Tagesarchiv für 9. Januar 2012

RTZapper

3 Jahre Family.TV

Montag, den 9. Januar 2012
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SA 07.01.2012 | 21.10 Uhr | Family.TV

Herzlichen Glückwunsch, Family.TV! Am Sonnabendabend feierte der Sender mit einer großen Show sein großes Jubiläum.
Ähm, oder eher: mit einer kleinen Show das kleine Jubiläum.
Äh, oder doch vielleicht: mit einem Dings das… ähm, Dings.

In der Sendung “3 Jahre Family.TV” feierte der Sender sich selbst. Die Party bestand darin, dass drei Leute auf einer Couch oder einem Hocker saßen. Einer – der Senderchef – fand alles toll, was bei Family.TV zu sehen war. Die Frau daneben fand den Sender früher… also, früher da war das alles irgendwie… na ja. Daneben saß ein Typ, der nicht genau wusste, warum er überhaupt da ist und eigentlich nichts zu sagen hatte.
Das ist die perfekte Mischung für einen herrlichen Trash-TV-Abend.

Ich habe an sich nichts gegen Dilettantenfernsehen. Da können auch gute Sachen bei sein. Wenn es sich als das betrachtet, was es ist.
Bei Family.TV ist das anders. Family.TV bezeichnet sich als Deutschlands ersten Internetfernsehsender. Als richtiges Fernsehen – bloß eben ausschließlich im Internet. Und: Die nehmen sich total ernst. Dort laufen ein Frühstücksfernsehen, Nachrichten und weitere selbst produzierte Sendungen. Dazu eingekaufte alte Shows und Serien von ProSiebenSat.1.

Die Frage aller Fragen ist: Wozu gibt es einen Internet-Fernsehsender? Will ich fernsehen, schalte ich das dafür passende Gerät ein – den Fernseher. Will ich mir im Internet etwas ansehen, brauche ich dort keinen Fernsehsender, der mir vorschreibt, wann ich was zu sehen habe. Im Internet suche ich mir aus, was ich sehen will.
Umso erstaunlicher ist es, dass Family.TV stundenlang ein Frühstücksfernsehen sendet. Allerdings eines, das kaum zu ertragen ist. Live aus einer Art Wohnzimmer, der Ton miserabel, als ob das Mikrofon noch nicht erfunden ist. Da wirkt der Offene Kanal, da wirken viele Youtube-Shows professioneller, als das, was Family.TV da treibt.

In der Show “3 Jahre Family.TV” liefen am Sonnabend auch … ähm… Highlights aus dem Programm. Da lief ein Ausschnitt aus der … ähm … Gala “2 Jahre Family.TV”. Irgendjemand hat da eine Kamera in eine Kneipe gestellt, und irgendwo da hinten im Bild haben sich drei Leute unterhalten. Schwenks und Schnitte gab es nicht, durch wen auch? Jedes Homevideo ist spannender und qualitativ besser. Bei Family.TV scheinen sie andere Ansprüche zu haben.
Die Ausschnitte in der Jubiläumsshow schienen völlig willkürlich gewesen zu sein, niemand hat sich die Mühe gemacht, ordentliche Zusammenschnitte herzustellen. Mitten im Satz endeten dann gern mal die MAZen. Oft gab es sogar nur minutenlange Diashows.
Ein anderer Highlight-Film zeigte ein Boxevent, das der Sender einst übertrug. Zu sehen war ein stammelnder Moderator, dem wahrscheinlich jemand drei Sekunden vorher gesagt hat, dass er was moderieren soll. Der Mann hatte echte Angst. Später waren der Boxring zu sehen – auch nur mit einer Kameraeinstellung.
Haarsträubend. Jeder Lokalsender – selbst Oberhavel TV – macht um Längen besseres Fernsehen!

Bei Family.TV werden zudem Sendungen wie “Andreas Türck”, “Lenßen & Partner”, “Richterin Barbara Salesch”, uralte “Geh aufs ganze”-Shows oder “Verliebt in Berlin” doch tatsächlich als Monatshighlights angekündigt. Dass ich das noch erleben muss…
Und angeblich schauen das oft weit mehr als eine Million Zuschauer. Zahlen, denen ich stark misstraue. Es ist nicht vorstellbar, dass Family.TV im Internet Zuschauerzahlen erreicht, wie sie auch kabeleins oder ProSieben schaffen.

Family.TV sollte solchen Unsinn wie ein Frühstücksfernsehen oder Nachrichten, die sowieso nur aus Agenturberichten bestehen, sein lassen. Der Sender sollte sich stattdessen überlegen, welche Events im kleinen Rahmen geschaffen werden könnten. Die könnten dann live übertragen oder als Download zur Verfügung gestellt werden. Das Konzept, ein starres 24-Stunden-Programm anzubieten und das dann mit mülligem Sat.1-Ramsch zu füllen, ist jedenfalls überflüssig. Für Ramsch brauche ich keinen Internetsender.
Aber es scheint, dass sich ein junger Mann – der Chef ist noch keine 25 – einen Traum erfüllen will: seinen eigenen Fernsehsender. Er hat ihn sich erfüllt, leider auf einer Fremdschämebene.

RTelenovela

Traumtagebuch (84): Hier im Dschungel

Montag, den 9. Januar 2012
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(83) -> 26.12.2011

Das Dschungelcamp bei RTL wirft seine Schatten voraus. Und ich bin schon da.
Ich sehe mich um, beobachte, wie die anderen sich miteinander unterhalten. Wer meine Dschungelkollegen sind, kann ich nicht erkennen.

Ich weiß nur: Irgendwie fühle ich mich ganz wohl hier. Ich recke und strecke mich, doch plötzlich durchzuckt es mich: Ach, du scheiße! Jetzt muss ich ja bestimmt auch mal eine Dschungelprüfung ablegen!! Und ich möchte keineswegs eine Prüfung ablegen, da habe ich viel zu sehr Schiss.
Andererseits: Bisher bin ich noch verschont worden, denke ich. Wieso sollte das also anders sein. Dennoch wird mir schlecht bei dem Gedanken, Kakerlaken fressen zu müssen.

Aber zum Glück wache ich dann ja auf.

RTZapper

Schwer verliebt

Montag, den 9. Januar 2012
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SA 07.01.2012 | 13.25 Uhr | Sat.1

Dicke, hässliche, dämliche Menschen suchen andere dicke, hässliche, dämliche Menschen. Sie finden sich, schlabbern sich ab, sagen, dass sie sich lieben, und das soll dann ganz doll lustig sein. Sagen die Fernsehmacher.
Aber Sendungen wie “Schwer verliebt” ist Asi-TV. Nicht, weil die Menschen vor der Kamera Asis sind. Sondern weil die Macher der Show welche sind.

Die Asis bei Sat.1 lachen sich einen Ast ab, wenn sie Leute abfilmen können, die sich so richtig blöd verhalten und dabei noch doof aussehen. Sie schlagen sich sicherlich auf die Schenkel, wenn sie ihre Protagonisten dazu zwingen, sich halbnackig zu machen und ihre fetten Schenkel ins Bild halten müssen. So was finden die Asis bei Sat.1 so richtig witzig.

So sieht am Sonnabendmittag in “Schwer verliebt”, wie Sarah vor der Tür von Dirk steht. Sarah liebt den Dirk, und deshalb besucht sie ihn auch, ohne dass er es vorher wusste.
In Wirklichkeit liebt Sarah den Dirk aber gar nicht. Sagt jedenfalls Sarah. Vielmehr mussten Sarah und Dirk, wie die 27-Jährige sagt, ein Drehbuch abarbeiten. Beide mussten sich halb ausziehen und sich dann ins Bett legen, um so zu tun, als sei die große Liebe ausgebrochen.
Vorher mussten sie auch so tun, als fänden sie es total toll, dass sie sich mit flüssiger Schokolade einschmieren. Die Macher der Sat.1-Reihe haben sich das bestimmt bepisst vor Lachen.

“Schwer verliebt” ist ein neuer Tiefpunkt in der langen Reihe der miesen Dokureigen der Privaten. Einmal mehr berichtet eine Kandidatin über die ekelhaften Methoden, mit denen beim Fernsehen gearbeitet wird.
Die Kandidaten müssen angeblich Verträge unterschreiben, die sie nur ganz kurz überfliegen können. Sie müssen wohl machen, was das Team von ihnen verlangt, egal, wie dämlich das ist. Zum Dank bleiben die kandidaten auf den Kosten für den Strom sitzen und müssen sich der Häme von Zuschauern und Shows wie “TV total” oder “Zapping” stellen.
Und dann stellt sich die Moderatorin Britt Hagedorn hin und spricht von Romantik und davon, wie schln das doch alles ist. Aber nun ja, mit menschenverachtendem Fernsehen kennt sich Britt ja gut aus.

Sat.1 bestreitet natürlich alle Vorwürfe, was sollen die auch sonst tun.
Der Zuschauer hat eigentlich nur eine Wahl: nicht einschalten. Uns sollten Leute wie Sarah leidtun. Mir bleibt jedenfalls das Lachen im Halse stecken, wenn ich sehe, wie Sat.1 diese Leute bloßstellt.