Tagesarchiv für 12. Oktober 2011

RTZapper

rbb spezial: Anschlagsziel Bahn

Mittwoch, den 12. Oktober 2011
Tags: , ,

DI 11.10.2011 | 20.15 Uhr | rbb

Jens Wieseke wünscht sich die Kreidetafeln zurück, die früher immer auf den Bahnhöfen der Berliner S-Bahn rumstanden. da könne man nämlich was raufschreiben, wenn es Störungen im Bahnverkehr gebe. Das sagte der Mann vom Berliner Fahrgastverband am Dienstagabend im “rbb spezial” zum Bahnchaos durch die gefundenen Brandsätze. Die Bahn stoße an Grenzen, sagte er noch.

Seltsam. Die Bahn hat doch was viel Moderneres als Kreidetafeln. Nämlich die digitalen Anzeigetafeln. Wenn nicht mal jemand an einer zentralen Stelle in der Lage ist, auf diese Tafeln aktuelle Hinweise einzugeben und groß anzuzeigen, wer soll denn dann auf die Kreidetafeln etwas raufschreiben?
Das Krisenmanagent bei der Bahn hapert schon an den einfachsten Dingen. Die Informationspolitik ist mieserabel. Seltsam, dass das der Mann vom Fahrgastverband nicht ganz so eng sieht.

PS: Respekt, Uli Zelle! Stundenlang musste der rbb-Reporter am Berliner Hauptbahnhof ausharren und Anzeigetafeln anstarren und erzählen, dass es langsam ruhiger wird auf dem Bahnhof. Reporter zu sein, ist manchmal ein schweres Los.

Hits: 87

RTelenovela

Brandsätze in Berlin: Danke, ihr Idioten!

Mittwoch, den 12. Oktober 2011
Tags: , ,

Der Gedanke war da: Als ich am Dienstagvormittag gegen 11.20 Uhr mit dem RE5 auf den Nord-Süd-Tunnel in Berlin zufuhr, dachte ich an den Tag davor. Da wurden genau an der Stelle mehrere Brandsätze gefunden, die linke Terroristen dort gelegt hatten.
Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Es lagen immer noch gefährliche Brandsätze an dieser Stelle.

Es ist 15.30 Uhr, und ich will mit dem RE5 wieder nach Oranienburg zurück.
Auf dem Monitor im 1. Untergeschoss des Hauptbahnhofes steht, dass mein Zug erst ab Gesundbrunnen fährt. Ich kann aber mit dem RE3 fahren, auch wenn er fünf Minuten Verspätung hat.
Ich laufe ie Treppen runter. Der ICE nach Hamburg steht auf dem Gleis nebenan, eigentlich hätte er schon fünf Minuten weg sein müssen. Auf dem Bahnsteig berät eine Reisegruppe, was sie tun soll. Mit der S-Bahn nach Berlin-Spandau? Der ICE wird nämlich so schnell den Bahnhof nicht verlassen, der Zugbegleiter weiß jedenfalls nicht, wann es weitergeht.
Die Strecke ist gesperrt. Wegen Sabotage.

Auf dem Bahnsteig herrscht Ratlosigkeit. Die Informationen sind spärlich oder falsch. Auf der Anzeigetafel wird der RE3 noch immer angekündigt – etwa 5 Minuten später. Gleichzeitig gibt es eine (extrem leise) Lautsprecherdurchsage. Keine Ein- und Ausfahrten wegen Sabotage, wir sollen doch die S-Bahn nehmen und nach Gesundbrunnen fahren.
Aber an der Anzeigetafel tut sich was anderes: Der RE5 fährt, aber vom anderen Gleis. Die ganze Meute setzt sich in Bewegung. Treppauf, treppab.
Und tatsächlich: Der RE5 kommt. Während er laut Anzeigetafel nach Rostock fährt, steht am Zug: Berlin Hbf. Der Zug endet hier. Ah ja. Als der Zug steht, schaltet auch die Anzeigetafel um.
Wir müssen tatsächlich alle mit der S-bahn nach Gesundbrunnen.
Wozu gibt es eigentlich diese schönen digitalen Anzeiger, wenn sie dermaßen unflexibel sind?

Gesundbrunnen. Eine Übersicht, welcher Zug gerade wo fährt und eventuell verspätet ist, gibt es an diesem Regional- und Fernbahnhof nicht. Wozu auch? Ist ja lästig.
Auch in Gesundbrunnen herrscht Ratloigkeit. Auf Gleis 10 fährt ein Fernzug ein, von dem die Anzeigetafel nichts weiß. Sie zeigt einen Regionalexpress an.
Inzwischen ist es 16.20 Uhr. Ich hätte seit 10 Minuten in Oranienburg sein sollen. Auf der Anzeigetafel tut sich wieder was. Der RE5 um 16.50 Uhr fährt nicht von Gleis 10, sondern von Gleis 6.
Die Meute setzt sich in Bewegung. Treppauf, treppab.

Auf Gleis 6 führt gerade ein Zug ein. Laut Anzeiger fährt er nach Elsterwerda, was aber nicht sein kann, weil er in die falsche Richtung fährt. Am Zug selbst steht Rostock Hbf. Ist das etwa mein Zug?
Sicher ist sich niemand. Irgendjemand fragt den Zugführer: Also, ich fahre nach Rostock, glaube ich, sagt der. Viele steigen ein und beginnen zu telefonieren. Die meisten haben, wie ich, inzwischen eine Stunde Verspätung. Noch 20 Minuten bis zur Abfahrt.

20 Minuten später. Eine Ansage: Wir müssen auf Anschlussreisende warten. Abfahrt in 20 bis 30 Minuten. Na toll. Auf uns hat vorher auch niemand gewartet.
Die Stimmung im Bus ist so lala, einige müssen noch mal telefonieren: Es wird noch später.
An den Gleisen sind Männer in orangen Warnwesten zu sehen. Sie scheinen die Strecke zu überprüfen. Erst am Abend kommt heraus, dass auch an der Bornholmer Straße Sprengästze liegen.

17.13 Uhr. Mit 23 Minuten Verspätung – eigentlich sind es ja 83 Minuten – verlassen wir Gesundbrunnen. Durchsage: Den Anschlusszug in Oranienburg nach Templin werden wir nicht erreichen, bitte nutzen Sie den nächsten Takt. Der mann, der nach Nassenheide will, kommt nun also sogar zwei Stunden später an als geplant.

Es ist wohl eine linke Gruppe, die die Brandsätze auf Bahnstrecken aus Protest gegen Afghanistan-Krieg, Rüstungsexporte und Stress im Alltag gelegt hat. Im Afghanistan-Krieg habe man die Leute nicht gefragt, heißt es. in dem Bekennerschreiben. Dass man drauf mit Gewalt reagiert, dafür haben aber wohl auch eher wenig Leute Verständnis. Und gegen Stress im Alltag damit zu reagieren, für Stress im Alltag zu sorgen – also irgendwas muss da im Gehirn der Terroristen nicht stimmen. Ihr seid einfach nur Idioten!

Hits: 74