunzelkrimi” sollte man auch kein modernes Fernsehen erwarten. Schade um Wolke Hegenbarths Talent.

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