Tagesarchiv für 21. Oktober 2011

aRTikel

Die Oranienburger in der arschlochfreien Zone

Freitag, den 21. Oktober 2011
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Kultur: Dieter Moor las in der ausverkauften Orangerie aus seinem Buch

MAZ Oranienburg, 21.10.2011

Auch wenn Moor meist nur aus seinem Buch vorliest: Es wirkt, als ob er das alles spontan erzählt. Zwei extrem kurzweilige Stunden.

ORANIENBURG
Dieter Moor steht auf der Bühne der Oranienburger Orangerie und ist echt irritiert: Bibliothekschefin Katharina Bölke kündigt eine ihm scheinbar völlig unbekannte Veranstaltung an. Es werde keine Lesung im eigentlichen Sinne sein, so Bölke. Jeder könne Fragen stellen, und danach wolle Moor Bücher signieren. Moor lacht. „Ich muss Sie enttäuschen“, sagt er dann. „Das hier ist tatsächlich eine Lesung.“ Nein, damit enttäuscht er die Oranienburger am Mittwochabend keineswegs, denn genau deshalb sind sie ja zu ihm gekommen.

Der 53-jährige Schweizer und Wahl-Brandenburger las in der Orangerie aus seinem Buch „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht: Geschichten aus der arschlochfreien Zone“. Moor zeigt sich erstaunt darüber, was so ein Büchlein bewirken könne. „Ein kleiner Schweizer zieht nach Brandenburg. Es gefällt ihm hier. Er schreibt ein Buch. Das bewirkt, dass er Lesungen gibt, und nun treffen wir uns hier in Oranienburg.“ Das Publikum lacht und applaudiert. Schuld, dass Moor nun in Brandenburg lebt, ist übrigens seine Frau Sonja. „Die ist nämlich total unvernünftig“, erzählte Dieter Moor. Er hatte vor gut zehn Jahren angekündigt, er wolle aus der Schweiz wegziehen – in die Nähe von Berlin. Und sie: „Wenn du meinst.“ Gesagt, getan. „Berlin ist ja umzingelt von Brandenburg“, so Moor. „Wenn man in die Nähe von Berlin ziehen will, zieht man nach Brandenburg.“ Was ihm in seinem Bekanntenkreis entsetzte Blicke einhandelte: „Nach Brandenburg?? Bist du wahnsinnig??“

Moor liest das, aber es scheint, als erzählte er es ganz spontan. Der Moderator und Autor schaffte eine gelungene Mischung aus erzählten Geschichten und vorgelesenen. Er hat die Gabe so zu lesen, als plaudere er mit seinen Zuschauern. Die zwei Stunden vergehen wie im Flug. Die Oranienburger amüsierten sich köstlich über die Geschichten, wie sich Moor im brandenburgischen Wald verfahren hat oder wie er das erste Mal in seinem Dorf Amerika (in Wirklichkeit: Hirschfelde im Barnim) einkaufen geht.
„Mir hat es großen Spaß gemacht“, sagte Dieter Moor ganz am Ende. Im kommenden Sommer erscheint sein zweites Buch über das Leben auf dem brandenburgischen Land.

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RTZapper

Bahn frei! – Am Flughafen geht die neue Landebahn in Betrieb

Freitag, den 21. Oktober 2011
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FR 21.10.2011 | 14.15 Uhr | hr-Fernsehen

Wo ist Ulrich Deppendorf, wenn man ihn mal braucht?
Da latscht doch Bundeskanzlerin Angela Merkel an einem Reporter des Hessischen Rundfunks vorbei, ohne ihm auch nur die geringste Aufmerksamkeit zu schenken.

In Frankfurt/Main ist heute die vierte Landebahn am Flughafen in Betrieb gegangen, und das hr-Fernsehen übertrug am Freitagnachmittag unter dem Titel “Bahn frei” live.
Die Kanzlerin war eine der ersten, die auf dem nigelnagelnauen Asphaltstück landen durfte.
Und zum Dank ignoriert sie den hr. Okay, der Reporter, der live auf Sendung war, bemühte sich nicht wirklich, der Merkel ein paar Worte abzuringen. Da wäre Uli Dppendorf, der Chef des ARD-Hauptstadtstudios, ganz anders gewesen: Er hätte ihr ganz sicher hinterhergerufen. Nein, besser: Ihn hätte niemand an die Seite abgeschoben, meterweit neben dem roten Teppich. Hätte die ARD den Deppendorf geschickt, er hätte sicher auf dem roten Teppich gestanden. Aber da das ganze nur im Dritten Programm lief, blieb auch der Uli in seinem Berliner Studio.
Nächstes Mal ist der hr bestimmt besser vorbereitet…

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RT im Kino

Footloose

Freitag, den 21. Oktober 2011

Okay, eigentlich und ganz grundsätzlich sind Remakes im Kino völlig überflüssig. “Footloose” gab es 1984 schon einmal, warum man das 2011 noch mal drehen muss, wissen wohl nur die Produzenten, die sich davon wohl ordentlich Kohle erhoffen. Wie es heißt, soll ja demnächst auch “Dirty Dancing” in einer Neufassung ins Kino kommen. Hm.
Auf “Footloose” in der 2011er-Version hat also kaum jemand wirklich gewartet. Was nicht heißt, dass der Film mies ist. Ist er ganz und gar nicht.

Es ist drei Jahre her, dass in einem US-Provinzkaff eine Gruppe Jugendlicher bei einem Autounfall gestorben ist. Sie kamen vom Tanzen und waren wohl überdreht – so die Lokalpolitiker, die ein Verbot nach dem anderen erließen: So dürfen Minderjährige in den Ort nicht mehr öffentlich tanzen. Das ist zu wild. Und das kann Konsequenzen haben.
Ren MacCormack (Kenny Wormald) ist neu in der Stadt, und er will sich das nicht gefallen lassen. Er nimmt den Kampf auf gegen die Gotteshörigen und Ängstlichen und Verbohrten.

Sagen wir mal so: Die Handlung ist durchaus schlicht und oberflächlich. Sie spielt wohl in der Jetztzeit, aber gerade die Erwachsenen erscheinen und denken wie vor 40 Jahren. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja in den Käffern im Nirgendwo noch so, dass vor allem die Kirche zählt und die Prüderie.
Es ist der übliche Kampf: Da der ordentliche Junge, der keine Drogen nimmt und Alkohol hasst. Und dort der böse Junge, der dem Lieben ans Schlafittchen will. Da die Jugendlichen, die sich amüsieren will. Und dort die bösen Erwachsenen, die ihnen das verbieten.
Aber die Sache entwickelt sich ja, und sich das anzusehen, macht durchaus Spaß. Craig Brewer hat keinen anspruchsvollen Film gedreht, sondern einen, der unterhalten soll. Und das macht er in seiner ganzen Belanglosigkeit. In zwei Stunden bekommt man coole Menschen zu sehen, colle Musik zu hören, und am Ende kommt man beschwingt aus dem Kino. Für diesen Moment reicht das völlig aus. Nächstes Mal kommt dann wieder was mit mehr Anspruch…

7/10

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RTelenovela

Bahnbekanntschaften (55): Musik! Und Kohle her!

Freitag, den 21. Oktober 2011
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(54) -> 16.10.2011

Seit einiger Zeit zieht eine Truppe durch die S-Bahn, die relativ aufwändig Musik macht. Sie haben diverse Instrumente dabei: eine Gitarre, eine Trompete, manchmal ein Akkordeon und immer ein viereckiges Gerät, das sie hinter sich herziehen, aus dem ein zusätzlicher Beat ertönt.
Damit sind sie regelmäßig auf der Berliner Stadtbahn unterwegs. Ich habe sie nun schon öfter zwischen Zoologischer Garten und Friedrichstraße angetroffen.
Die Masche, mit der sie Musik machen, die geht mir allerdings unfassbar auf die Nerven.

Ich gebe gerne ein paar Cent, wenn mir die gebotene Live-Musik in der S-Bahn gefällt. Vor allem, wenn ich merke, dass sie zwar spielen, weil sie Geld sammeln wollen, aber auch, weil sie Spaß dran haben.

Bei den Profi-Bahnmusikern läuft das so ab: Sie kommen in den Waggon, postieren sich an einer Stelle und beginnen zu spielen. Im gleichen Augenblick laufen sie los und wollen Geld einsammeln. In dem Moment, wo sie einmal durch waren, hörten sie abrupt auf zu spielen, mitten in der Strophe, obwohl der nächste Bahnhof noch nicht erreicht waren.
Solche Leute bekommen von mir keinen Cent! So was nenne ich scheiß Rumgeschnorre! Die kommen nur, um die Menschen abzuzocken.

Aber es funktioniert: Heute habe ich miterlebt, wie die Truppe offenbar Feierabend hatte und in der Bahn damit begann, das Geld untereinander aufzuteilen. Irgendwo zwischen dem Hauptbahnhof und dem Hackeschen Markt machten sie Inventur. Ein großes Geklimper. Alle hatten sie eine riesige Menge an Kleingeld in den Taschen, viele Eurostücke sind dabei gewesen.
Das Geschäft scheint also zu funktionieren.

Gute zwei Stunden später sah ich einen jungen Musiker, der unter der Bahnbrücke am Alexanderplatz stand, Gitarre spielte und sang. Das klang gut, viele hörten zu, und ich gab ihm einen Euro. Er hat es sich verdient.

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RTZapper

Homevideo

Freitag, den 21. Oktober 2011
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MI 19.10.2011 | 20.15 Uhr | Das Erste

Das Internet ist böse? Nein, die Menschen sind es, die das Internet missbrauchen.
Das Erste zeigte am Mittwochabend einen Film, der das eindrucksvoll und auf bedrückende Weise zeigte.

Jakob (Jonas Nay) dreht mit seiner Videokamera dies und das. Der 15-jährige filmt die Familienidylle. Ihr vertraut er an, dass er in Hannah (Sophia Broehme) verliebt ist – und filmt sich beim onanieren.
Aber plötzlich ist die Kamera weg. Jakobs Mutter hat sie an einen Klassenkameraden verliehen. Gefragt hat sie Jakob nicht. Seine Welt steht still. Panik. Blanke Panik. Und tatsächlich: Bald erscheint das Video im Internet. Alle können ihn sehen. Es ist die Hölle.

Es heißt immer wieder, man müsse Regeln im Internet setzen. Man müsse die Menschen schützen. Aber in Wirklichkeit müssen einfach nur die Regeln eingehalten werden, die es sowieso schon gibt.
Henry, der das Video von Jakob hat, ihn damit erpresst, schert sich nicht um Regeln. Ihm es ist es scheinbar völlig egal, dass Jakob zum Gespött der ganzen Schule wird.

Regisseur Kilian Riedhof wagt sich in “Homevideo” an das Thema Cybermobbing. Gut ist, dass er relativ vorurteilsfrei an die Sache rangeht. Er verteufelt nicht das Internet an sich, er beschäftigt sich mit den Menschen, die es nutzen. Und missbrauchen. Er zeigt die schockierende Ausweglosigkeit. Und die Hilflosigkeit der anderen Schüler, der Lehrer, der Eltern. Niemand kann Jakob helfen. Nicht die eigenen Eltern, die sich zu allem Überfluss gerade auch noch trennen, aber trotzdem versuchen, den Jungen wieder aufzurichten. Sie machen das sogar ganz rührig und ganz ernsthaft – aber es hilft eben nicht. Der Junge ist gebrandmarkt. Da hilft auch ein Schulwechsel nicht.
Am Ende sieht es aus, als ob sich alles in Wohlgefallen auflöst. Das denken jedenfalls die Eltern. Und der Zuschauer auch. Jakob denkt das nicht. Für ihn gibt es keinen Ausweg.

Das schockiert. Die Vehemenz, die Konsequenz des Filmes, die nicht vorhandene heile Welt macht an dieser Stelle einfach nur hilflos.

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ORA aktuell

Aus fürs Nationale Jugendzentrum im Oranienburger Speicher

Freitag, den 21. Oktober 2011
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Der Oranienburger Speicher unweit des Louise-Henriette-Steges ist nazifrei. Rechtsextremisten, die das Haus als Treffpunkt, als “Nationales Jugendzentrum Oranienburg”, nutzten, haben es Ende September verlassen.
Damit kamen sie der Kündigung durch den Besitzer zuvor. Die sprach er nach Gesprächen mit der Oranienburger Stadtverwaltung aus. Stadtsprecher Björn Lüttmann sagte der Märkischen Allgemeinen, “dass wir so was bei uns nicht brauchen und hoffen, dass wir den braunen Sumpf austrocknen”.

Nach Informationen der Antifa nutzte die NPD-Jugendorganisation “Junge Nationaldemokraten” den Speicher für Veranstaltungen.

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