Tagesarchiv für 4. Februar 2012

RTelenovela

Dem Schnösel passt das nicht

Samstag, den 4. Februar 2012
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Wenn es im Tipi am Kanzleramt in Berlin so richtig voll ist, dann ist es an einigen Stellen auch richtig eng. An den kleinen Tischchen stehen gern mal fünf oder sechs Stühle. Da hat es der Gast nicht immer einfach.
Einem jungen Schnösel, der am Freitagabend mit seiner Freundin ins Tipi kam, um sich die Puppenimproshow “Pfoten hoch!” anzusehen, ist das sehr sauer aufgestoßen.

Er ist vielleicht um die 30, schwarzer Smoking, weißes Hemd drunter, seine Freundin trottet hinter ihm her. Die Platzanweiserin weist den beiden zwei Stühle zu. Sie sind schon recht spät, das Tipi ist gut gefüllt.
Die beiden müssen hintereinander sitzen, es ist relativ eng. Der Typ hat sich noch nicht mal hingesetzt, da beginnt er schon, herumzuzetern. Das könne ja nicht wahr sein, dass sie hier so beschissene Plätze haben.
Er dreht sich den Stuhl zu seiner Freundin und setzt sich mit dem Rücken zur Bühne. Es sei ja eine Unverschämtheit, wie sie hier platziert worden seien. Seine Freundin sagt nichts, ihr scheint das egal zu sein. Bis er sie fragt: “Siehst du überhaupt was?” Sie zuckt nur mit den Schultern und sagt dann, dass sie gut sehe. Ihr Freund sieht das anders. Da habe er alle Hebel in Bewegung gesetzt, viel Geld gezahlt (zwischendurch faselte er noch was von Freikarten – vielleicht haben sie die Tickets auch von der Mama geschenkt bekommen), und dann diese miesen Plätze. Da sitze man ja bei der SPD besser (was immer er damit meinte). Er müsse sich beschweren.

Und tatsächlich: Der Typ holte sein Handy raus und begann, eine E-Mail ans Tipi zu schreiben.
Der Freundin war das alles ziemlich peinlich. Als ihr Macker weiterseierte, sagte sie: “Dreh dich um, ich will dein Gesicht nicht mehr sehen.” Er: “Stört dich das hier alles nicht?” Sie antwortet nicht.
Er scheint seine E-Mail ans Tipi tatsächlich abzuschicken. Einen besseren Platz bekommt er dadurch aber nicht, aber vielleicht geht es ihm ja jetzt besser.

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aRTikel

1992: Der Kremmener Bahnhof ist für einen Tag voller Flüchtlinge

Samstag, den 4. Februar 2012
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Januar 1992 II -> 31.1.2012

Vor 20 Jahren: Dreharbeiten für den Kriegsfilm „Die Krücke“ / Explosion im Oranienburger Heizwerk / Veltener streiten um Hafenflächen

MAZ Oranienburg, 4.2.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Diesmal: die erste Hälfte im Februar 1992.

OBERHAVEL
Der Kremmener Bahnhof verwandelt sich am 1. Februar 1992 in den Bahnhof der schlesischen Stadt Namslau. Und nicht nur das: Tiefflieger nähern sich der Stadt. Das ZDF und die Defa drehen den Film „Die Krücke“. Der Bahnsteig ist voller „Flüchtlinge“, einen Tag wird die Zeit um mehr als 45 Jahre zurückgedreht. Die Filmcrew entschied sich für Kremmen, weil dort seit 1945 der Bahnhof kaum modernisiert wurde.

In Oranienburg explodiert am selben Tag im Heizwerk an der Klagenfurter Straße ein Kessel. Offenbar sind bestimmte Messwerte nicht beachtet worden. Zum Glück nehmen weder Menschen noch Umwelt Schaden.

Auch die Sumpfbieber an der Havel lassen sich davon nicht stören. Sie werden 1992 am Blauen Wunder in der Kreisstadt heimisch. Sie kommen offenbar von einer Nutriafarm, aus der Tierschützer kurz zuvor 500 der Nager befreiten. Von den Oranienburgern werden die Sumpfbieber nun liebevoll gefüttert.

Zoff gibt es dagegen in Liebenthal. Die Mehrheit der Bewohner spricht sich für eine Fusion mit Groß Schönebeck und gegen Liebenwalde aus. Im Landratsamt in Oranienburg ist man wenig begeistert.

Auch die Veltener haben Ärger. Am Hafen sind städtische Flächen durch die Treuhand an private Investoren verkauft worden – ohne Wissen der Verwaltung. Bürgermeister Frank-Michael Reinhardt kündigt an, die Treuhand zu verklagen. Denn nun wäre der aufwändig sanierte Umschlagplatz der Stadt nur noch von zwei Stellen aus erreichbar.

Unterdessen nimmt im Kreis Oranienburg die Zahl de Arbeitslosen rasant zu. Die Quote liegt nun bei 20,3 Prozent. Es heißt, zum 31. Dezember 1991 seien viele Arbeitsverträge ausgelaufen.

Rund um das Gut Pinnow soll ein Freizeit- und Naherholungszentrum entstehen. Dazu gehören ein Reiterhof, eine Pension und Wohnräume. 60 Millionen Mark sollen dafür investiert und 65 Arbeitsplätze geschaffen werden. Allerdings will Bürgermeister Lothar Wolf das Handtuch werfen, denn das Projekt gerät ins Stocken. Der Verwalter, die Stadtgüter Berlin GmbH, sieht sich im Februar 1992 nicht in der Lage, irgendetwas zu entscheiden.

In der Oranienburger Schulstraße legt die Telekom den Grundstein für ein neues Gebäude. In den Mehrgeschosser ziehen die digitale Fernsprechvermittlung, Geschäfte und Büros. Das Erdgeschoss ist bei der Zeremonie am 7. Februar schon zu sehen.

Auch Kremmen würde gern feiern. Ein Unternehmer aus Mainz hat das frühere städtische Klubhaus am Markt übernommen und will daraus eine gastronomische Perle machen, wie er sich in der MAZ ausdrückt. Der Umbau soll nach dem Fasching beginnen.

Die Bürgermeisterwahl in Stolpe-Süd am 7. Februar 1992 fällt aus. Das teilte Gemeindevertreterchef Heinrich Nabrowsky den Kollegen kurzfristig per Brief mit. Am Tag der Wahl ist er nicht zu erreichen, es heißt, er sei krank. Damit spitzt sich der Streit in der Gemeinde – Ende Januar 1991 hat Landrat Schröter den Bürgermeister wegen angeblicher Verfahrensfehler entlassen – weiter zu.

Kremmen und Liebenwalde haben währenddessen Probleme bei der Bildung eines Amtes. Kremmen fehlen 400 zu den geforderten 5000 Einwohnern. Hohenbruch will sich Oranienburg anschließen. Die Lösung wäre, dass Staffelde dazustößt. Staffelde will jedoch nach Eichstädt. Auch Liebenwalde verhandelt noch – Mitte Februar 1992 mit Falkenthal. Doch die Chancen stehen schlecht, Falkenthal hat eine Verwaltungsgemeinschaft mit Zehdenick. Freienhagen will lieber nach Oranienburg. Müssen sich nun die Liebenthaler trotz gegenteiligem Votums doch nach Liebenwalde orientieren?

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