Tagesarchiv für 6. Januar 2012

RTZapper

Punkt 6: Die Affäre Wulff und was sonst noch wichtig ist

Freitag, den 6. Januar 2012
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DO 05.01.2012 | 6.00 Uhr | RTL

Bei den Privatsendern sind sie mächtig sauer. Bundespräsident Christian Wulff wollte sein, ähm, Befreiungsinterview nur den Journalisten von ARD und ZDF geben. Und die Journalisten von den Privaten finden das nicht in Ordnung.

RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel sagte zur “Bild”: “Mit dieser bewussten Beschränkung auf die beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender schließt der Bundespräsident Millionen Menschen in unserem Land, deren Hauptinformationsquelle RTL aktuell ist, schlichtweg aus.”
Das ist eine mehr als erstaunliche Aussage. Peter Kloeppel glaubt also, dass Millionen Menschen nicht in der Lage sind, mit dem Finger die Fernbedienung zu benutzen. Peter Kloeppel hält seine Zuschauer also für bekloppt.
Gut zu wissen.

Aber die Aussage Kloeppels ist auch aus einem anderen Grund erstaunlich: Wo hätte denn das 21-minütige Interview mit Wulff laufen sollen? Um 20.15 Uhr anstelle der Informationssendung “Der Bachelor”? Oder doch eher um 0.30 Uhr nach dem “Nachtjournal”?
Nur weil der böse Christian Wulff RTL nicht beim Interview dabei haben wollte, musste das investigative Nachrichtenmagazin “Punkt 6” am Donnerstagmorgen nach vier Minuten über die Affäre Wulff ewig lange Promiklatschberichte ausstrahlen. Dazu Reportagen über entführte Kinder und packende Beiträge über die bald startende “DSDS”-Staffel. All das hätte RTL nicht senden müssen, wenn Wulff nicht so bockig gewesen wäre.
Ja, Herr Kloeppel, is’ klar.

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RTZapper

Die 20 spannendsten Wetter-Phänomene

Freitag, den 6. Januar 2012
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MI 04.01.2012 | 21.45 Uhr | hr-Fernsehen

Schön, dass wir die Öffentlich-Rechtlichen Programme haben. Die bieten noch die Vielfalt, die wir brauchen. Denkt man.
Beim Hessischen Rundfunk haben sie sich am Mittwochabend mal richtig viel Mühe gegeben. Um 21.45 Uhr ging es um “Die 20 spannendsten Wetter-Phänomene”. Ein spannendes Ranking. Um 22.45 Uhr begannen “Die beliebstesten Heimatfilme der Hessen”. Ein heimeliges Ranking. Um 0.15 Uhr folgten “Die größten Hessen”. Noch ein Ranking. Und wer sich nicht mehr so richtig erinnerte, für den zeigte das hr-Fernsehen im Anschluss noch mal “Die 20 spannendsten Wetter-Phänomene”.

Nein, liebe Leute vom hr. Ihr braucht kein abwechslungreiches Programm mehr anzubieten. Die blöden GEZ-Zahler können auch mit stundenlangem, billigen Rankingmüll abgefrühstückt werden.
Sicherlich, der hr muss sparen. Aber der ARD-Fundus bietet doch sicherlich mehr, als immer nur die Auflistung von Platzierungen in irgendwelchen bekloppten Themengebieten.
Für diesen Mittwochabend stellte sich der öffentlich-rechtliche hr ein Armuszeugnis aus.

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RTelenovela

Leander hat’s schwer

Freitag, den 6. Januar 2012
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Lander Haußmann ist eine tragische Figur. Der Regisseur hat einige schöne Filme geschaffen. “Sonnenallee” zum Beispiel. Und “Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe”.
Aber Haußmann hatte und hat Stress. Er wohnt im Osten Berlins, wo bald die Flugzeuge vom neuen Schönefelder Airport sooo dicht über sein Dach fliegen, dass sich Leander gestört fühlt und demonstriert und am liebsten Dauermahnwachen am Kanzleramt abhalten will – oder wenigstens am Roten Rathaus.
Ich weiß, wovon ich spreche, denn die Flieger sind mindestens so hoch in der Luft wie heute über Oranienburg. Und das stört auch nicht weiter.

Aber heute stand in der “Bild”, dass der Leander schon als Kind Schlimmes erleben musste. Bei der Premiere zum Schulfilm “Jonas” erzählte Haußmann, dass seine Schulzeit im Osten grauenvoll gewesen sei. “Im Osten hatte die Schule etwas Militärisches.”
Okay, es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder hat die “Bild” das Zitat arg verkürzt. Oder Haußmann ist geistig umnachtet.
Die DDR-Schule war grauenvoll? Militärisch? In meiner DDR-Schule habe ich nichts Militärisches erlebt. Okay, wir waren Pioniere, aber es gab Schlimmeres. Selbst die Appelle hatten mit Militär nur wenig zu tun. Dann wäre der Antritt beim Sport auch militärisch gewesen. Gut, es gab für Jugendliche eine Art Manöver – aber das auf die komplette Schulzeit zu projizieren, das ist eher die kategorie “Geschichtsverzerrung”. Nun ja, aber so kam Leander Haußmann wenigstens mal wieder in die Schlagzeilen. Auch wenn’s mit Stuss ist.

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RTZapper

Bundespräsident Wulff stellt sich

Freitag, den 6. Januar 2012
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MI 04.01.2012 | 20.15 Uhr | Das Erste

Ich bin erschüttert. Denn die Republik – unsere Republik – droht, sich zum Negativen zu verändern. Und zwar dann, wenn ein Ministerpräsident keine Freunde mehr haben darf. Und – böööse – schon gar nicht bei ihnen übernachten darf, ohne eine Rechnung zu verlangen.
Jedenfalls befürchtet das der Mann, der immer noch unser Bundespräsident ist. Aber Christian Wulff muss da irgendwas falsch verstanden haben. Wenn mal ein Freund bei ihm übernachtet, ist das was anderes, als wenn Politiker Wulff mit seiner Familie privat wochenlang und kostenlos im Ferienhaus eines bekannten Unternehmers wohnt.

Eigentlich wollte Christian Wulff mit dem Interview, das er Mittwochabend bei ARD und ZDF gab, den Befreiungsschlag schaffen. Doch die große Krischan-Show geriet zur Pleite für Krischan.
Nein, einem Live-Gespräch wollte er sich nicht stellen. Den Zuschauern wurde eine olle Konserve vorgesetzt. Live ist dem Herrn Wulff wohl zu brenzlig.

Es ist bestürzend naiv, was der Politiker seinem Volk zu sagen hatte. “Es gibt Menschenrechte selbst für Bundespräsidenten”, sagte er. “Ich will nicht Präsident in einem Land sein, wo sich keiner bei einem Freund Geld leihen kann.”
Dabei wollte Wulff erst gar nicht zugeben, von wem er die Kohle denn nun wirklich bekommen hat. Und als Politiker ist es natürlich ein Unterschied, ob man von igrendeinem Freund Geld leiht oder zufällig von einem Freund, der in der Wirtschaft aktiv ist.
Und scheibchenweise Fehler einräumen? Nein, sagt der Krischan, er habe doch alle 400 Fragen, die ihm gestellt wurden, beantwortet. Ist irgendwie nicht so rüber gekommen.

Und dass Wulff bei der “Bild” angerufen hat, um den kritischen Bericht zu verhindern, stimme auch nicht. Er wollte nur einen Aufschub um einen Tag, sagt er. Das bestreitet die “Bild”, aber Wulff zeigt seine Transparenz, in dem er verbietet, den (ihn nicht entlastenden?) Mitschnitt zu veröffentlichen. Wer lügt denn da?

Wulff bleibt. Nach fünf Jahren will er zurückblicken und sagen: Er war ein guter Präsi, so meint er.
Oha, Krischan. Na dann gucken wir mal. Unser Bundespräsident ist jedenfalls nicht mehr der, der uns ins gute Gewissen reden könnte. Er hat ja selbst keins.

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